Obwohl sie schon mehrfach thematisiert wurde, gebe ich der Einfachheit halber hier nochmals die derzeit aktuelle Liste der im „Spiegel“ veröffentlichten bedrohten Wörter wieder:
1. Kleinod
2. blümerant
3. Dreikäsehoch
4. Labsal
5. bauchpinseln
6. Augenstern
7. fernmündlich
8. Lichtspielhaus
9. hold
10. Schlüpfer
Ja, im Großen und Ganzen stimme ich mit der Jury überein, wenn auch mit zwei Einschränkungen: „Dreikäsehoch“ war und ist in der österreichischen Sprache (Sie erinnern sich ? Das einzige, was Österreicher und Deutsche trennt, ist die gemeinsame Sprache !) kein gängiger Begriff. Für ein Kind jener Größenordnung, welche dieser Begriff bezeichnet, benutzte man früher hierzulande „Stoppel“, was in meinen Ohren auch ungleich charmanter klingt als „Dreikäsehoch“. Apropos: Täusche ich mich oder wurde dieser Ausdruck in erster Linie für Jungen (=Buben) verwendet („Stoppel“ meiner Meinung nach übrigens ebenso) ?
Wie auch immer: Ich hege keinerlei Animositäten gegen den Drittplatzierten, wohingegen ich inständigst - um nicht zu sagen: flehentlich – bitte, dem Schlüpfer als Wort Sterbehilfe zu leisten ! Sicher, „Slip“ heißt auch nichts anderes, klingt aber sehr viel zeitgemäßer. Oh nein, ich bin nicht zur fanatischen Erfüllungsgehilfin allgegenwärtiger Anglizismen geworden, sondern erinnere mich mit Schrecken an Versandhauskataloge aus den späten 60er-Jahren, welche sowohl für Damen als auch für Herren (baum-)wollene Ein-Mann-Zelte als „Schlüpfer“ anpriesen, deren Optik alleine schon die Verwendung jedweden Verhütungsmittels obsolet erscheinen ließ. Nicht umsonst ging die Bezeichnung „Liebestöter“ für diese Art von Unterwäsche um ! Elegante (soweit Nylon und Polyester überhaupt als elegant bezeichnet werden können) und „verspielte“ (Doch, damals war dieses Wort ein in diesem Kontext gerne verwendetes Attribut !) Unterwäsche eroberte sich nach und nach die Bezeichnung „Dessous“, und je kleiner die Wäschestücke aus simpler Baumwolle wurden, desto mehr setzte sich der Begriff „Slip“ durch. „Schlüpfer“ gab es nach wie vor, allerdings wurde schnell deutlich, dass die mit diesem Wort angesprochen werden sollende Zielgruppe sich in erster Linie aus Menschen zusammensetzte, die entweder schon sehr, sehr lange jenseits jeglicher Erotik lebten (meine Großmutter beispielsweise) oder aus solchen, für die Kleidung in erster Linie „praktisch“ zu sein hatte (meine Mutter beispielsweise). Habe ich da hinten gerade unterdrücktes Lachen gehört ? Ich für meinen Teil konnte zumindest in meiner Kindheit an dicken, knielangen Unterhosen in Zuckerlfarben mit leicht glänzender Oberfläche nichts Lustiges finden, das können Sie mir glauben ! Aber ja, irgendwann werde vermutlich auch ich über diese Ungetüme lachen, nämlich dann, wenn ich diejenigen von ihnen, welche aufgrund meiner im Volksschulalter eingesetzt habenden Verweigerung noch ungetragen in irgendeinem elterlichen Schrank liegen, als Fetisch verkaufen und damit ähnlich utopische Preise erzielen werde wie gewisse alte Gummi-Regenmäntel, die bei Versteigerungen weggehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Aber bis dahin möchte ich dieses Wort nicht mehr hören und nicht mehr lesen ! Also, BITTE, vergessen Sie „Schlüpfer“ einfach, ignorieren Sie dieses Wort zu Tode und breiten Sie den Mantel des ewigen Schweigens darüber. Mein Dank wird Ihnen gewiss sein.
1. Kleinod
2. blümerant
3. Dreikäsehoch
4. Labsal
5. bauchpinseln
6. Augenstern
7. fernmündlich
8. Lichtspielhaus
9. hold
10. Schlüpfer
Ja, im Großen und Ganzen stimme ich mit der Jury überein, wenn auch mit zwei Einschränkungen: „Dreikäsehoch“ war und ist in der österreichischen Sprache (Sie erinnern sich ? Das einzige, was Österreicher und Deutsche trennt, ist die gemeinsame Sprache !) kein gängiger Begriff. Für ein Kind jener Größenordnung, welche dieser Begriff bezeichnet, benutzte man früher hierzulande „Stoppel“, was in meinen Ohren auch ungleich charmanter klingt als „Dreikäsehoch“. Apropos: Täusche ich mich oder wurde dieser Ausdruck in erster Linie für Jungen (=Buben) verwendet („Stoppel“ meiner Meinung nach übrigens ebenso) ?
Wie auch immer: Ich hege keinerlei Animositäten gegen den Drittplatzierten, wohingegen ich inständigst - um nicht zu sagen: flehentlich – bitte, dem Schlüpfer als Wort Sterbehilfe zu leisten ! Sicher, „Slip“ heißt auch nichts anderes, klingt aber sehr viel zeitgemäßer. Oh nein, ich bin nicht zur fanatischen Erfüllungsgehilfin allgegenwärtiger Anglizismen geworden, sondern erinnere mich mit Schrecken an Versandhauskataloge aus den späten 60er-Jahren, welche sowohl für Damen als auch für Herren (baum-)wollene Ein-Mann-Zelte als „Schlüpfer“ anpriesen, deren Optik alleine schon die Verwendung jedweden Verhütungsmittels obsolet erscheinen ließ. Nicht umsonst ging die Bezeichnung „Liebestöter“ für diese Art von Unterwäsche um ! Elegante (soweit Nylon und Polyester überhaupt als elegant bezeichnet werden können) und „verspielte“ (Doch, damals war dieses Wort ein in diesem Kontext gerne verwendetes Attribut !) Unterwäsche eroberte sich nach und nach die Bezeichnung „Dessous“, und je kleiner die Wäschestücke aus simpler Baumwolle wurden, desto mehr setzte sich der Begriff „Slip“ durch. „Schlüpfer“ gab es nach wie vor, allerdings wurde schnell deutlich, dass die mit diesem Wort angesprochen werden sollende Zielgruppe sich in erster Linie aus Menschen zusammensetzte, die entweder schon sehr, sehr lange jenseits jeglicher Erotik lebten (meine Großmutter beispielsweise) oder aus solchen, für die Kleidung in erster Linie „praktisch“ zu sein hatte (meine Mutter beispielsweise). Habe ich da hinten gerade unterdrücktes Lachen gehört ? Ich für meinen Teil konnte zumindest in meiner Kindheit an dicken, knielangen Unterhosen in Zuckerlfarben mit leicht glänzender Oberfläche nichts Lustiges finden, das können Sie mir glauben ! Aber ja, irgendwann werde vermutlich auch ich über diese Ungetüme lachen, nämlich dann, wenn ich diejenigen von ihnen, welche aufgrund meiner im Volksschulalter eingesetzt habenden Verweigerung noch ungetragen in irgendeinem elterlichen Schrank liegen, als Fetisch verkaufen und damit ähnlich utopische Preise erzielen werde wie gewisse alte Gummi-Regenmäntel, die bei Versteigerungen weggehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Aber bis dahin möchte ich dieses Wort nicht mehr hören und nicht mehr lesen ! Also, BITTE, vergessen Sie „Schlüpfer“ einfach, ignorieren Sie dieses Wort zu Tode und breiten Sie den Mantel des ewigen Schweigens darüber. Mein Dank wird Ihnen gewiss sein.
walküre - am Montag, 2. Juli 2007, 21:17 - Rubrik: Bedrohte Wörter
SusanneM meinte am 7. Jul, 13:57:
ergänzend
wäre noch aus Cicero hinzuzufügen:Herzeleid (Liebeskummer)
Handzettel (für Flyer)
Häppchen (Fingerfood)
Mit dem Schlüpfer gebe ich Ihnen völlig recht, da läuft's einem eiskalt den Rücken runter, vom Nacken bis zum Schl...grrmpffh