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Maria Hofbauer

 

Aus der Vergangenheit

Bei meiner Aufarbeitung der Vergangenheit sind auch einige Kuriositäten zum Vorschein gekommen:

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Von den handkolorierten Postkarten gibt es noch etliche mehr; um 1940 sind an Salzburger Spezialitäten die Dirndln, das Bier, die Salzburger Nockerl sowie nicht ohne Ironie der Salzburger Schnürlregen angeführt, darüber findet sich eine alte Ansicht des Münchner Rathauses (Poststempel von 1938), daneben der Alexanderplatz in Berlin um 1937, und zuletzt das Richmodishaus in Köln (Zeitpunkt unbekannt, da Karte unbeschrieben).

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Meiner Cousine ist es beim Anblick dieses Bildes genauso ergangen wie mir. Der erste Impuls - aus einiger Entfernung - war "Die beiden Mädchen sind ja niedlich !", der zweite blankes Entsetzen beim Erkennen, um wen es sich bei den Personen auf dem Bild handelt. Solche Aufnahmen wurden übrigens tatsächlich als reguläre Postkarten verschickt.

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Dazu passen diese kleinen und extrem leichten selbstgeschnitzten Schachfiguren, die entweder bei einem Fronteinsatz dabei waren oder in der Kriegsgefangenschaft geschnitzt wurde. Oder sogar beides erlebt haben.

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Passend zur Vintage-Serie gibt es diese Fotos zu sehen. Bei meinem partiellen Selbstporträt war ich meiner Zeit eindeutig weit voraus; in Zeiten des WWW sind solche Bilder fast schon Standard.

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Ob mein Vater oder ich diese Aufnahme gemacht haben, kann ich nicht mehr sagen, fest steht aber, dass Frisur und Strauch eine gewisse Ähnlichkeit nicht leugnen können.

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Über manche Bilder freut man sich vermutlich ein Leben lang ...

Liebe Kinder, es war einmal eine Zeit, da wünschten sich junge Leute vom Christkind gar seltsame Dinge wie zum Beispiel einen Kassettenrekorder

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oder einen tragbaren Radio, damals auch "Portable" genannt,

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oder gar einen eigenen Fernseher ...

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Die ganz Unbescheidenen wagten sogar, ein Tonbandgerät auf ihren Wunschzettel zu schreiben:

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"Damals", liebe Kinder, schrieb man das Jahr 1976.

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Für die ganz Gescheiten unter euch habe ich noch eine kleine Denkaufgabe: Was verband einen Schulbleistift mit dem oben erwähnten Kassettenrekorder ?

An Briefen, Fotos und dergleichen habe ich aus meinem Elternhaus zwei große, bis an den Rand gefüllte Rollcontainer mitgenommen, um sie hier in Wien zu sichten; die Einschätzung, das Sortieren und Ausmisten würde mindestens einen halben Tag benötigen, war sehr treffend, denn gestern habe ich ungefähr acht Stunden gebraucht, um mich durch den Wust an Relikten aus längst vergangenen Zeiten zu wühlen.

Abgesehen vom muffigen Geruch gab es viele belastende Momente, so jener, in dem ich meine Briefe fand, in welchen ich immer wieder meine Eltern gebeten hatte, sich zwecks Bewältigung des Haushaltes und diverser Erledigungen an die Volkshilfe zu wenden. Vergeblich wie alle Vorschläge, die von meiner Seite kamen, versteht sich. Unzählige Fotos: Auf den meisten Aufnahmen, die ich von meiner Mutter gemacht habe, schaut sie gelangweilt bis tödlich beleidigt drein, auf den meisten Bildern, die ich von meinem Vater gemacht habe, lächelt oder blödelt er oder schaut zumindest fröhlich aus. Meine winzigkleine Schulschrift auf Ansichtskarten aus Schikursen.

Sehr alte Schwarzweißbilder aus der Kindheit meiner Eltern und davor kommen in eine separate Schachtel und werden irgendwann in Ruhe durchgesehen; neuere mit Erinnerungswert werden ebenfalls zunächst zur Seite gelegt. Die schönen alten Ansichtskartenbüchlein, Mitbringsel von früheren Reisen meines Vaters werden selbstverständlich aufbewahrt, drei Alben zu einem späteren Zeitpunkt angeschaut, weil meine Mutter in der Verwirrung ihres letzten Lebensjahres offensichtlich die darin ursprünglich aufbewahrten Bilder entweder vertauscht oder ganz herausgenommen oder (nach meiner Wahrnehmung) wahllos durch neuere ersetzt hat.

Zu meiner großen Erleichterung handelte es sich bei den meisten Papieren um Altpapier oder Müll; was an Erinnerungswerten nach dem ersten Durchsehen blieb, füllt gerade einmal eine Box. Dafür suchten mich in der Nacht auf heute die Geister der Vergangenheit wieder heim, und zwar in jener Form, dass ich im Traum verzweifelt versucht habe, Adressen im Ausland lebender Bekannter und Verwandter aufzutreiben - hoffnungslos, genau so, wie es nach unmittelbar nach dem Tod meiner Eltern der Fall war. Der Traum hat aber realen Hintergrund, denn jetzt, wo ich dachte, die Nachricht vom Ableben meiner Eltern hätte endlich alle anteilnehmenden Menschen erreicht, ist wieder eine Adresse einer in Amerika lebenden Jugendfreundin meiner Mutter aufgetaucht, die aber anscheinend unter dieser Anschrift nicht mehr lebt, da ein Brief meiner Mutter zurückgekommen war. Auf jeden Fall werde ich versuchen, die Frau ausfindig zu machen, sofern sie überhaupt noch lebt.

Die mentale Belastung dieses Unterfangens hatte ich zugegebenermaßen schwer unterschätzt, bin aber sehr froh, dabei hier in Wien gewesen zu sein, denn alleine und im Haus in Oberösterreich wäre diese Arbeit dem Stoff, aus dem Psychosen gemacht sind, gleichgekommen.

Ha, hier hat doch wohl hoffentlich niemand gedacht, mir wären die Bilder und Geschichten, welche sich um Kleidung und Accessoires meiner Kindheit ranken, schon ausgegangen ?!?

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Wie viele dieser scheußlichen, aus reiner Kunstfaser bestehenden Turnanzüge (die blauen mit weiß umrandetem V-Ausschnitt und Halbärmel waren auch nicht besser) ich vergessen und verloren habe, kann ich heute nicht mehr sagen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich ansonsten auf meine Sachen sehr gewissenhaft zu achten pflegte, sind diese Verluste nur mittels entsprechender Hintergrundinformationen richtig einzustufen. Ich habe in der Unterstufe den Turnunterricht gehasst (wir hatten Lehrerinnen, die anscheinend alle Schülerinnen grundsätzlich einmal für potentielle Hochleistungssportlerinnen hielten) und an das Odeur der Turnanzüge, die selbst gleich nach dem Waschen muffig rochen, vermag ich mich noch heute, mehr als dreißig Jahre später, zu erinnern.

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Dieses Sommerkleidchen hatte meine Mutter für mich genäht, ich kann mich aber nicht erinnern, es häufig getragen zu haben, was aber auch an einem verregneten Sommer gelegen haben könnte.

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Gegen Ende meiner Gymnasialzeit wurden griechische Hirtentaschen überaus modern, und ich hätte vermutlich meine Seele verkauft, um eine solche mein Eigen nennen zu können. Bekommen habe ich jedoch diese hehre Scheußlichkeit, die meine Mutter aus Woll- und Stoffresten zusammengestrickt und - genäht hatte. Mit welcher Absicht auch immer.

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Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich diese Stutzen (Ich HASSE Stutzen, diese immer rutschenden Ungeheuer !!!) nie getragen. Der Preis ist in Schillingen angegeben, und bei den Olympischen Spielen, anlässlich derer das per Etikett angekündigte Gewinnspiel gelaufen ist, handelt es sich, wie ich befürchte, um jene in München (1972, ja).

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Und hier, meine Lieben, sind sie, jene bereits erwähnten, überaus frivolen Super-Glanz-Glamour-Pastell-Wollunterhosen !!! Nein, ich habe sie nicht als Fetisch verkauft, sondern sie genüsslich im Müll versenkt. Möge ihre Verbrennungsenergie viele Haushalte heizen (groß genug wären diese Schlüpfer ja) - mir ist jedenfalls bereits bei der Entsorgung warm ums Herz geworden !

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Auch wenn es nicht auf den ersten Blick deutlich wird:
Hiebei handelt es sich um eine halblange Baumwollunterhose (alternative Bezeichnung: natürliches Empfängnisverhütungsmittel) aus dem Fundus meiner Mutter. Ein entfernter Verwandter hat einmal erzählt, er und seine Mitschüler hätten in den 70er-Jahren vor einer bestimmten Lehrerin in jenem Moment jeglichen Respekt verloren, als sie an ihr eines solchen, unter einem Rock getragenen Teiles ansichtig wurden.

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Solche Buchhüllen waren in den 70er-Jahren nicht selten; da mir fast alles, was mit Büchern zusammenhängt, am Herzen liegt, behalte ich dieses Stück gerne auf.

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Die anderen dieser originalverpackten Taschentücher sind bei der Rumänienhilfe gelandet, nur die oberen habe ich aufbewahrt, weil ich das Design und die Farben mag. Mir kommt vor, dass ich diese Packung schon als kleines Kind gekannt habe ...

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Der Fischer C4 war zur Zeit meiner frühen Jugend das Nonplusultra an Schiern, ihn zu fahren, blieb ein Traum, denn für mich taten es auch billige Schi. Aber wenigstens die Handschuhe waren klasse.

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Was habe ich diese Schibrille gehasst, weil sie irgendwie trotz der Belüftungsklappen immer anzulaufen pflegte, was aber auch an der Tatsache gelegen haben könnte, dass ich darunter meine reguläre Brille trug - womit wir schon beim nächsten Thema wären:

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Bei diesem Corpus delicti handelt es sich um die zweite Brille meiner langen Karriere als Blindschleiche vom Dienst; wer meint, sie sehe auf diesem Foto aus wie ein trauriges Alien, hat ein treffendes Stimmungsbild meiner Kindheit vor sich.

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Mein erste Brille. Die Fassung Kassengestell, ich sieben Jahre. Wer so etwas designt, muss Kinder hassen, und wer seinem Kind so etwas zumutet, auch.

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Ein Handarbeitstrauma mehr, dessen Entsorgung ebenfalls mit einem Akt innerer Befreiung gleichzusetzen war.


Meiner Erinnerung nach befinden sich im Keller noch ein paar KriegsKindheitsrelikte, sodass ein abschließender Beitrag unausweichlich sein wird ...

Weiter gehts. Weils grad so so schön ist und ich offenbar derzeit wieder eine recht intensive Verarbeitungsphase durchlebe und das Schreiben über die Schrecken der Vergangenheit momentan aber auch gleichzeitig sehr viel Spaß und Freude macht ...

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Dieser Rock hat eine längere Geschichte der Wandlungen durchlebt. Ursprünglich als Kleid mit halblangen, berüschten Ärmeln, berüschtem Ausschnitt und doppelten Rüschen am Rock versehen, wurde zunächst, nachdem ich es nicht mehr trug, das Oberteil entfernt und in weiterer Folge eine Rüsche am Rock, wohl, weil meine Mutter beabsichtigte, diesen Rock anzuziehen. Hat sie aber, glaube ich, nie, wie so viele, zum Teil gänzlich ungetragene, Stücke, die ich in den Schränken und Kästen meiner Eltern entdeckt habe. Falls es jemanden interessiert: Ja, ich musste einen breitkrempigen, weißen Sommerhut dazu aufsetzen. Als Volksschulkind in den frühen 70ern, wo kein Mensch mehr solche Kleider trug - und schon gar keine solchen Hüte.

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Auweh. Pures Plastik, enger Schnitt, dafür wenigstens damals aktuell. So hat Ende der 60er-Jahre Kindermode ausgesehen ! Das Kleid war ein Geschenk, allerdings weiß ich nicht mehr, von wem.

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Der Stoff ist kratzig, und es war für mich vom Schnitt her beinahe unmöglich, damit die Arme über den Kopf zu heben. Ein textiles Gefängnis, sozusagen. Sollte vermutlich auch so sein, denn Kinder haben schließlich stillzusitzen und den Mund zu halten.

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Wieder ein Reststück, dass nach Jahren des Ladenhüterdaseins in meinem Kleiderschrank landete. Was zu Beginn der 70er noch recht schick aussah, hatte Mitte der 70er , zu Beginn der Disco-Ära, schon sein Ablaufdatum überschritten. Und: Ein ohnehin bis über beide Ohren komplexbeladenes Kind mit einem Minirock zur Schule zu schicken, hat schon mehr als eine perfide Note.

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Kratzig, an Wollstrumpfhosen ständig hängenbleibend und deshalb hinaufrutschend und auch noch zu kurz. Mehr sag ich dazu net.

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Da rettet auch das irgendwie interessante Muster nix mehr.

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Das, liebe Mitbürger, Freunde, Römer ist eine Mogelpackung, denn auf dem Bild sieht das Gewebe seidig, pastellig und nicht unhübsch aus. Realiter handelt es sich bei der abgebildeten Höllenkreatur jedoch um einen knielangen, wollenen Unterrock in Schweinchenrosa !



Wo das herkommt, gibts noch mehr ...

Hallo, liebe Liebende ! Ähm ... oh ... falscher Anfang.
Also nochmal von vorne:
Liebe Leserschaft, blame it on the Regenwetter, aber ihr glaubt doch wohl nicht ernsthaft, dass mein Vintage-Splatter-Blogging schon mit dem dritten Teil beendet ist ? Wie jede Splatter-Reihe, die etwas auf sich hält, gibt es auch hier noch weitere Sequels. Bitte, weil ich nicht so herzlos bin: Noch könnt ihr/können Sie fluchtartig diese Seite verlassen, erfüllt vom Grauen, welches sich alleine schon angesichts der Ankündigung neuer Schrecken verbreitet !

Achtung, der Einstieg gestaltet sich noch eher harmlos (die trügerische Sicherheit, die den darauf folgenden Schock umso größer macht):

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Diese Makramee-(Einkaufs-)Taschen sind irgendwann in den 70ern aufgetaucht; sommers waren und sind sie ja wirklich hübsch anzusehen und meist auch passend, im Winter allerdings machen sie einen etwas verlorenen Eindruck. Hierzulande jedenfalls. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ein solches Einkaufsnetz gesehen habe, werde aber nichtsdestoweniger in der nächsten Zeit das oben abgebildete wieder reaktivieren.

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Netzunterhemden. Nun ja, was heute bei manchen Jungs und Mädels recht gut ausschaut, war Anfang der 70er schlicht und ergreifend genauso hässlich wie die berüchtigten Mundl-Feinripp-Unterhemden, ganz abgesehen davon, dass der Schnitt alles andere als körpernah gedacht war und insofern mehr einem Erdäpfelsack ähnelte als einem schicken Unterwäscheteil.

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Ich habe die beiden Stücke verkehrt herum aufgelegt, wie ich erst jetzt anhand des alten Kastner & Öhler-Emblems sehe. Weiß jemand, worum es sich bei diesen Teilen handelt ? Ich stelle grad fest, dass ich es zwar genau weiß (schließlich bin ja auch ich damit herumgefahren), aber mich nicht erinnern kann, wie die Dinger damals genau geheißen haben ("Gamaschen" jedenfalls nicht, oder doch ?).

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Oh ja. Was heute eher hausbacken und für die meisten Menschen alles andere als erotisch wirkt, dürfte in den frühen 60ern ziemlich sexy gewesen sein. Mir kommt vor, dass mein Vater diese Unterwäsche (Sorry, "Slips" kommt mir bei diesem Schnitt nicht über die Tastatur !) meiner Mutter aus Frankreich mitgebracht hatte; soweit ich mich erinnere, gab es noch ein zweites Paar in derselben Facon, allerdings in türkiser Farbe, und ein drittes mit schwarz-weißem Muster. Aus reiner Kunstfaser, versteht sich, dafür im Vergleich zur damals herkömmlichen Unterwäsche elastisch und federleicht.

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Hiebei handelt es sich mehr um ein Symbolfoto, denn leider (naja) habe ich keine der braunen Strumpfhosen mit Zopfmuster mehr gefunden, die einen Alptraum meiner Kindheit darstellten, weil das Material sich unangenehm anspürte und sie für mich schon beim Kauf immer zu kurz waren. Falls jemand nicht weiß, was ich meine: Schon mal versucht, sich mit einer schlecht sitzenden, rutschenden (Strumpf-)Hose frei und entspannt zu bewegen ?

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Meine Lieblingscousine hat beim Anblick dieser erlesenen Scheußlichkeit (ebenfalls aus purem Plastik, was sonst !) nur gemeint, diese Bluse sei so hässlich, dass sie schon wieder interessant aussehe. Wobei ich ihr aus der Distanz von in etwa vierzig Jahren durchaus zustimme; getragen habe ich dieses Oberteil in meiner Kindheit auch, aber nur, weil ich damals keine andere Wahl hatte.



Für heute lasse ich meine werte Leserschaft mit ihrem Entsetzen alleine.
Aaaaber:
Fortsetzung folgt !

Fällt mir doch vorhin beim Bügeln ein (dass mir beim Bügeln meist alles Mögliche einfällt, ist ein eindeutiges Zeichen für meine akute intellektuelle Unterforderung beim Ausüben dieser Tätigkeit), dass es zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn Anfang der 80er-Jahre ein Zahlungsmittel gegeben hat, welches mittlerweile völlig aus der Mode gekommen zu sein scheint: den Scheck. Ein blauweißes Papier in Billettformat, welches zusammen mit der Scheckkarte ungeahnte Freiheiten ermöglichte, sofern sich im Hintergrund ein gedecktes Konto befand; eine Deckungsgarantie seitens der kontoführenden Bank hat es bis 2.500 Schillinge gegeben, wer höhere Schecks (die Summe war vom Aussteller einzufügen) akzeptierte, tat dies auf eigenes Risiko. Heute trägt man wie selbstverständlich eine Bankomatkarte mit sich herum, meist noch ergänzt durch eine Kreditkarte.

Trotz dieser leicht nostalgischen Anwandlung trauere ich ihr aber nicht nach, denn im Endeffekt genügte eine Unterschrift als Sicherheit - wehe, wenn jemand unrechtmäßigerweise die Schecks mitsamt Karte in die Finger bekam ! Mir selber ist das zwar nie widerfahren, aber passiert ist genug, was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, dass es heute dieses Zahlungsmittel in dieser Form nicht mehr gibt.

Teil 1
Teil 2

Unerbittlich präsentiere ich auch den dritten Teil der Schrecken der Vergangenheit meinem p.t. Publikum, welches hoffentlich spätestens bei der Lektüre dieser gesammelten Traumen erkennt, dass früher doch nicht alles besser war.

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Hier handelt es sich um eine der wenigen positiven Erinnerungen in diesem Eintrag (Doch, da müssen jetzt alle meine Leser/innen durch !), nämlich um Babyfäustlinge amerikanischer Provenienz: flauschig, mit tollem Muster und schönen Farben.

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Jesses. Socken aus reinem Plastik - das entsetzliche Tragegefühl habe ich mittlerweile halbwegs erfolgreich verdrängt. Erstens schweißfußfördernd, und zweitens rutschten im Sommer die Füße darin herum und gleichzeitig rutschten die Socken in den Schuhen. Gut, dass damals keine Videokamera in meine Nähe kam, denn ich muss mit diesen Dingern einen Gang gehabt haben wie eine Ente auf Glatteis.

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Absolut rätselhaft, wie dieser Kleiderbügel zu meinen Eltern gelangt ist, denn wirklich niemand aus meiner Familie ist je nach Wien gekommen, auch hatten meine Eltern hier in Wien keine Bekannten oder Freunde.
Den Tlapa gibts aber immer noch !

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Die beiden völlig ineinander verhedderten Rosenkränze waren Geschenke großmütterlicherseits und stammen aus den 60er-Jahren; irgendwann waren diese Erinnerungsstücke ohne mein Zutun plötzlich verschwunden und sind jetzt in einer vergilbten Schachtel mit alten Stutzen wieder zum Vorschein gekommen. Rätselhaft ist mir leider auch, wie ich den Knoten wieder entwirren kann.

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Woher der lila Häkelschal kommt, kann ich nicht sagen; die blaue Chenillemütze habe ich bekommen, die grüne ist von mir selbstgehäkelt. Beide wären gar nicht so übel gewesen (vor allem im Vergleich mit anderen Kleidungsstücken), wollten aber leider auf meinem eher seidigen Haar nie so recht halten, sodass sie irgendwann im Schrank geblieben sind.

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Das einzige Fiorucci-Teil, das ich mir damals leisten konnte. Für alle, denen der Name nichts sagt: Fiorucci war hierzulande zu Beginn der 80er-Jahre für junge Leute die Edelmarke schlechthin.

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Jetzt wirds richtig tief ... Bis zur zweiten Volksschulklasse war auch zu meiner Schulzeit noch üblich, dass Mädchen in der Schule Schürzen trugen - und die Nylonschürzen waren ja sooooo praktisch ! (Frau Indica, ahnen Sie, weshalb ich auf dieses Wort hochgradig allergisch reagiere ?) So praktisch, dass ich sogar zu Geburtstagen welche bekam. Die hehre Scheußlichkeit rechts daneben widme ich Frau Lihabiboun aus dem ersten Teil dieser Reihe, die meine Erinnerung an Unterhemden mit Strumpfhaltern (Nein, "Strapse" kommt mir in diesem Kontext nicht über die Tastatur, weil das entschieden zuviel der Ehre für diese Hadern wär !) geweckt hat.

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Wo wir schon beim Thema sind: Dieses Unding ist mir gottseidank erspart geblieben, ich meine aber, mich erinnern zu können, dass meine Mutter es trug, als ich noch ein Kleinkind war.

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Die etwas elegantere Variante eines Hüfthalters. Nun ja. Mir scheint überhaupt, dass es damals wie heute recht wirksam war, Frauen von klein auf zu suggerieren, dass ihr Körper nicht richtig ist und auf die eine oder andere Weise korrigiert gehört. Ein positives Körpergefühl wird mit Miedern, kratzigen Stoffen, unförmigen Kleiderschürzen und notorisch engen Schnitten jedenfalls sicher nicht zustandekommen ...



Fortsetzung folgt

Das Grauen geht weiter. Gestern habe ich meinen ganzen verfügbaren Mut zusammengekratzt und bin in die Tiefen des Kellers gewankt, um mit etlichen Kisten alter Kleidung zum Sichten und Aussortieren wieder aufzutauchen ...

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Dieses Kleid gehört zum übelsten, was mir an Anziehsachen in meinem nicht kurzen bisherigen Leben begegnet ist. Schon beim Hinsehen ist zu erkennen, dass die Proportionen nicht funktionieren, was beim Tragen dann deutlich geworden ist, denn der Rumpf ist für ein Kinderkleid viel zu weit geschnitten, dafür fehlt das, was sich dort zuviel an Stoff befindet, in der Länge. Ärmel und Ärmelloch wiederum sind dermaßen eng, dass Bewegungen mit den Armen, die über das Umblättern einer Buchseite hinausgingen, schier unmöglich waren. Angesichts dieser Mängel verkommt die erstaunliche Tatsache, dass der Stoff genug Kunstfaserbeimischung hatte, um unerträglich warm zu sein, und gleichzeitig aber soviel Wollanteil, um furchtbar zu kratzen, beinahe schon zur Bedeutungslosigkeit. Wen kümmert da noch die scheußliche Farbe ?

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Ach ... Dieses Oberteil war ein Mitbringsel meiner französischen Tante und lange Zeit eines meiner absoluten Lieblingsstücke, weil: die Farbe ! der Glitzer ! der Tragekomfort !

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Aus dem letzten oder vorletzten Schuljahr, in dem Handarbeitsunterricht stattfand (3. oder 4. Klasse Unterstufe) stammt das hier abgebildete tunikaartige Oberteil; ich hatte das Modell in einer der Musterzeitschriften unserer Handarbeitslehrerin gesehen und bestand gegen ihren anfänglichen Widerstand darauf, diese Bluse zu schneidern, was mir dann auch gut gelungen ist. Getragen habe ich es viel und gerne, bis mir halt irgendwann die Ärmel deutlich zu kurz geworden sind, überlege aber, den Grundschnitt entsprechend zu verändern und mir - aus anderem Stoff - wieder ein solches Stück zu schneidern.

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Unterkleider, selbstverständlich aus ständig elektrostatisch aufgeladenem Material und gerne mit ebenfalls ständig rutschenden Trägern, über dicken Unterhemden getragen - was für ein Alptraum ! Von farblicher Abstimmung war ohnehin keine Rede, und so wäre Pippi Langstrumpf wahrscheinlich das einzige Wesen auf Gottes weiter Welt gewesen, das damit noch cool ausgesehen hätte.

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Der religiöse Sinn der Erstkommunion erschließt sich damals wie heute vermutlich nur den wenigsten Zweitklässlern, dafür aber war die Freude umso größer, endlich ein richtig schönes Kleid zu bekommen: weiß, fließend, bodenlang, mit Spitze. Bei den anderen. Bei mir wurde seitens meiner Mutter sofort klargestellt, dass lang überhaupt nicht in Frage kommt, und mit fließend war auch nix, weil auch dieses Kleid - wie unerwartet - aus reiner Kunstfaser der übelsten Sorte (kratzig, heiß und seltsam steif) besteht.

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Ich habe noch selten etwas mit derartigem Genuss in einen Müllsack gestopft wie gestern dieses Kleid ...



Fortsetzung folgt

Die in der vergangenen Woche aus meinem Elternhaus mitgebrachte Kleidung harrte bis heute geduldig im Keller der Aufarbeitung. Beim Ausräumen des betreffenden Schrankes (Wo das herkommt, gibts noch mehr davon !) habe ich die Sachen stapelweise in Kisten und Taschen gepackt, ohne groß einen Blick darauf zu werfen. Als Resultat dieses blinden Aktionismus habe ich heute ein paar Überraschungen erlebt ...

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Diese beiden "Leibröcke" (so nannte meine Mutter solche Kleidungsstücke) gehören zu den bekleidungstechnischen Alpträumen meiner Kindheit: Der mit dem Karomuster besteht aus derart kratzigem Stoff, dass alleine schon die Berührung dieses Materials unangenehm ist, der andere wiederum ist viel schwerer als er aussieht, und beiden war gemein, dass sie mit Blusen oder Pullovern darunter getragen wurden, was stets ein michelinmännchenartiges Gefühl verursachte. Da warme Wollstrumpfhosen (toffeefarben, mit Zopfmuster und für mich wegen meiner Höhe stets schon beim Kauf zu kurzem Hosenteil) dazu gehörten, hatte ich beim Gehen immer alle Hände voll damit zu tun, die Rockteile unten zu halten, weil Wollstoffe sich nun einmal gerne mit Wollstoffen verheddern. Die Farben allerdings finde ich damals wie heute schön, sie lassen mich an die Stoffe denken, mit denen Susanne Bisovsky arbeitet.

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Das Gegenteil des ersten Bildes findet sich hier, nämlich zwei meiner Lieblingskleider, bei denen ich mich noch heute an den Schmerz erinnere, der mich überkam, als ich endgültig aus diesen beiden Stücken herausgewachsen war.

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Das linke Kleid ist hinten mit einer großen Schleife versehen und stammt mutmaßlich aus Amerika (meine Mutter hatte sich angewöhnt, alle Etiketten aus meiner Kleidung zu entfernen), das rechte vielleicht auch, könnte aber auch ein Geschenk meiner Taufpatin gewesen sein, deren Ehemann damals eine Schneiderwerkstatt innehatte.

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Warnung: Das folgende Bild aufgrund der Farben bitte nur mit Sonnenbrille betrachten !

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Ich habe diesen Cordmantel gehasst, weil die Ärmel sehr eng geschnitten sind, was im Winter in Verbindung mit dicken Pullovern zu nahezu völliger Erstarrung geführt hat.

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Worum es sich bei diesem Corpus delicti jetzt genau handelt, kann ich nicht sagen; rein optisch gesehen, halte ich die hier abgelichtete hehre Scheußlichkeit für eine halblange Unterhose, kann mich allerdings nicht erinnern, diese jemals in einem Kasten oder an meinen Eltern gesehen zu haben. Laufen einem solche Stücke möglicherweise zu ?

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Der Stoff ist aber trotzdem irgendwie hübsch.

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Ein heikles Thema. Meine Mutter hatte kaum jemals Ambitionen, mit mir in der nächsten Bezirkshauptstadt Kleidung für mich zu erstehen, sondern kaufte im Ort, sodass ich für meine Konzertfahrten nach Linz zu meiner Oberstufenzeit mit diesem langen Faltenrock und einem lurexdurchwirkten Oberteil ausgestattet wurde. Furchtbar. SO werde ich nicht einmal mit 80 in die Oper oder ins Theater gehen ... (Wie gerne hätte ich ein so hübsches Kleid gehabt, wie es eine Schülerin aus dem Nachbarort trug, dazu leichte, elegante Schuhe !)

"Es gibt kein Leben ohne Nylon !" war eine Weile das Credo der Hemdenschneider:

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Genau, die Farbe ist das reine Grauen, das Material ebenfalls (Nylon ! Bügelfrei !) und der Rollkragenpullover daneben sieht nur so harmlos aus, ist es aber nicht, weil auch er aus reinem Plastik besteht.



Fortsetzung folgt

 

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