Was sich im Keller dieses Amstettener Hauses über soviele Jahre hinweg abgespielt hat, übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Menschen; der klassische Small Talk über alltägliche Neuigkeiten ist hier nicht mehr möglich, weil es sogar den Hartgesottenen unter uns angesichts dieses namenlosen Grauens, das an tiefste Ängste rührt, die Sprache verschlägt. Versuchte Gespräche über diese Ereignisse münden nach der Einleitung "Was sagst du zu der Geschichte, die in Amstetten passiert ist ?" in ein "Da bleibt mir der Verstand stehen", verbunden mit einem hilflosen Kopfschütteln. Vielleicht wird man Einblicke in die Psyche der Bestie (die Bezeichnung "Vater" gestehe ich diesem Scheusal nicht zu) erhalten, vielleicht auch nicht, gebrochene Menschen werden auf jeden Fall zurückbleiben.
Auch in dieser Causa werden bereits Stimmen laut, die das Jugendamt der Ignoranz und Tatenlosigkeit beschuldigen. Dieser Ansatz ist völlig falsch, denn die Zeit und die mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen bringen es mit sich, dass diese Behörde eine jener Institutionen ist, die mittlerweile völlig überfordert sind. Nicht überfordert aus mangelnder Kompetenz, sondern überfordert, weil massiver Personalmangel die erforderliche Wahrnehmung der Pflichten erschwert bis unmöglich macht. War noch in den 70er-Jahren das Jugendamt eine Instanz, die man nur vom Hörensagen kannte und der der Nimbus der Randgruppenbetreuung anhaftete, so gibt es heute im Vergleich zu damals sehr viele Menschen, die auf die Hilfe der Jugendämter angewiesen sind. Auch ich habe über zehn Jahre lang zu ihnen gehört, da ausbleibende Alimentationszahlungen ein Eingreifen des Jugendamtes erforderlich machten, und habe mir in dieser Zeit ein Bild über das Ausmaß der Verantwortung und die Größe der Aufgaben machen können. Sogar im Bereich der Bezirkshauptstädte würde in diesem Bereich viel mehr Personal benötigt als tatsächlich vorhanden ist; die Problematik in menschlicher und materieller Hinsicht überforderter Eltern hat schon lange auch im ländlichen Bereich Einzug gehalten, und mit ihr sind die Aufgaben der Mitarbeiter/innen der Jugendämter sprunghaft angestiegen. Ich habe dort Menschen kennengelernt, die aus tiefster Überzeugung ihren Beruf ausüben und dennoch jeden Tag aufs Neue dagegen ankämpfen, in einem Wust aus administrativen Tätigkeiten und Betreuungsaufgaben unterzugehen. Dass man das täglich Erlebte nicht beim Verlassen des Arbeitsplatzes abschütteln und am nächsten Tag entspannt wieder aufnehmen kann, steht darüber hinaus wohl außer Frage. Der Staat ist hier zweifellos gefordert und verpflichtet, den geänderten gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung zu tragen und die Jugendämter massiv in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu unterstützen; Jugendämter dürfen nicht mehr als Sündenbock fungieren, wenn andere gesellschaftliche Regulative versagt haben. Mit Sozialarbeiter-Bashing ist nämlich niemandem geholfen.
Auch in dieser Causa werden bereits Stimmen laut, die das Jugendamt der Ignoranz und Tatenlosigkeit beschuldigen. Dieser Ansatz ist völlig falsch, denn die Zeit und die mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen bringen es mit sich, dass diese Behörde eine jener Institutionen ist, die mittlerweile völlig überfordert sind. Nicht überfordert aus mangelnder Kompetenz, sondern überfordert, weil massiver Personalmangel die erforderliche Wahrnehmung der Pflichten erschwert bis unmöglich macht. War noch in den 70er-Jahren das Jugendamt eine Instanz, die man nur vom Hörensagen kannte und der der Nimbus der Randgruppenbetreuung anhaftete, so gibt es heute im Vergleich zu damals sehr viele Menschen, die auf die Hilfe der Jugendämter angewiesen sind. Auch ich habe über zehn Jahre lang zu ihnen gehört, da ausbleibende Alimentationszahlungen ein Eingreifen des Jugendamtes erforderlich machten, und habe mir in dieser Zeit ein Bild über das Ausmaß der Verantwortung und die Größe der Aufgaben machen können. Sogar im Bereich der Bezirkshauptstädte würde in diesem Bereich viel mehr Personal benötigt als tatsächlich vorhanden ist; die Problematik in menschlicher und materieller Hinsicht überforderter Eltern hat schon lange auch im ländlichen Bereich Einzug gehalten, und mit ihr sind die Aufgaben der Mitarbeiter/innen der Jugendämter sprunghaft angestiegen. Ich habe dort Menschen kennengelernt, die aus tiefster Überzeugung ihren Beruf ausüben und dennoch jeden Tag aufs Neue dagegen ankämpfen, in einem Wust aus administrativen Tätigkeiten und Betreuungsaufgaben unterzugehen. Dass man das täglich Erlebte nicht beim Verlassen des Arbeitsplatzes abschütteln und am nächsten Tag entspannt wieder aufnehmen kann, steht darüber hinaus wohl außer Frage. Der Staat ist hier zweifellos gefordert und verpflichtet, den geänderten gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung zu tragen und die Jugendämter massiv in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu unterstützen; Jugendämter dürfen nicht mehr als Sündenbock fungieren, wenn andere gesellschaftliche Regulative versagt haben. Mit Sozialarbeiter-Bashing ist nämlich niemandem geholfen.
walküre - am Dienstag, 29. April 2008, 10:55 - Rubrik: Gesellschaft
pipistrella meinte am 30. Apr, 16:02:
ich konnte bei der geschichte auf die frage "was macht man mit so einem menschen" nur antworten "das sind die momente, wo sogar ich die todesstrafe befürworten würde" beantworten.und deine einschätzung zum thema jugendamt kann ich nur teilen, ich habe ähnliches erlebt und wurde trotz personalknappheit immer gut und freundlich betreut. ich bewundere die nerven der leute, die dort arbeiten.