Bloggen ist gefährlich. Geahnt habe ich es schon länger, aber vor wenigen Tagen habe ich diese Ahnung drastisch bestätigt bekommen, und das
kam so:
Vergangene Woche flanierte ich guten Mutes durch Kleinbloggersdorf, besuchte dort, wie es meinen Gepflogenheiten entspricht, eine gewisse Frau Frogg, ihres Zeichens Schweizerin und somit sachkundig, wenn es um Schokolade geht. Besagte Frau Frogg hatte an diesem Tag einen Beitrag über eine Schokolade geschrieben, deren Name für mich exotisch klang und welche mir von meinen früheren Besuchen in der Schweiz her seltsamerweise nicht erinnerlich war, obwohl es sich augenscheinlich um ein Produkt handelt, welches sozusagen zu den Schweizer Schokoladeklassikern gehört. Solche Bildungslücken gehören unverzüglich geschlossen, und so wurde der beruflich bei unseren westlichen Nachbarn weilende beste aller Ehemänner gebeten, eine Kostprobe dieser Spezialität (zumindest nahm ich an, es würde sich um eine solche handeln) mitzubringen.
Auf den Mann ist Verlass. Am Freitag packte er abends seine Einkäufe aus, worunter sich jene geheimnisvolle "Ragusa" aus dem Hause Camille Bloch befand, um die wir gespannt herumschlichen wie die Katze um den heißen Brei. M., der beste aller Ehemänner, hatte mir erzählt, dass er meinte, bei der Gepäckkontrolle einen gewissen patriotischen Stolz aus der Mitteilung eines Zöllners an dessen Kollegen herausgehört zu haben, als dieser bekanntgab, in der Tasche befände sich "Ragusa". Es war nicht - wie bei den anderen Mitreisenden - die Rede von Schokolade, sondern es hieß wörtlich "Ragusa".
Die Packung selber sieht ja einladend aus mit ihren warmen Farben; wir fragten uns, wie wir uns den Inhalt dieser 400g-Packung wohl vorzustellen hätten, weil schließlich schon die große Toblerone etwas umständlich zu knacken ist. Auf die appetitlich in Goldfolie verpackten Einzelstücke waren wir nicht gefasst, fanden die Idee aber sehr konsumentenfreundlich und machten uns daran, die Folie aufzubekommen, was auch gelang.

Überraschend war die Optik, denn im allgemeinen sieht man bei ähnlichen Produkten keine Fülle, sondern nur die Schokoladehülle (Ha ! Ein Reim !). Die Ragusa erweckt in dieser Form den Eindruck, sie würde einem direkt als Kostprobe vom Chocolatier angeboten - von einer großen Stange heruntergeschnitten und mit einem freundlichen "Bitte, probieren Sie ruhig ein Stück !" weitergereicht. Genaugenommen ist ja die Schokoladeumhüllung wahrscheinlich überhaupt nur da, um zu verhindern, dass einem die weiche Nougatmasse* sofort aus den Fingern rutscht ... Skeptisch war ich auch wegen der ganzen Haselnüsse, denn ich vermutete jene Art der stark gerösteten Zubereitung, die einen bei jedem Bissen ängstlich horchen lässt, ob das seltsame Knacken zwischen den Zähnen von den Nüssen oder doch von einer Zahnfüllung herrührt. Mein Argwohn war unbegründet, denn die Nüsse sind keineswegs riesig, liegen nicht dicht an dicht und sind darüber hinaus gerade richtig in ihrer Konsistenz.

Der erste Bissen war spannend: Cremig, weich, süß, nussig, auf der Zunge zergehend, mit einem runden, vollen Abgang. Gianduja pur. Der zweite Bissen bestätigte den Eindruck voll und ganz, der dritte und letzte erst recht: Die Ragusa ist eines der köstlichsten Schokoladenprodukte, die ich kenne. Solide, grundehrlich, unprätentiös und exzellent - so, wie man sich Schweizer Qualität im besten Sinn des Wortes vorstellt !
Einen Haken hat die Sache jedoch: In Österreich gibt es diese Spezialität derzeit (noch ?) nicht zu kaufen, aber das kann sich ja ändern, denn schließlich wird Ragusa dem Packungsaufdruck nach durchaus exportiert - nämlich in ein (wahrscheinlich skandinavisches) Land, in welchem Haselnüsse "haselnötter" heißen.
* Als "Nougat" wird in Österreich Pralinémasse bezeichnet; den in Österreich nicht sehr verbreiteten Ausdruck "Gianduja" weiter unten habe ich verwendet, weil er ein begriffliches Durcheinander verhindert.
kam so:
Vergangene Woche flanierte ich guten Mutes durch Kleinbloggersdorf, besuchte dort, wie es meinen Gepflogenheiten entspricht, eine gewisse Frau Frogg, ihres Zeichens Schweizerin und somit sachkundig, wenn es um Schokolade geht. Besagte Frau Frogg hatte an diesem Tag einen Beitrag über eine Schokolade geschrieben, deren Name für mich exotisch klang und welche mir von meinen früheren Besuchen in der Schweiz her seltsamerweise nicht erinnerlich war, obwohl es sich augenscheinlich um ein Produkt handelt, welches sozusagen zu den Schweizer Schokoladeklassikern gehört. Solche Bildungslücken gehören unverzüglich geschlossen, und so wurde der beruflich bei unseren westlichen Nachbarn weilende beste aller Ehemänner gebeten, eine Kostprobe dieser Spezialität (zumindest nahm ich an, es würde sich um eine solche handeln) mitzubringen.
Auf den Mann ist Verlass. Am Freitag packte er abends seine Einkäufe aus, worunter sich jene geheimnisvolle "Ragusa" aus dem Hause Camille Bloch befand, um die wir gespannt herumschlichen wie die Katze um den heißen Brei. M., der beste aller Ehemänner, hatte mir erzählt, dass er meinte, bei der Gepäckkontrolle einen gewissen patriotischen Stolz aus der Mitteilung eines Zöllners an dessen Kollegen herausgehört zu haben, als dieser bekanntgab, in der Tasche befände sich "Ragusa". Es war nicht - wie bei den anderen Mitreisenden - die Rede von Schokolade, sondern es hieß wörtlich "Ragusa".
Die Packung selber sieht ja einladend aus mit ihren warmen Farben; wir fragten uns, wie wir uns den Inhalt dieser 400g-Packung wohl vorzustellen hätten, weil schließlich schon die große Toblerone etwas umständlich zu knacken ist. Auf die appetitlich in Goldfolie verpackten Einzelstücke waren wir nicht gefasst, fanden die Idee aber sehr konsumentenfreundlich und machten uns daran, die Folie aufzubekommen, was auch gelang.

Überraschend war die Optik, denn im allgemeinen sieht man bei ähnlichen Produkten keine Fülle, sondern nur die Schokoladehülle (Ha ! Ein Reim !). Die Ragusa erweckt in dieser Form den Eindruck, sie würde einem direkt als Kostprobe vom Chocolatier angeboten - von einer großen Stange heruntergeschnitten und mit einem freundlichen "Bitte, probieren Sie ruhig ein Stück !" weitergereicht. Genaugenommen ist ja die Schokoladeumhüllung wahrscheinlich überhaupt nur da, um zu verhindern, dass einem die weiche Nougatmasse* sofort aus den Fingern rutscht ... Skeptisch war ich auch wegen der ganzen Haselnüsse, denn ich vermutete jene Art der stark gerösteten Zubereitung, die einen bei jedem Bissen ängstlich horchen lässt, ob das seltsame Knacken zwischen den Zähnen von den Nüssen oder doch von einer Zahnfüllung herrührt. Mein Argwohn war unbegründet, denn die Nüsse sind keineswegs riesig, liegen nicht dicht an dicht und sind darüber hinaus gerade richtig in ihrer Konsistenz.

Der erste Bissen war spannend: Cremig, weich, süß, nussig, auf der Zunge zergehend, mit einem runden, vollen Abgang. Gianduja pur. Der zweite Bissen bestätigte den Eindruck voll und ganz, der dritte und letzte erst recht: Die Ragusa ist eines der köstlichsten Schokoladenprodukte, die ich kenne. Solide, grundehrlich, unprätentiös und exzellent - so, wie man sich Schweizer Qualität im besten Sinn des Wortes vorstellt !
Einen Haken hat die Sache jedoch: In Österreich gibt es diese Spezialität derzeit (noch ?) nicht zu kaufen, aber das kann sich ja ändern, denn schließlich wird Ragusa dem Packungsaufdruck nach durchaus exportiert - nämlich in ein (wahrscheinlich skandinavisches) Land, in welchem Haselnüsse "haselnötter" heißen.
* Als "Nougat" wird in Österreich Pralinémasse bezeichnet; den in Österreich nicht sehr verbreiteten Ausdruck "Gianduja" weiter unten habe ich verwendet, weil er ein begriffliches Durcheinander verhindert.
walküre - am Dienstag, 13. Januar 2009, 18:20 - Rubrik: Essen & Trinken
viennacat meinte am 14. Jan, 08:56:
nachdem es aber in diversen europ. ländern mit der firma bloch kooperierende distributoren gibt - so auch in österreich - nehme ich an, daß es das eine und andere geschäft gibt, wo man dies käuflich erwerben kann....bei uns also sitzt dieser - einzige - distributor hier
Marcon GmbH
Wiener Strasse 45/1
2352 Gumpoldskirchen
T 2252 60 72 45
F 2252 60 72 73
E office@marcon.at
dies sollte den zugang zu dieser köstlichkeit ermöglichen :-)
liebe grüße
viennacat
walküre antwortete am 14. Jan, 11:54:
Danke ! Diesem Hinweis werde ich nachgehen - vielleicht werde ich ja doch noch fündig, was die Ragusa anbelangt. Andere Schokoladen aus dem Hause Bloch habe ich natürlich hierzulande schon gesehen, aber diese Spezialität eben nicht. Ich mag es sehr, solche nicht alltäglichen Sachen zu verschenken. Der Überraschungseffekt ist enorm ! :-)
diefrogg meinte am 14. Jan, 10:44:
Freut mich,...
dass es Ihnen geschmeckt hat, Frau Walküre! Nach diesem so umfassend positiven Testbericht müssten wir beide uns eigentlich bei Camille Bloch für ein PR-Text-Entgelt bewerben!
diefrogg antwortete am 14. Jan, 19:23:
Angesichts...
meines Weihnachtskilos... naja, lieber in Cash. Ich finde sowieso, wenn schon in Naturalien, dann einen ganzen Estrich voll. Ich glaube nämlich, wir sind gerade dabei, den Marktanteil von Ragusa in Österreich um 400 Prozent zu steigern!
walküre antwortete am 14. Jan, 23:41:
Oh, diese Sprachverwirrung !!!In Österreich versteht man unter "Estrich" den betonierten Untergrund des Fußbodens ...
Ich gehe davon aus, dass in Ihrem Sprachverständnis der Estrich dasselbe ist wie hierzulande der Dachboden - sofern ich mich richtig erinnere. Aber als Aufbewahrungsort für die Ragusa gibt es bessere Plätze, weils am Dachboden im Sommer schließlich sehr warm wird ! :-)
Geistreisender meinte am 14. Jan, 11:38:
Orale Phase
Kann es sein, dass Du als Kind die orale Phase nicht überwunden hast?
walküre antwortete am 14. Jan, 11:48:
Ich gratuliere Ihnen an dieser Stelle zu Ihrem schlichten Weltbild.btw: Ich kann mich nicht erinnern, dass wir per du sind. Das ist nämlich ein Privileg, welches bei mir nur Blogger genießen, die ich entweder persönlich kenne oder mit denen über Monate und Jahre des gegenseitigen Schreibens und Lesens hinweg sich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat (sofern nicht "Sie" im jeweiligen Blog als Standard anzusehen ist).
kaltmamsell meinte am 14. Jan, 16:48:
Oh! Ha! Da weiß ich doch gleich, was der junge Schweizer Kollege von seinem nächsten Heimatbesuch mitbringen muss.
walküre antwortete am 14. Jan, 23:42:
Wahrscheinlich wird er überrascht sein, dass Sie die Ragusa kennen. Bloggen bildet eben.
viennacat meinte am 15. Jan, 15:41:
ort des erwerbes der köstlichkeit
liebe madame walküreda ich die köstlichkeit ebenfalls unbedingt zu erwerben gedenke, habe ich beim heimischen distributor angefragt: ragusa ist beim "meinl am graben" erhältlich. ich hoffe, ihnen damit behilflich gewesen zu sein und verbleibe mit besten blogger-grüßen viennacat
p.s. ich würde ihnen das email vom distributor an mich auch weiterleiten, denn auch dieser distributor ist ein anderer als in der website angegeben
walküre antwortete am 15. Jan, 16:07:
*schämt sich*
Da hamma jetzt den besten Beweis dafür, dass auch ich mitunter den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr seh. Ich war nämlich der festen Überzeugung, nicht zuletzt wegen meiner Verschenkgepflogenheiten das Schokoladensortiment beim Meinl am Graben recht gut zu kennen.Aber auf jeden Fall vielen Dank für den Hinweis und die Korrektur !