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In Ermangelung einer für größere Kochaktionen angelegten Küche und aus Unlust, Silvester heuer in einem gastronomischen Rahmen zu verbringen, haben wir beschlossen, am heutigen Vormittag einen Streifzug über den Naschmarkt zu machen, um feine Häppchen zu erjagen und zu sammeln. Dass ich schon seit über einer Woche in Wien wohne, ohne einen einzigen Wiener Kaffee getrunken zu haben, trug den Status eines beinahe untragbaren Zustandes (Lieber Gott, lass mich für den Rest meines Lebens bitte keinen anderen Probleme haben !), und so waren wir um neun Uhr vor Ort. Die Stände wurden mit wenigen bereits geöffneten Ausnahmen erst für den Ansturm vorbereitet, sodass wir in Ruhe auf einen Kaffee gehen konnten. Die "Gräfin vom Naschmarkt" - um diese Uhrzeit noch ein ruhiges Lokal - bot sich an. Mein favorisiertes Wiener Frühstück besteht aus einem Franziskaner (starkem Kaffee mit etwas Milch und einer Obershaube), frischem Orangensaft und Ham and Eggs mit einem Stück Gebäck; meine Bestellung lautete dementsprechend. Verwirrt war ich allerdings, als die ausgesprochen nette Bedienung unversehens ein schön eingeschenktes Weißbier vor mich hin stellte. Der vermeintliche Irrtum war keiner, denn ich wurde dahingehend aufgeklärt, dass bei der Gräfin viele Gäste gerne Franziskaner-Weiße trinken ... Der beste aller Ehemänner amüsierte sich königlich darüber, dass ausgerechnet ich, die schon beim Vorbeitragen eines alkoholischen Getränkes einen Schwips bekommt, zum Frühstück ein Weizen bestelle ! Getrunken habe ich es allerdings nicht, denn dann wäre der Tag für mich gelaufen gewesen ...

Am Markt haben wir steirisches Obst, türkische Leckereien, diverse Käse, Säfte aus der Wachau sowie Mangaliza-Salami und Beinschinken erstanden; Brot wurde unter anderem beim Pöhl vor dem Geschäft offeriert, und so stellte ich mich an. Wenn so viele feine Sachen angeboten werden, habe ich überhaupt nichts gegen eine Wartezeit, weil ich dann in Ruhe goutieren kann. Meine Entscheidung war schnell gefallen, nur bei einer bestimmten Gebäcksorte war ich mir im Unklaren, da sie mir von der Optik her gänzlich unbekannt schien. Auf meine Erkundigung nach diesem Gebäck hin bekam ich von dem überaus sympathischen und freundlichen Verkäufer die Auskunft, es handele sich hier um ein "Grammelpogatscherl". Das Wort selber war mir ja nun in der geschriebenen Variante keineswegs unbekannt, charmant ausgesprochen klingt es jedoch dermaßen entzückend, dass es mit Worten gar nicht zu sagen ist ! Davon abgesehen mundet diese Spezialität so, wie sie aussieht - nämlich absolut köstlich ...

grammelpogatscherl

Last but not least ist es mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle allen Besucherinnen und Besuchern meines Blogs ein wunderbares Neues Jahr zu wünschen:

May the best day of your past be the worst of your future !
diefrogg meinte am 31. Dez, 15:55:
Seeehr gleichfalls,
geschätzte Frau Walküre! 
kaltmamsell meinte am 31. Dez, 17:06:
Sehr gleichfalls.
(Das Gebäck hieße bei mir vermutlich Specklaiberl.) 
walküre antwortete am 31. Dez, 19:33:
Nein,
eben nicht - Speckweckerln (Semmelteig mit Speckwürfeln) gab/gibt es ebenfalls zu kaufen, bei den Grammelpogatscherln handelt es sich aber um einen etwas dunkleren Teig, der mit gut ausgebratenen und grob gemahlenen Grammeln versehen ist (nicht gefüllt, sondern in die Masse gemischt). Die Pogatscherln sind deftig und knusprig, triefen jedoch nicht vor Fett, sondern haben genau jenen Fettgehalt, der sie angenehm bissfest macht. Der beste aller Ehemänner meint, dass diese gschmackige Spezialität der böhmischen Küche entstammt, und dem Gefühl nach stimme ich ihm zu. 
kaltmamsell antwortete am 1. Jan, 17:55:
Deswegen ja auch Specklaiberl (nicht -weckerl), weil aus Roggenteig und mit Speck verknetet, gab es zu meiner Schülerinnenzeit in meiner Geburtsstadt. Allerdings eben mit Speck und nicht mit Grammeln, das ist tatsächlich ein gewichtiger Unterschied.

Grammelpogatscherl würde ich allein schon deshalb regelmäßig kaufen, um das Wort laut aussprechen zu dürfen. Im Gegensatz zu den "Fitnesslaiberln" oder "Omega-3-Semmeln" hierzustadt, die ich nur wegen ihrer Bezeichnung niemals nicht kaufe (erstere haben köstlich viele Körnderl drinnen, deswegen bin ich manchmal inkonsequent und kaufe "so eins da"). 
 

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