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Das Klima in Wien ist anders als jenes im Innviertel, und zwar nicht nur das menschliche, sondern konkret das temperaturbestimmende. Hier ist es durchschnittlich durch die geschützte Lage und freundliche pannonische Ausläufer um einige Grade wärmer als dort, wo ich herkomme, was ich sehr begrüße. In den letzten Tagen habe ich jedoch festgestellt, dass mein Schuhwerk den hiesigen Anforderungen nicht entspricht, da es viel zu winterlich gehalten ist. "Übergangskleidung" war in meiner Kindheit jenes farblose und häßliche Zeug, das wehrlosen Kindern für die Zeit um Winterende und Frühlingsbeginn herum oktroyiert wurde, und "Übergangsschuhe" klingt genauso schlimm, mir fällt aber trotzdem kein besseres Wort dafür ein. Als stolze Inhaberin von Füßen mit Schuhgröße 42, die ich bin, kann ich mir legere Bummel durch diverse Schuhgeschäfte ersparen, deshalb gehts gleich zum Humanic in der Mariahilferstraße in der Nähe des Museumsquartiers. Schönes Schuhwerk von günstig bis schweineteuer findet sich hier, und zwar weit über Größe 42 hinaus. Meine zwei Paar neuen Schuhe hatte ich binnen zehn Minuten gefunden. Herrlich ! Noch ein Abstecher zu L'Occitane (das bin ich mir als praktizierendem Lavendeljunkie schuldig), danach ging es weiter ins Zentrum, weil der beste aller Ehemänner mir heute den Meinl am Graben zeigen wollte, und zwar nicht nur von außen. Drinnen hätte mich beinahe der Schlag getroffen, weil die optischen und olfaktorischen Eindrücke über mir zusammenschlugen wie eine Sturmwelle. Ich kenne ein paar namhafte Feinkostgeschäfte im süddeutschen Raum, aber die können sich tatsächlich neben dem Meinl verstecken, denn das Sortiment hier ist mit sehr viel Liebe und noch mehr Sachverstand zusammengestellt. Birgt das Erdgeschoß schon sehr viele Verlockungen (den Weinkeller haben wir für heute ausgelassen), so ist die erste Etage ein wahres Schlaraffenland im besten Sinne des Wortes. Was es da an Spezialitäten zu erstehen gibt ! Und es ist ein Vergnügen, sich beraten zu lassen, denn das Personal hier weiß haargenau, was es verkauft. Wir mögen allesamt Käse jedweder Provenienz sehr gerne, da aber die Optik diverser Käsesorten sich nicht immer gravierend voneinander unterscheidet, ist man gerade in diesem Segment auf beste Beratung angewiesen. Kein Problem: Diese präzise Art der Beratung kenne ich sonst nur vom Käseland am Naschmarkt, und der Genuss fängt schon an, wenn man formuliert, in welche Richtungen der eigene Gusto gerade geht und man dann genau einen Volltreffer nach dem anderen präsentiert bekommt. Heute bin ich bei französischem Ziegenkäse in einer Aschehülle gelandet - perfekte Konsistenz, perfektes Aroma und eine sehr interessante Optik. Ich weiß jetzt, was Gott in Frankreich isst ! Mein Mann mag Bergkäse mit kräftigem Geschmack, und auch hier war die Empfehlung ein Glücksfall; meinen geliebten Trüffelbrie muss mir allerdings niemand mehr anraten, denn der gehört schon längst zu meinen Allzeitfavoriten.

"Wursttheke" wäre eine Beleidigung für die Vitrinen voll mit Köstlichkeiten der Fleischerzunft. Die ganzen Schinken aus Parma und San Daniele hängen fast bis zur Augenhöhe herunter, darunter häufen sich Salamis, Hartwurst und Schinken verschiedenster Herkunft. Die angebotenen Aufschnittsorten haben wir diesmal geflissentlich übergangen und stattdessen italienische Pfeffersalami, Beinschinken, Lomo (nein, nicht die Kamera !) und Jamón Ibérico erstanden, dazu noch einen Schinken aus der Steiermark, der zum besten gehört, was mir auf diesem Sektor jemals begegnet ist. Die beiden spanischen Spezialitäten waren übrigens eine Premiere, und jetzt, wo ich den Geschmack kenne, mag ich wahrscheinlich keinen Parmaschinken mehr (Man beachte auch hier die Rubrik "Lieber Gott, lass mich sonst keine Probleme haben !"). Und schön ist das, wenn an der Kasse die Einkäufe von Angestellten entgegengenommen und sorgfältig verstaut werden, wonach man, noch ein wenig benommen von all den sinnlichen Eindrücken, zum Wagen flaniert und heimfährt, um sich ein paar erlesenen Genüssen hinzugeben.
teacher meinte am 10. Feb, 15:50:
Gut, dass du die Preise nicht verraten willst.
P.S.: Den Ziegenkäse in Aschehülle kann auch nur empfehlen. yummi. 
walküre antwortete am 10. Feb, 21:22:
Preise
sind bis zu einem gewissen Grad äußerst relativ. Nicht nur, dass bei weitem nicht alles, was Wert hat, auch etwas kostet, sondern der immaterielle Wert einer Erwerbung kann den Kaufpreis in einer nicht mehr benennbaren Größenordnung übertreffen. Nur ein Beispiel: Logenkarten für eine Aufführung der Staatsoper in Starbesetzung sind nicht billig, keine Frage - an die Operneinladung, welche ich anläßlich meines Geburtstages vor ein paar Jahren vom besten aller Ehemänner geschenkt bekommen habe, werde ich mich (das Funktionieren meiner Ganglien vorausgesetzt) bis zu meinem letzten Atemzug erinnern, weil das einer der schönsten Abende meines Lebens war und sein wird. Und es geht bei uns nicht darum, sich anderen Menschen überlegen zu fühlen, weil man beim Meinl am Graben einkaufen geht, sondern um besondere Genüsse, die man sich eben nicht alle Tage leistet, von den kleinen Mengen abgesehen, denn man kauft ja schließlich solche Spezialitäten nicht kiloweise. Sowohl der beste aller Ehemänner als auch ich haben dermaßen schlechte Zeiten erlebt, dass es nicht zu sagen ist, und deshalb wissen wir solche nicht alltäglichen Dinge umso mehr zu schätzen. 
 

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