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zwischen Pubertät und Altersstarrsinn

 
Nachdem sich das Wetter beruhigt hatte, überlegten wir am gestrigen Pfingstsonntag, was wir wohl noch unternehmen könnten; M. meinte, wir sollten doch - wie schon länger angedacht - mit dem Twin City Liner von Wien nach Bratislava, der slowakischen Hauptstadt, fahren. Am Nachmittag hieß es also bei der Anlegestelle am Schwedenplatz
"Leinen los !"; die Fahrt selber war trotz mangelnden Sonnenscheins aufregend, denn 60 km/h zu Wasser sind alles andere als langsam. Spannend war für mich die Landschaft nach der Stadt: zuerst die kleinen Fischerhütten zu beiden Seiten des Ufers, dann die Hainburger Au, deren Größe mir erst gestern bewusst wurde (und auch, welcher Wahnsinn der Kraftwerksplan gewesen wäre), später Hainburg und ein paar Minuten später schon Bratislava. Der Katamaran wurde mustergültig seitwärts zwischen zwei großen Donaukreuzfahrtschiffen "eingeparkt".

Schon bei der Einfahrt in Bratislava sieht man die Altstadt mit der darüber thronenden Burg, die leider (oder besser: erfreulicherweise) derzeit eingerüstet ist, und in diese Richtung machten wir uns dann auch zu Fuß auf den Weg. Sinnigerweise war das erste, was wir auf dem Weg sahen, ein Plakat, auf welchem für den Schönbrunner Tiergarten geworben wurde, aber dann ging es an der Philharmonie vorbei und weiter über die großzügig angelegte Promenade in Richtung des Michaelstores. Die Häuser in der Altstadt sind größtenteils sehr gepflegt, die kleinen Gassen überaus hübsch anzusehen, die ebenso kleinen Plätze pittoresk und einladend, die Palais erhaben. Wäre ich Regisseurin eines historischen Films, würde ich von solch einer Kulisse träumen. Ich gehe gerne über diesen geschichtsträchtigen Boden - und noch lieber würde ich mich dort aufhalten, gäbe es nicht eine derartige Übermacht an Lokalen, die den Begriff "Touristenfalle" drastisch versinnbildlichen. Mich haben die Lokale in ihrer Art und Anordnung stark an jene Fresstempel erinnert, die sich meist in südlichen Touristenhochburgen finden und welche in ihrer Beliebigkeit absolut austauschbar sind.

Aufgrund der kühlen Temperaturen waren wir bald nach unserer Ankunft im Café Mayer zu Gast, wo es sich angenehm sitzt und die Mehlspeisen wert sind, verkostet zu werden. Dankenswerterweise spricht das Personal dort auch Deutsch, denn uns wurde schmerzhaft bewusst, wie groß der Keil des Eisernen Vorhangs tatsächlich gewesen war; keine einzige Sprache, die jenseits dieser unseligen Trennlinie Europas gesprochen wurde und wird, ist uns, die wir in den meisten westeuropäischen Staaten recht gut zurechtkommen, auch nur ansatzweise vertraut.

Wir hatten eigentlich geplant gehabt, gegen Abend in der Altstadt ein gutbürgerliches Restaurant mit slowakischen Spezialitäten aufzusuchen. Daraus wurde nichts, denn - ich sage es unumwunden - wir haben kein solches Lokal gefunden. Früher als gedacht waren wir (und einige andere Mitreisende ebenfalls) wieder beim Schiff, allerdings auch, weil ein unerbittlich kalter Wind sich unfreundlich bemerkbar machte.

Unser Eindruck von Bratislava ist ein zwiespältiger: einerseits ist da die schöne, behutsam restaurierte und sehr sehenswerte Altstadt, andererseits gibt es offensichtlich einen massiven Zustrom an Touristen, die hierher nur kommen, um sich billig zu betrinken - eine Denkart, die uns so fremd ist wie nur etwas fremd sein kann.

Wir werden jedenfalls wenigstens noch einmal in nächster Zeit hinüberfahren, und zwar an einem warmen Nachmittag während der Woche, um auch Geschäfte näher in Augenschein nehmen zu können. Für Lokaltipps sind wir dankbar, für Einkaufstipps ebenfalls !

bratislava

Jede Menge weitere Bilder (nämlich meine) gibt es hier zu sehen:
Fotoserie Bratislava

Informationen über zwei Namen, die auf den Bildern auftauchen, und einen großen slowakischen Schriftsteller:
Peter Legner
L'udovit Stúr
Pavol Országh Hviezdoslav
Bratislava
la-mamma meinte am 1. Jun, 21:20:
mag jetzt sehr arrogant klingen -
aber ich find bratislava ein bisserl fad. einmal hab ich´s mir ziemlich gründlich angesehen, ein zweites mal auch mit der twin-city-liner variante.
jedenfalls: wenn du die lange, lange straße deutlich weiter als die fußgängerzone gehst, kommen halbwegs erträgliche lokale. nicht besonders fein, aber vielleicht etwas "authentischer". aber ich frag gern meinen ex, der hat dort immer wieder gearbeitet und kennt wahrscheinlich auch die gehobeneren lokale, die die ryan-air-touristen nicht so einfach finden. 
walküre antwortete am 2. Jun, 12:51:
Fad ist Bratislava vielleicht, wenn man mit großstädtischen Erwartungen hinkommt; mir scheint aber, dass sich dort eine interessante Kunstszene entwickelt und überhaupt die ganze Stadt irgendwie in Bewegung ist. Überleg doch, wie kurz die Slowakei erst ein eigenständiger Staat ist und wie lange Bratislava hinter dem Eisernen Vorhang im Niemandsland dahinvegetiert hat - und dann schau, was dort alles schon aufgeholt wurde.
Mich erinnert Bratislava ein bissl an Regensburg, halt nur mit östlicherer Architektur und (leider) weniger kleinen, liebenswerten Geschäften.

PS: In welcher Richtung soll man die Straße (Welche meinst du ?) gehen ? :-) 
david ramirer antwortete am 2. Jun, 12:59:
in einem punkt schlägt bratislava wien immer noch um welten:
es gibt dort immerhin (mindestens) zwei chocolaterien, wo man fulminant gute trinkschokolade in x variationen serviert bekommt.

sowas suche ich in wien immer noch vergebens.

schon daher ist bratislava immer wieder eine reise wert :-) 
walküre antwortete am 2. Jun, 13:11:
Eine davon befindet sich neben dem wunderschönen Porzellangeschäft auf dem Hauptplatz (Hlavné námestie), nicht wahr ?

(Und wo ist die andere ?) 
david ramirer antwortete am 2. Jun, 13:26:
ja, stimmt.

die andere ist gar nicht weit davon entfernt...
der eingang sieht so aus:

IMG_7874.JPG

adresse (rekonstruiert):

Cokoladovna pod Michalom, michalská 6, staré mesto

ein sehr kleiner laden, aber er hat absolut das flair vom film chocolat, und eine formidable auswahl auch an konfekt usw.

:-) 
walküre antwortete am 2. Jun, 13:30:
*wirfteinekusshand* ;-)

Und eine Website gibts auch:

http://www.cokoladovna.sk/?cokolada=galeria

*schmacht* 
david ramirer antwortete am 2. Jun, 13:33:
*bedanktsich"

wenns erlaubt ist, verlinke ich hier noch auf meine fotostrecke aus 2007 aus der schokoladenhauptstadt:

hard core tourimpressionistic cluster bratislava 2007 
walküre antwortete am 2. Jun, 13:35:
Freilich, hier ist immer Platz für gute Links ! 
Susi meinte am 2. Jun, 09:47:
ich finds garnicht fad!
wäre froh wenn ich wenigstens SO einen ausflug gemacht hätte, anstatt in der wohnung zu räumen!
besonders im bezaubernden flickr album gefiel mir das riesige kräuterbeet mit lavendel u.a. kräutern
sowie das bild das gleich danach folgt, das uralte haus neben dem neuen. diese alten häuser haben noch charisma und patina. es gibt sie immer weniger in Br! 
walküre antwortete am 2. Jun, 12:53:
In Erinnerung an deine Begeisterung angesichts der Häuser in S. weiß ich, dass es dir gefallen hätte; eine gewisse Ähnlichkeit der beiden Städte ist ohnehin durchaus vorhanden. 
 

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