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In Österreich ist der heutige Fronleichnamstag ein Feiertag; da das Wetter sich mittags etwas durchzogen präsentierte, beschlossen meine Tochter und ich, heute den Vorsatz des Besuches der Apfelstrudelshow in die Tat umzusetzen. Also warfen wir uns in das feiertägliche Gewühl im Schloss Schönbrunn,
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um unsere Mission zu erfüllen ! Mangels eines entsprechenden Tickets zahlten wir Eintritt (Was tut man nicht alles, um ein Versprechen einzuhalten !).
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Dass wir eine Viertelstunde vor Beginn der Backvorführung bereits vor dem Eingang standen, erwies sich als richtige Entscheidung, denn das kleine Kellergewölbe unter dem Café Residenz füllte sich schnell bis auf den letzten Platz.
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Der Teig selbst ist relativ einfach zuzubereiten: Er besteht aus 250 g glattem Weizenmehl (idealerweise Kuchenmehl oder solches für Strudelteig),
100 ml lauwarmem Wasser, 1 Prise Salz, 20 g geschmacksneutralem Öl und 1 Ei. Der Teig wird geknetet, bis er nicht mehr an den Händen haftet, danach lässt man ihn für 30 Minuten in Öl rasten.
Die Wartezeit kann man gut für die Zubereitung der Fülle nützen: 150 g Butterbrösel (100 g Semmelbröseln in 50 g heißer Butter goldbraun rösten), 150 g Zimtzucker (140 g Feinkristallzucker mit 10 g Zimt trocken vermischen), 170 g für 24 Stunden in Rum eingelegte Rosinen, Saft einer Zitrone, 1100 g geschnittene Äpfel, die zuvor geschält und entkernt werden müssen. Die Äpfel sollten eine festere Konsistenz haben, damit sich im gebackenen Strudel nicht nur mehr Apfelmus findet, und darüber hinaus säuerlich sein, weil süße Äpfel das Aroma verfälschen würden. Diese Fülle gut miteinander mischen und nach Belieben noch etwas Rum hinzufügen; wer die Würzung variieren möchte, kann auch Nelkenpulver dazugeben oder überhaupt gleich eine hochwertige fertige Gewürzzubereitung verwenden.
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Der bemehlte Teig wird nach dem Rasten auf ein mit Mehl bestreutes Leinentuch gelegt (die Teigränder werden mit der Hand etwas flachgedrückt, in der Mitte bleibt eine Erhebung) und anschließend mit dem Nudelholz ausgerollt.
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Jetzt wird die Sache spannend, denn der Teig muss nunmehr händisch gedehnt werden, wobei Schmuck vorher entfernt gehört, weil sonst der Teig Löcher bekommt:
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Gewusst wie !
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Der Teig muss so dünn sein, dass man durch ihn hindurch Zeitunglesen kann:
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Nach dieser Prozedur wird der Teig mit zerlassener Butter bestrichen und die Fülle sorgfältig darauf verteilt, wobei auch die Variante möglich ist, die Fülle flächig aufzulegen (vom Rand müssen in diesem Fall ca. 10 cm frei bleiben).
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Das entstandene Kunstwerk wird mit Hilfe des Tuches eingerollt (die Enden werden zusammengerollt und eingeschlagen, damit die Fülle beim Backen nicht ausläuft),
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auf dem Backblech plaziert und ebenfalls mit zerlassener Butter bepinselt.
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Die charmante Apfelstrudelbäckerin heißt übrigens Dorothea und präsentiert ihr Wissen trotz stündlicher Wiederholung weder lieblos noch gelangweilt, sondern freundlich und darüber hinaus zweisprachig.

Der Strudel bleibt bei einer Temperatur von 200° (400° Fahrenheit) für 40 Minuten im Backrohr. Unbedingt vor dem Anschneiden eine halbe Stunde auskühlen lassen, da er sonst in sich zusammenfällt !

Und so sollte er aussehen, der klassische Wiener Apfelstrudel:

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Ein spezielles Dankeschön gilt meiner Tochter, die liebenswerterweise das Gesagte notiert hat, damit ich fotografieren konnte !
hidden_mask meinte am 22. Mai, 22:28:
mhhh - lecker
da bekomme ich gleich appetit ... ;-}
tolle fotos! 
walküre antwortete am 23. Mai, 12:06:
Danke ! 
dr_adi_waberl meinte am 22. Mai, 22:32:
zum Glück ohne Vanillesauce - Danke!! 
walküre antwortete am 23. Mai, 12:08:
Wie schon
bei Zorra angemerkt: ein wirklich guter Apfelstrudel braucht keine Vanillesauce, die ja im Endeffekt nur dazu dient, von mangelnder Würzung und minderwertigen Äpfeln abzulenken ! 
pipistrella antwortete am 24. Mai, 07:54:
ich liebe aber die vanillesauce, einfach der sauce wegen. da ist dann der strudel für mich einfach das nette "beigemüse" ;-) 
walküre antwortete am 24. Mai, 10:15:
Gut.
Wir werden uns eingehend über diese Thematik unterhalten, wenn du wieder einmal in Wien weilst. :-) 
steppenhund meinte am 23. Mai, 00:29:
Ich würde mir erlauben, den Strudelteig fertig zu kaufen. Die Geschichte mit den in Rum eingelegten Rosinen gefällt mir sehr. Das schmeckt sicher auch gut, ohne Apfelstrudel herum.
Ich war übrigens heute im Guntramsdorfer Jagdhof.
Einfach zu empfehlen! 
walküre antwortete am 23. Mai, 12:15:
Ich denke,
der fertige Strudelteig ist eine lässliche Sünde. :-)
Bei den Rumrosinen sollte man meiner Ansicht nach aufpassen, weil zu starker oder auch qualitativ minderer Rum den Geschmack ruiniert, indem nur mehr der Alkohol dominiert; mit dem Genuss in Alkohol eingelegter Früchte bin ich mittlerweile ohnehin sehr vorsichtig geworden, weil ich gesehen habe, wie sich beispielsweise Rüdesheimer Früchtetopf oder ein herkömmlicher Rumtopf auswirken können.

Und der Jagdhof ist schon vorgemerkt - danke für den Tipp ! 
steppenhund antwortete am 24. Mai, 12:03:
Ich habe mir als ziemliche Vorbereitung für den Apfelstrudel bereits Rosinen eingelegt. Biobio-Rosinen in 80%-Rum. Gestern habe ich drei Rosinen genascht. Mehr waren gar nicht notwendig.
Ich überlege gerade, ob ich das nicht als den Ersatz für einen Opium-Schnuller für Steppenhund verwenden soll;) 
walküre antwortete am 24. Mai, 12:08:
Du kannst
guten Gewissen alle eingelegten Rosinen "vernichten", denn der Strudel schmeckt auch ohne Rosinen hervorragend ! :-) 
Zorra meinte am 23. Mai, 08:42:
Ein riesengrosses Dankeschön
an euch zwei! Ich werde mich bei Gelegenheit an den Nachbau wagen. Die Anleitung ist super. Das schwierigste wird wohl das Finden der richtigen Aepfel sein. 
walküre antwortete am 23. Mai, 12:58:
Dorothea,
die Backstubenfee, hat gemeint, dass auch "Granny Smith" sich als Fülle eignen - die wachsen doch auch in Spanien, oder nicht ?

Was meinen Tipp, die Fülle auf dem Teig flächig zu verteilen, betrifft, muss ich anmerken, dass ich diese Variation des klassischen Apfelstrudels als "Bayrischen Apfelstrudel" kenne. Da bei diesem die Fülle meist sehr üppig aufgelegt wird, empfiehlt es sich erstens, den Teig eine Spur dicker zu lassen, damit er beim Einrollen nicht reißt, und zweitens den Strudel in einer Auflaufform oder Bratenreine zu backen, damit er nicht auseinanderläuft. Die Form selber muss großzügig mit Butter eingefettet werden und auch der Strudel sollte vor dem Backen und auch zwischendurch beim Backen mit reichlich zerlassener Butter eingepinselt werden. Bei dieser Zubereitungsart ergibt sich, dass die Unterseite des Strudels durch den von der Fülle durchfeuchteten Teig in Verbindung mit der üppig verwendeten Butter karamelisiert und dadurch extrem aromatisch und knusprig wird. In Bayern wurde dieses Gericht früher - warm serviert - als Hauptmahlzeit gereicht. Ich kann diese rustikale Ausgabe des feinen Apfelstrudels ebenfalls nur empfehlen ! 
steppenhund antwortete am 24. Mai, 12:04:
Sehr guter Tipp, vor allem das mit der Butter während des Backens. 
lavaterra meinte am 26. Mai, 12:24:
Für diese ausgesprochen lehrreiche Einführung in die österreichisch/bayerische Strudelseeligkeit bedanke ich mich ganz herzlich bei Mutter und Kind und sende viele Grüße aus München. 
walküre antwortete am 26. Mai, 21:13:
Wie
man dort, wo ich herkomme, in solchen Fällen zu sagen pflegt:
Hod leicht sei kinna ! 
 

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