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Maria Hofbauer

 
Eine der Routen, die Herr Hund und ich regelmäßig gehen, führt uns an einem Exemplar der rar gewordenen Telefonzellen vorbei. Im Großen und Ganzen ist eine solche Einrichtung ja nichts Aufregendes und auch der Alltag einer Telefonzelle scheint eher langweilig zu sein, aber unlängst, an einem Wochenendmorgen, wurden Herr Hund und ich Zeugen einer Szene, die wahrscheinlich einen der Höhepunkte im Leben einer solchen Einrichtung darstellt.

Schon, als wir uns der Telefonzelle näherten, sah ich einen Mann darin stehen, dessen für mich erkennbare Kleidung trotz der herrschenden Kälte aus Trenchcoat, Pyjamahose und Hauspantoffeln (ohne Socken) bestand; unüberhörbar unternahm er der Versuch, mit einer Frau am anderen Ende der Leitung ein Gespräch zu führen, was in etwa klang wie folgt:

Erika*, hör mir bitte einmal zu ! ..... EEEEERIKA, würdest du mir bitte zuhören ??? ..... ERIKA !!! EEEERIKA, HÖR MIR ZU !!! ..... HÖR. MIR. ZU !!! ..... Erika, du hörst mir nicht zu !!! ..... Warum hörst du mir nicht zu ?!? ..... ERIKA !!!!!

Ich gebe unumwunden zu, dass ich gerne stehengeblieben wäre, was aber dann doch mit meinen Prinzipien nicht vereinbar war, also ging ich langsam weiter, während noch eine ganze Weile die zumindest fürs erste vergebliche Bitte um Gehör hinter mir in allen Abstufungen von erzürnt bis flehend ertönte.


*Name von mir geändert
david ramirer meinte am 22. Jan, 10:54:
würde gut in einen film passen.
erinnert mich auch an so manche szene in der serie "der ganz normale wahnsinn" (das war in der zeit im tv, in der ich noch fernsehen schaute).

:-) 
walküre antwortete am 22. Jan, 16:36:
NEIN !!! Es gibt einen Menschen in Österreich, der "Der ganz normale Wahnsinn" kennt !! Mit dem chaotischen Towje Kleiner und mit Barbara Valentin ... *hach*
Im übrigen hatte ich in dieser Situation genau den selben Gedanken. Und "Woran es liegt, dass der Einzelne sich nicht wohl fühlt, obwohl es uns allen doch so gut geht" wär auch heute noch ein guter Buchtitel. 
david ramirer antwortete am 22. Jan, 16:41:
JA !!!
ich kenn die serie nicht nur aus meiner eigenen fernseherinnerung, ich hab sie sogar auf DVD daheim und mir ende 2008 erst komplett angesehen.
ist sogar einfach zu beziehen.

ein paar folgen und episoden sind grenzgenial in ihrem schlichten fotorealismus menschlichen irrsinns. ein bissel wie der mundl.

:-) 
walküre antwortete am 22. Jan, 16:55:
Ein absolut großartiger Spiegel der Münchner Gesellschaft zur damaligen Zeit - einfach herrlich. Den "Monaco Franze" hab ich ebenfalls sehr, sehr gern gemocht (den Helmut Fischer hab ich mal kennengelernt und als mir äußerst sympathischen und liebenswerten Menschen in Erinnerung) und dann gabs da noch "Die Hausmeisterin" mit der Veronika Fitz (die Tante von der Lisa Fitz), eine Serie, die dem Mundl noch viel näher gekommen ist als "Der ganz normale Wahnsinn" - natürlich auch mit dem Helmut Fischer, nämlich in der Rolle des Exmannes. So rührend, wenn die wunderbare Veronika Fitz frisch verliebt nach der Melodie von "Ein Schiff wird kommen" singt "Ich bin die Martha aus Haidhausen" ... 
dus antwortete am 22. Jan, 17:31:
jajaja münchner kültür!

so san mir! 
rosenherz meinte am 22. Jan, 13:48:
Ja, ein verzweifelter Versuch mit bloßen Füßen in Hasupantoffeln. Ich bedauere beide Seiten, die Frau, die mit dem Vorwurf konfrontiert ist, sie höre nicht zu, und den Mann, der das Gefühl hat, nicht gehört zu werden.

Die realen Gespräche, die wir im Alltag führen klingen ganz anders, langatmiger, anstrengender, als wir sie von Dialogen im Film und in Büchern gewohnt sind. 
walküre antwortete am 22. Jan, 16:43:
Na ich weiß nicht, ich finde, die Szene war durchaus filmreif. Ich denke noch immer ab und zu darüber nach, wie die Vorgeschichte dazu wohl ausgesehen hat; am ehesten geht meine Vorstellung in die Richtung, in der Er mit besagter Erika ausgegangen ist, aber mit einer anderen Frau das Lokal verlassen hat und sich jetzt zu rechtfertigen versucht, obwohl das nicht zum Pyjama und den Hauspantoffeln passt, sondern wohl eher einen nächtlichen Disput zur Folge gehabt hätte. Es könnte auch sein, dass Er nur vors Haus gehen wollte, um eine Zeitung zu holen und Erika ihn dann - aus welchen Gründen auch immer - ausgesperrt hat. Ich hab im Bekanntenkreis ähnliches aber auch schon erlebt, wenn krankhafte Eifersucht im Spiel war ...

PS: Die Frau hat ihm aber mit Sicherheit nicht zugehört, denn die wenigen Pausen zwischen den Worten dienten nur dazu, herauszufinden, ob Erika zu reden aufgehört hat oder nicht. Man muss sich den Monolog als Tirade mit kurzen Atempausen vorstellen. 
dus meinte am 22. Jan, 17:30:
danke für den hinweis bzgl. dem von der redaktion geänderten namen, hihihihi 
walküre antwortete am 22. Jan, 17:50:
Wenn ich schon solche Geschichten kolportiere, dann wenigstens mit einem kleinen eingebauten Schutzmechanismus. So groß ist mein Grätzl hier nämlich nun auch wieder nicht, als dass nicht manches durchaus Wiedererkennungswert hätte. 
dus antwortete am 22. Jan, 17:54:
:-) 
Niwi meinte am 22. Jan, 18:34:
Erika

Wenn der Name gestimmt hätte, wär das schon fast kult gewesen.
Denn in Wiesen am Festivalgelände hat mal ein Mann die ganze Nacht lang seine Erika gesucht (oder ihr Zelt?) und das ganz laut hinausposaunt.
Erika ERIKA Erika
schallte es die ganze Nacht über den Riesen Zeltplatz.

Das wurde irgendwie aufgegriffen und es wurde Kult. Sogar heute noch (also im Sommer halt) hört man in manchen Nächten am Zeltplatz irgendwen "ERIKA" schreien.
Dann geht so eine "ERIKA" Welle über den nächtlichen Zeltplatz und dann is Ruh. 
walküre antwortete am 22. Jan, 23:02:
*lacht*

Hätte gepasst, aber der Name ist von mir erfunden. 
steppenhund meinte am 23. Jan, 00:59:
Also den Wahnsinn kenne ich auch noch sehr gut. Wir haben oft daraus zitiert.
Und in Wirklichkeit ist es ja auch so:) 
walküre antwortete am 23. Jan, 11:22:
Noch jemand ! Mein Kulturpessimismus im Bezug auf kleine, feine Fernsehserien verkriecht sich grad in eine Ecke ... :-) 
 

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