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Einer der erklärten Fixpunkte unserer Besucher, was Sehenswürdigkeiten anbelangte, war der Zentralfriedhof. Ich als von Natur aus dem Wetter misstrauender Mensch hatte am Donnerstag morgen beim Blick aus den Fenster sofort den Gedanken, diesen Programmpunkt für den heutigen Sonnentag anzusetzen, zumal mir ohnehin alleine schon der in der Simmeringer Heide ständig wehende Wind zu schaffen macht, ganz zu schweigen von eventuell hinzukommendem Regen; mein Vorschlag wurde angenommen. Da unsere Gäste ausschlafen wollten, nutzen wir die Gelegenheit, um ins Sperl frühstücken zu gehen ...

Die Tatsache, dass wir mit dem Wagen in den Friedhof fuhren, stieß zunächst auf leichtes Befremden, welches sich allerdings angesichts der flächenmäßigen Ausdehnung der Anlage in Staunen verwandelte. Der schönste und traurigste Teil zugleich ist für mich der jüdische Friedhof mit seinen Grabinschriften, die Spiegel mehr als einer Epoche sind und deren Wirkung sich kein Mensch, für den Empathie kein Fremdwort ist, entziehen kann. An diesem Vormittag waren wir die einzigen Menschen, die durch die stillen Reihen wanderten, begleitet von Fasanenrufen und Feldhasen ...

Natürlich besichtigten wir auch einige der Ehrengräber; als krönender Abschluss stand die Kirche auf dem Programm, die an diesem sonnigen Tag sich mit ihrem Weiß gegen den strahlend blauen Himmel abhob und dadurch ein wenig an das Taj Mahal erinnerte. Für mich ist diese Kirche eine der schönsten überhaupt, aber auch weniger eingeschworene Fans des Jugendstil begeistern sich für dieses Gesamtkunstwerk in weiß, blau und gold, so auch unsere Gäste.

Aufgrund der relativen Nähe fuhren wir in Richtung KunstHaus, zumal der Wunsch nach Besichtigung der Giger-Ausstellung laut geworden war. Ich persönlich finde Gigers Werk zwar richtungsweisend, möchte mich aber nicht als Fan seiner Kunst bezeichnen, sodass ich - nicht zuletzt aufgrund von mit Kreislaufproblemen einhergehenden Ermüdungserscheinungen - es vorzog, im Shop zu stöbern und einen Kaffee zu trinken, während unsere Besucher die Ausstellung ansahen, die übrigens sehr positiv aufgenommen wurde, weil sie anscheinend einen sehr repräsentativen Querschnitt durch Gigers Schaffen bietet.

Mittlerweile waren Wolken aufgezogen, die für die nächsten Tage nichts gutes verhießen, sodass wir beschlossen, die Gunst der Stunde zu nützen und unseren Gästen noch die Aussicht vom Leopoldsberg auf Wien zu zeigen; danach hatten wir insgeheim geplant, ein Restaurant zu besuchen, das wir schon auf früheren Fahrten in die unmittelbare Umgebung erkundet hatten und das uns ob seiner ausgezeichneten Küche und des aufmerksamen Service angenehm in Erinnerung geblieben war. Die Aussicht war bemerkenswert, nur der anschließende Restaurantbesuch war ein Flop sondergleichen. Ein unübersehbarer Rechtschreibfehler auf einer Tafel in der Nähe des Einganges war als böses Vorzeichen zu werten, dem auch sowohl Service als auch Küche spielend gerecht wurden. Es stellte sich heraus, das Speisekarte und Lokal zwar größtenteils optisch gleichgeblieben waren, jedoch hinter den Kulissen ein Besitzerwechsel stattgefunden haben musste. Schade um den Schottenhof ...

Um unseren Frust zu kompensieren und den Abend harmonisch ausklingen zu lassen, begaben wir uns wieder Richtung Innenstadt, um die am Donnerstag bis 21Uhr geöffnete Nationalbibliothek zu erkunden; dies wiederum erwies sich als ausgezeichnete Idee, zumal nur mehr wenige Menschen anwesend waren, sodass wir die Ruhe und Muße hatten, uns umzusehen und auch die laufende Ausstellung zum Thema Kulinarik zu begutachten, die aufgrund so mancher Kuriosa nicht nur einen Zugewinn an Allgemeinbildung mit sich brachte, sondern auch für Heiterkeit sorgte.

Als der Wunsch nach einem Dessert laut wurde, steuerten wir den Albertinaplatz an, um uns entsprechend an diversen Errungenschaften der Wiener Konditorkunst gütlich zu tun - und nein, ich sag jetzt nicht, wo wir waren, sonst wird das hier ein Werbeblog für Landtmann & Filialen ! Somit klang der Abend harmonisch und kulinarisch versöhnlich aus ...


Fortsetzung folgt
 

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