Das Schmoren auf überfüllten Liegewiesen in diversen Freibädern reizt derzeit niemanden von uns dreien. Was kann man in Wien also sonst noch an heißen Sommersonntagen unternehmen, ohne einen Hitzschlag zu bekommen ? Zum Beispiel den Lainzer Tiergarten besuchen. Ein bisserl spazierengehen, zur Hermesvilla schlendern, die ich ohnehin noch nicht kannte, und die gute Luft genießen. Den Wagen haben wir am Lainzer Tor stehen lassen und sind dann ganz gemütlich hügelan Richtung Hermesvilla gebummelt, um das kaiserliche Jagdhaus zu bestaunen. Danach ging es weiter in den Wald, weil unsere Tochter noch nie Wildschweine in freier Natur gesehen hatte, wobei wir ihr nicht allzuviel Hoffnung machten, denn das Areal ist sehr groß, sodass man keineswegs eine Garantie hat, die Schwarzkittel auch wirklich zu Gesicht zu bekommen. Wenige Schritte hinter dem Wildgatter allerdings wartete schon eine Bache mit fünf Frischlingen auf uns, die uns zunächst skeptisch begutachtete, dann aber in richtiger Einschätzung unserer Absicht gelassen mit ihren Jungen weiter im Laub herumrüsselte. Die Luft war unglaublich gut und duftete nach gesundem Waldboden, nach Wiesenkräutern und Sommersonne. Wir spazierten weiter durch kleine Waldschluchten, auf sonnenbeschienene Hügel, irgendwann nur mehr begleitet vom Zirpen der Grillen und von Vogelgezwitscher, denn andere Menschen kamen kaum mehr des Weges. Zwischendurch erblickten wir in weiterer Entfernung einen Keiler, der sich träge im Schatten einer Baumgruppe bewegte. Wenig später trieb der Wind eine geballte Wolke umwerfend guten Pilzduftes in meine Nase, dem zu widerstehen mir zugegebenermaßen schwerfiel, aber ein Naturschutzgebiet ist nun einmal ein Naturschutzgebiet und keine Schwammerlzucht zum Selberernten.
Wir wanderten weiter. Und weiter. Und weiter. Bis wir bemerkten, dass es zum Umkehren eigentlich schon zu spät war und es besser wäre, das Areal durch ein anderes Tor zu verlassen, um mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zum Parkplatz zurückzukehren. Ich muss an dieser Stelle anmerken, dass es sich beim Lainzer Tiergarten nämlich keineswegs um einen mittelgroßen Zoo handelt, wie man dem Namen nach vielleicht annehmen könnte, sondern um die ehemaligen Jagdgründe des Kaiserhauses, die sich über ein flächiges Gebiet von 2.450 Hektar erstrecken. Der beste aller Ehemänner war seit seiner Kindheit nicht mehr dort gewesen, sodass die Orientierung zwar gegeben war (die Wege sind auch gut beschildert), sich die Distanzen jedoch etwas verschoben hatten. Nun gut. Wir gingen weiter, in der Absicht, das „Hirschgstemm“, ein Rasthaus im Südwesten, zu erreichen. Allmählich machte sich relativ großer Durst bemerkbar, denn wir hatten keinerlei Getränke mitgenommen. Warum denn auch, wir wollten ja nur ein wenig spazierengehen ! Der beste aller Ehemänner blieb an einer Weggabelung stehen und meinte, wir könnten von dieser Stelle aus zum Hirschgstemm weitergehen, wobei wir allerdings nicht wussten, wie weit es dorthin noch war (Auf die Mitnahme eines gratis aufliegenden Planes hatten wir verzichtet – wir wollten ja nur ein wenig spazierengehen !), oder uns in die Richtung einer in der Nähe befindlichen Mauer wenden, die das Ende des inneren Tiergartens signalisiert. Wir entschieden uns für die Mauer, was aber nicht bedeutete, dass wir gleich anschließend wieder in der Zivilisation ankamen, denn wir hatten noch einen Kilometer bis zur äußeren Grenze zu überwinden und waren froh, als wir endlich das Pförtnerhäuschen erblickten. Dankenswerterweise fand sich dort auch ein Brunnen mit Wasser bester Qualität: 1. Trinken, 2. Trinken, 3. Gesicht kühlen, 4. Arme kühlen, 5. Trinken. Noch ein paar Meter durch den Wald, dann begann ein Straße mit hübschen Häusern und gepflegten Gärten, und noch ein Stück weiter bergab der Straße nach stand an einem Zaun ein Schild mit einem weißen „H“ auf blauem Grund. Dass wir uns in Laab im Walde befanden, wussten wir von einem Paar, bei dem wir uns erkundigt hatten, wohin der Weg führt, und dass es um die öffentlichen Verkehrsmittel an einem Sonntag hier nicht gut bestellt war, wurde uns schnell klar. Wir gingen in Richtung des „H“, um leicht befremdet festzustellen, dass es sich nicht um ein Krankenhaus mit dem üblichen Taxistandplatz handelte, sondern sinnigerweise um ein Reha-Zentrum. Ohne Taxistandplatz. Via Portierloge kamen wir zu einer Telefonnummer eines Taxiunternehmens, und eine Viertelstunde später waren wir schon unterwegs zum Lainzer Tor, wobei uns der nette Chauffeur versicherte, wir seien nicht die einzigen, die im Lainzer Tiergarten nicht ganz absichtlich bei einem Tor hinein- und bei einem ganz anderem wieder hinausgingen !
Beim Lainzer Tor holte unsere Tochter noch einen Lageplan; zu Hause angekommen, stellten wir fest, dass wir zehn Kilometer gewandert waren - und, dass wir trotz mancher Anstrengung einen wunderschönen Sonntagnachmittag verbracht hatten.






Lainzer Tiergarten, Website der Stadt Wien
Wir wanderten weiter. Und weiter. Und weiter. Bis wir bemerkten, dass es zum Umkehren eigentlich schon zu spät war und es besser wäre, das Areal durch ein anderes Tor zu verlassen, um mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zum Parkplatz zurückzukehren. Ich muss an dieser Stelle anmerken, dass es sich beim Lainzer Tiergarten nämlich keineswegs um einen mittelgroßen Zoo handelt, wie man dem Namen nach vielleicht annehmen könnte, sondern um die ehemaligen Jagdgründe des Kaiserhauses, die sich über ein flächiges Gebiet von 2.450 Hektar erstrecken. Der beste aller Ehemänner war seit seiner Kindheit nicht mehr dort gewesen, sodass die Orientierung zwar gegeben war (die Wege sind auch gut beschildert), sich die Distanzen jedoch etwas verschoben hatten. Nun gut. Wir gingen weiter, in der Absicht, das „Hirschgstemm“, ein Rasthaus im Südwesten, zu erreichen. Allmählich machte sich relativ großer Durst bemerkbar, denn wir hatten keinerlei Getränke mitgenommen. Warum denn auch, wir wollten ja nur ein wenig spazierengehen ! Der beste aller Ehemänner blieb an einer Weggabelung stehen und meinte, wir könnten von dieser Stelle aus zum Hirschgstemm weitergehen, wobei wir allerdings nicht wussten, wie weit es dorthin noch war (Auf die Mitnahme eines gratis aufliegenden Planes hatten wir verzichtet – wir wollten ja nur ein wenig spazierengehen !), oder uns in die Richtung einer in der Nähe befindlichen Mauer wenden, die das Ende des inneren Tiergartens signalisiert. Wir entschieden uns für die Mauer, was aber nicht bedeutete, dass wir gleich anschließend wieder in der Zivilisation ankamen, denn wir hatten noch einen Kilometer bis zur äußeren Grenze zu überwinden und waren froh, als wir endlich das Pförtnerhäuschen erblickten. Dankenswerterweise fand sich dort auch ein Brunnen mit Wasser bester Qualität: 1. Trinken, 2. Trinken, 3. Gesicht kühlen, 4. Arme kühlen, 5. Trinken. Noch ein paar Meter durch den Wald, dann begann ein Straße mit hübschen Häusern und gepflegten Gärten, und noch ein Stück weiter bergab der Straße nach stand an einem Zaun ein Schild mit einem weißen „H“ auf blauem Grund. Dass wir uns in Laab im Walde befanden, wussten wir von einem Paar, bei dem wir uns erkundigt hatten, wohin der Weg führt, und dass es um die öffentlichen Verkehrsmittel an einem Sonntag hier nicht gut bestellt war, wurde uns schnell klar. Wir gingen in Richtung des „H“, um leicht befremdet festzustellen, dass es sich nicht um ein Krankenhaus mit dem üblichen Taxistandplatz handelte, sondern sinnigerweise um ein Reha-Zentrum. Ohne Taxistandplatz. Via Portierloge kamen wir zu einer Telefonnummer eines Taxiunternehmens, und eine Viertelstunde später waren wir schon unterwegs zum Lainzer Tor, wobei uns der nette Chauffeur versicherte, wir seien nicht die einzigen, die im Lainzer Tiergarten nicht ganz absichtlich bei einem Tor hinein- und bei einem ganz anderem wieder hinausgingen !
Beim Lainzer Tor holte unsere Tochter noch einen Lageplan; zu Hause angekommen, stellten wir fest, dass wir zehn Kilometer gewandert waren - und, dass wir trotz mancher Anstrengung einen wunderschönen Sonntagnachmittag verbracht hatten.






Lainzer Tiergarten, Website der Stadt Wien
walküre - am Dienstag, 8. Juli 2008, 11:05 - Rubrik: Wien, wie ich es liebe
tilak meinte am 8. Jul, 13:38:
@walküre
sehr anschaulich geschildert !Witzig, dass ich als Kind ein ähnliches Erlebnis hatte!
Die Erwachsenen meinten bei jeder Biegung:
JETZT sind wir gleich da,..... aber dort muss es gleich sein,......JETZT kann es nicht mehr lange dauern,......
auf diese Art und Weise haben wir den ganzen Nachmittag im Lainzer Tiergarten verbracht. Das Wildschwein, welches mich am Anfang schnaufend verfolgt hat, war am Ende nur noch eine blasse Erinnerung :)
walküre antwortete am 8. Jul, 20:35:
Gut,
so wies ausschaut, ist man erst ein/e echte/r Wiener/in, wenn man sich einmal im Lainzer Tiergarten verlaufen hat. In diesem Sinne sind die Tochter und ich jetzt echte Wienerinnen (Beim besten aller Ehemänner handelt es sich ja ohnehin um einen Eingeborenen). :-)PS: Schnaubende Wildscheine verfolgen einen mittlerweile nicht mehr, weil es ein dezidiertes Fütterungsverbot gibt.
tilak antwortete am 9. Jul, 10:09:
@walküre
ICH habe die Viecher nicht gefüttert, aber vielleicht dachten sie ICH sei Futter *grins*
woelfin antwortete am 9. Jul, 10:12:
wunderbare tolle gegend: sollt ich auch bald wieder gehen
steppenhund meinte am 9. Jul, 11:30:
Einige Jahrzehnte früher haben wir immer mit Freunden am 1. Mai einen Ganztages-Spaziergang gemacht.Beim Lainzer Tiergarten empfiehlt es sich wirklich autolos unterwegs zu sein.
In Laab im Walde gibt es übrigens einen netten Wirten.
walküre antwortete am 9. Jul, 11:35:
Die
nächste Tour wird eh ohne Auto stattfinden, dazu haben wir uns schon am Sonntag entschlossen - und die nächste Route ist auch schon geplant.Das Wirtshaus in Laab im Walde, ist das das gelbe Gebäude mit Gastgarten auf der linken Seite, an dem man vorbeikommt, wenn man vom Reha-Zentrum Richtung Breitenfurt unterwegs ist ?
steppenhund antwortete am 9. Jul, 13:26:
Es ist im Zentrum. Ich glaube, es heißt Kirchenwirt.
Zorra meinte am 13. Jul, 13:46:
Alles so schön grün! Das fehlt mir manchmal hier. Danke fürs Mitnehmen.
walküre antwortete am 13. Jul, 13:57:
Gerne geschehen !
Ich habe übrigens schon von etlichen Menschen, die ins südliche Ausland ziehen wollten, aber klugerweise zuvor eine Probezeit anberaumt hatten, gehört, dass sie es eben aufgrund der unterschiedlichen Vegetation und der fehlenden Jahreszeiten dort nicht aushielten. Wobei, wenn ich mir deine Bilder so ansehe, hast du ohnehin den grünen Daumen, was sicher manches wettmacht.