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zwischen Pubertät und Altersstarrsinn

 

Bücher

Vor einer Woche habe ich hier die Frage nach Empfehlungen für Regalsysteme zur Bücheraufbewahrung gestellt, und aus München zwei Tipps bekommen, die sehr interessant geklungen haben. Vor allem einer der beiden hat uns angesichts der unglaublich zahlreichen Möglichkeiten zusehends mehr fasziniert, sodass wir am nächsten Tag in einem großen Möbelhaus genauere Erkundigungen eingeholt haben. Dass wir dabei über eine -20%-Sommeraktion gestolpert sind, war eine an Tücke kaum zu überbietende Falle, und auch der Verkäufer, von dem wir betreut wurden, hat sehr viel Kompetenz, wenn es um besagte Paschen-Bibiotheken geht. Eine tödliche Mischung, sage ich nur !

Heute nun haben wir die nach unseren Vorgaben gestalteten Entwürfe für einen Bücherschrank und eine Medienbibliothek gesehen, in welche der mitdenkende Verkäufer auch gleich viel Stauraum für DVDs eingeplant hatte. Müßig zu sagen, dass uns das ganze Paket hundertprozentig überzeugt hat ! Im Herbst bekommen wir jedenfalls unsere beiden funkelnagelneuen Bücherwände geliefert, und ich freu mich drauf wie ein kleines Kind auf Weihnachten ...


PS: An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen, geschätzte Frau Kaltmamsell, herzlich bedanken - Ihr Tipp war ein Volltreffer in jeder Beziehung !

Nachdem sich vor wenigen Wochen bei uns sogar auf dem (sehr großen und wegen der auf dem Balkon ansässigen Alternative derzeit wenig genutzten) Esstisch Bücherstapel heimisch niedergelassen haben, wird auch einem Unbeteiligten deutlich vor Augen geführt, dass wir dringenden Bedarf an Büchermöbeln haben. Nun ja.

Regalsysteme gibt es relativ viele, die meisten von ihnen sind aber leider als offene Stellagen konzipiert, womit ich aus diversen Gründen nicht sehr glücklich bin, als da unter anderem wären: Tierhaare, die sich in den unteren Fächern ansammeln, sofern man nicht zweimal pro Woche gründlich entstaubt (Nein danke, ich habe andere Vorlieben !), weiters die Tatsache, dass sich mittlerweile ein paar ziemlich kostbare alte Bücher in meinem Besitz befinden und ich darüber hinaus mein Faible für Bild- und Kunstbände hege; auch nicht zu vernachlässigen ist der Faktor Staub, der Büchern ohnehin über viele Jahre hinweg grundsätzlich nicht gut tut.

Die IKEA-Lösung ("Billy" heißt der Schrank, glaube ich) mit Glastüren ist per se nicht schlecht, allerdings ist mir dieses System zu wenig tief, darüber hinaus hätte ich eigentlich jetzt lieber Vollholzmöbel (Ich werde nicht alt, nur die großformatigen Büchermengen werden schwerer !); im Dorotheum gibt es recht schöne sogenannte "amerikanische" Bücherschränke (Bild unten), bei diesen handelt es sich allerdings um Nachbauten, denn echt antike Bücherregale gibt es auf dem Markt kaum, wie uns von einer Mitarbeiterin erklärt wurde.

Kennt jemand Alternativen ? Meinungen und Erfahrungen pro und contra offene Bücherregale sind willkommen, vielleicht sehe ich ja dann irgendwann den Wald wieder - derzeit sind es nämlich eher nur einzelne Bäume. ;-)

am-buecherschrank

Beispielbild: City-Antik Wien

Ach ja, da war noch was: Wir haben auch Bedarf an einem übersichtlichen System zur Aufbewahrung von DVDs ...

Die fidele Raterunde ist herzlich eingeladen, nach dem Besuch bei Herrn Tinius wieder bei mir Einkehr zu halten ! Ergänzend möchte ich anmerken, dass bei diesen literarischen Rätseln selbstverständlich jeder Mensch, der Lust und Laune dazu hat, mitraten kann.

Hier also der Beginn des Buches, dessen Titel und Autor gesucht sind:

Zwei Männer saßen dicht beieinander oben im abgelegenen Turmzimmer des alten Klosters und lauschten eine Weile schweigend dem Wüten des Sturmes, der aus den dunklen Bergen dröhnend herniederbrach. Heftige Windstöße rissen und zerrten am Turmgemäuer, und der kalte Luftzug durchdrang sogar die fest geschlossenen hölzernen Fensterläden.

Der eine der beiden Männer blickte unruhig in die flackernde Flamme der einzigen Kerze, die geisterhafte Schatten auf die weiß getünchte Wand warf. Mit müder Stimme stellte er noch einmal die Frage: "Warum besteht Ihr darauf, es ausgerechnet heute nacht zu tun ?"

Nachdem bei la-mamma eine Serie (Hoffentlich wirds eine solche !) von literarischen Rätseln, welche sich um jeweils den Beginn eines zu erratenden Romanes drehen, ihren Anfang genommen hat, übernehme ich den Staffelstab und habe somit die Ehre und das Vergnügen, das p.t. Publikum herauszufordern. Drei meiner Favoriten sind allerdings sofort ausgeschieden, weil ich offensichtlich eine Tendenz zu Büchern habe, deren Schauplätze oder Protagonisten schon in den ersten zwei bis drei Sätzen erwähnt werden.

Ich habe mich dann aber doch noch mit mir selber im Guten auf ein Buch geeinigt, welches so beginnt:

Ich bin vor kurzem vierzig geworden, und seit gut fünfzehn Jahren bemühe ich mich, von Mina in der Vergangenheit zu sprechen, aber es fällt mir immer noch schwer. Vielleicht weil Menschen, die wir lieben, auch nach ihrem Tod in uns weiterleben, einzig durch den Projektor unserer Erinnerung davor bewahrt, ins Nichts zu verschwinden.

Wer als Erste/r Titel und Autor parat hat, richtet das nächste Rätsel aus !

Seit Mitte letzter Woche unter anderem gelesen:

Hans Veigl (Hrsg.) - Wir sind so frei ...
Texte aus Kabarett und Kleinkunst zwischen Wiederaufbau und Wirtschaftswunder

Eine absolut lesenswerte Zusammenstellung klassisch gewordener Doppelconferencen und zeitlos aktueller Texte. Ein Wiedersehen mit Travnicek, dem Herrn Karl, dem gschupften Ferdl und vielen anderen österreichischen Originalen !

Rotraud A. Perner - Darüber spricht man nicht. Tabus in der Familie.
Das Schweigen durchbrechen

Dieses Buch liegt derzeit in einer aktualisierten Neuauflage vor, in welcher ohne Sensationsgier auch Bezug auf die extremen Ereignisse von Amstetten und den Fall Kampusch genommen wird; das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf jenen Familienkonstellationen, die nach außen hin intakt wirken und hinter deren Fassaden sich der Vorhof der Hölle ausbreitet, ohne dass jemals spektakuläre Prozesse und Reportagen folgen. Rotraud Perner deckt subtile und weniger subtile Machtmechanismen auf, zeigt, welche Art von Persönlichkeiten involviert sind und kann aufgrund ihrer langjährigen Berufserfahrung mit konkreten Beispielen aufwarten.
Das Buch hatte auf mich eine unerwartet befreiende Wirkung. Ich habe zunächst meinen Augen nicht getraut, als ich wortwörtlich jene Aussagen wiederfand, die mich gebetsmühlenartig durch meine Kindheit und Jugend begleitet haben. Der Dämon hat nun tatsächlich einen Namen bekommen - und seine Macht verloren.

Julia Onken - Spiegelbilder
Männertypen - wie Frauen sie durchschauen und sich dabei selbst erkennen

Julia Onken gehört zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen; ich mag ihren Humor, ihre Art zu schreiben, die Einblicke in die menschliche Psyche, die sie einem verschafft, indem sie nicht mit Fallbeispielen spart. Sie ist definitiv eine kluge Frau mit viel Lebenserfahrung, die ich gerne einmal persönlich bei einem Vortrag sehen würde.

Dan Ariely - Denken hilft zwar, nützt aber nichts
Warum wir immer wieder unvernünftige Entscheidungen treffen

Ein großartiges Buch, ich kann es nicht anders sagen. Mit Begeisterung für sein Metier und einem gesunden Sinn für Humor erläutert der Autor scheinbar nebenher, weshalb die freie Marktwirtschaft, wie sie gerne herbeizitiert wird, realiter keine freie Marktwirtschaft ist (dazu bräuchte es nämlich Konsumenten, die sich nicht manipulieren lassen, und Anbieter, die grundehrlich agieren), warum der Mensch im Zustand sexueller Erregung nicht mehr allzu zurechnungsfähig ist und noch einiges andere mehr, das von trockener Theorie Lichtjahre entfernt ist. En passant wirft er philosophische Fragen auf und zeigt auf, dass in unserem westlichen Gesellschaftssystem die Gefahr besteht, dass Marktnormen soziale Normen verschwinden lassen. Denkansätze zuhauf, dennoch findet Dan Ariely dankenswerterweise ohne erhobenen Zeigefinger das Auslangen, und bei der Lektüre kommt einem allmählich in den Sinn, dass Verhaltensökonomik möglicherweise eine der richtungsweisenden Wissenschaften des dritten Jahrtausends ist.

Natürlich habe ich der Versuchung im Endeffekt nicht widerstehen können und mir gestern mittags die Fortsetzung von Daniel Glattauers Briefroman "Gut gegen Nordwind" gekauft. Natürlich habe ich das Buch gestern am Abend gelesen. Um es mit einem einzigen Satz zu sagen: Ich hab den Kauf keine einzige Minute lang bereut.

Wie Glattauer, ein guter Beobachter der menschlichen Psyche, es schafft, auf dem ersten Band aufzubauen, ohne dass man diesen zwingend gelesen haben muss (mehr Lesevergnügen hat man jedoch zweifellos, wenn man sich zuerst den ersten Teil zu Gemüte führt), wie er die Handlung immer wieder Haken schlagen lässt, durch die das Buch spannend bleibt, wie er mit Wortspielereien agiert - das ist für mich Unterhaltungsliteratur vom Feinsten. Obwohl das Sujet dasselbe ist wie im ersten Band, vermeidet der Autor unnötige Wiederholungen, was ich ihm sehr hoch anrechne; darüber hinaus werden seine Figuren schon nach wenigen Buchseiten lebendig, sodass man sich mitfreut, mitleidet, mitlebt und sich zwischendurch bei an die Protagonisten gerichteten Gedanken wie "Na geh, so kann man doch auf eine solche Mail nicht antworten !" oder "Gut gemacht/gesagt/geschrieben !" ertappt.

Auch wenn ich an dieser Stelle kein Wort von der Handlung verraten werde - soviel steht fest: Ich habe mich gestern abend blendend unterhalten !

alle-sieben-wellen

Vor ein paar Tagen habe ich in einer Zeitschrift gesehen, dass das neue Buch von Daniel Glattauer erschienen ist; es heißt "Alle sieben Wellen" und ist eine Fortsetzung des Bestsellers "Gut gegen Nordwind". Diesen Briefroman habe ich gegen meine sonstigen Gewohnheiten (Bestseller treffen nur selten meinen Geschmack) gelesen und finde ihn zwar grundsätzlich sehr gut geschrieben, habe mich aber furchtbar über die weibliche Protagonistin geärgert, die in meinen Augen nichts ist als eine dumme Urschel (=unintelligente Weibsperson), die den Weg des geringsten Widerstandes geht und sichs dort bequem einrichtet. Blutdrucksteigernde Lektüre, sozusagen (Herrn Kehlmann hätte übrigens eine Leseprobe nicht geschadet, anhand derer zu sehen ist, wie man ohne weitreichende Beschreibung von Äußerlichkeiten plastische Charaktere erschafft, die den Leser ins Buch hineinziehen !).

Jetzt bin ich also hin- und hergerissen, weil ich nicht weiß, ob ich mich weiterärgern (Ihr Charakter wird sich wohl nicht allzusehr geändert haben, oder doch ?) oder das Buch links (wahlweise auch rechts) liegen lassen soll. Andererseits wüsste ich gerne, was mittlerweile im männlichen Hauptdarsteller vorgeht und ob sich seine Sicht der Dinge verändert hat ...

Vor zwei Wochen bin ich bei einem meiner Streifzüge durch Buchhandlungen auf das neue Buch Daniel Kehlmanns gestoßen, welches den Titel „Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten.“ trägt. Auf der Rückseite steht zu lesen:

Ein Schriftsteller mit der unheilvollen Neigung, Menschen, die ihm nahestehen, zu Literatur zu machen, ein verwirrter Internetblogger, ein Abteilungsleiter mit Doppelleben, ein berühmter Schauspieler, der lieber unbekannt wäre, eine alte Dame auf der Reise in den Tod: Ihre Wege kreuzen sich in einem Geflecht aus Episoden zwischen Wirklichkeit und Schein. Ein Spiegelkabinett voll unvorhersehbarer Wendungen – komisch, tiefgründig und elegant erzählt vom Autor der „Vermessung der Welt“.

Ja, dachte ich in diesem Moment, ja, das klingt nach einer Art Lektüre, die allemal für einen entspannten Abend auf der heimischen Couch gut ist, und auch der verwirrte Internetblogger weckte meine Neugier, weil ich mir vorstellte, einen Blick darauf werfen zu können, wie Blogger für Nicht-Blogger dargestellt werden. Gestern abend entfernte ich dann endlich die Verpackungsfolie, machte es mir gemütlich und begann zu lesen.

Die erste Geschichte ist in dieser Form äußerst unwahrscheinlich, die zweite schien mir ein wenig fad - Lesereisen schildert Wladimir Kaminer pointierter, farbiger und lebendiger. In der dritten Episode kommt ein Satz vor, der die übrigen Seiten des Buches treu an meiner Seite blieb: „Etwas daran ist falsch. Aber schwer zu sagen, was.“

Dass es sich um einen Roman und nicht um eine Dokumentation handelt, lässt unter Umständen den Aspekt der Glaubwürdigkeit obsolet erscheinen, dennoch stellt sich ein sehr schaler Beigeschmack ein, wenn der Autor in „Osten“ eine Schriftstellerin in Turkmenistan oder Usbekistan (Der ursprünglich vorgesehene Reiseteilnehmer erwähnt zuvor, er wisse nicht genau, in welchen Teil Zentralasiens die Reise gehen solle) aufgrund organisatorischer Mängel spurlos verschwinden lässt – und vor allem die dortigen Menschen als primitive Trottel darstellt.

Meine Verstimmung verstärkte sich bei der Lektüre von „Antwort an die Äbtissin“. Unschwer zu erkennen, dass Herr Kehlmann sich dazu hinreißen ließ, über Paulo Coelho in Gestalt eines Autors mit dem Namen Miguel Auristos Blancos herzuziehen. Ich bin kein erklärter Fan von Coelho, lehne ihn aber auch nicht ab; dass er Erfolg hat, lässt sich nicht bestreiten, dass Erfolg stets auch Neider mit sich bringt, ebensowenig. Sollte etwa genau dies der Grund ... ?

Gänzlich in Schieflage geriet Kehlmanns Buch für mich aber bei der darauf folgenden Episode mit dem Titel „Ein Beitrag zur Debatte“, die sich mit dem auf dem Buchumschlag angekündigten Blogger befasst. Gleich vorweg: Der Blogger ist kein Blogger, sondern ein fanatischer Teilnehmer diverser Foren. Die Geschichte - als Posting deklariert – in einer Sprache abgefasst, die Menschen über 80 und ohne jeglichen Bezug zum Internet wohl als naturgetreue Wiedergabe ansehen werden, welche in dieser Form aber nicht mehr als eine Mischung aus „Ey, Allder !“-Slang, wahllos zusammengesuchten Anglizismen und einigen Fachausdrücken darstellt. Einen Fehler wie „Kontent“ statt „Content“ auszubügeln, wäre Sache des Lektorats gewesen, für alles andere ist allerdings der Autor verantwortlich, der gängige Klischees bezüglich internetsüchtiger Nerds reichlich bedient.

Nachdem ich „Ruhm“ ausgelesen hatte und mit Herrn Hund die Abendrunde gegangen war, kristallisierte sich für mich schließlich heraus, was an diesem verhältnismäßig dünnen Buch falsch ist – und das ist leider nicht wenig, wenn ich die Sache genau betrachte:
Die Protagonisten der Geschichten bleiben allesamt seltsam blutleer; es sind kaum Konturen der Persönlichkeiten auszumachen, die Figuren ebenso farb- wie leidenschaftslos, verwaschen, verschwommen. Ganz kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Kehlmann vom Verlag unter Termindruck gesetzt wurde, daraufhin seine Notizen durchgesehen hat und aus dem, was ihm brauchbar schien, unter Beifügung einiger Anleihen von Kafka und Poe etwas zusammengeschustert hat, das von Umfang und inhaltlicher Struktur her gerade noch als Buch durchgeht. Wer sich für menschliche Verstrickungen mit psychologischem Tiefgang interessiert, sollte diesen Titel jedenfalls besser nicht zur Hand nehmen, denn „komisch, tiefgründig und elegant erzählt“ trifft auf etliche Bücher des aktuellen Literaturgeschehens zu – auf „Ruhm“ sicher nicht.

Über das recht umfangreiche Werk des heurigen Literaturnobelpreisträgers Jean-Marie Gustave Le Clézio liest und hört man derart divergierende Meinungen (Der Bogen reicht von "nur für Intellektuelle geschrieben" bis zu "inhaltlich anspruchsvolle, jedoch leicht lesbare Lektüre".), dass ich noch am Tag der Bekanntgabe seines Namens in der Hauptbücherei mir zwei Bücher reservieren ließ - eines in deutscher Übersetzung und das andere im französischen Original. Beim der deutschen Ausgabe waren andere vor mir schneller gewesen, aber das andere, französische, war in der darauf folgenden Woche bereits (wieder) verfügbar. Jetzt liegt es hier bei mir - und habe nicht den Mut, mit der Lektüre zu beginnen, weil ich Angst davor habe, möglicherweise feststellen zu müssen, dass meine Französischkenntnisse gehobener zeitgenössischer Literatur nicht gewachsen sind.

Der unlängst bei Frau Frogg gefundene Beitrag über ein Buch mit dem Titel "The Culture-Code" hat meine Neugier geweckt, sodass ich gestern in der Buchhandlung meines Vertrauens die bestellte deutschsprachige Taschenbuchausgabe dieses Sachbuches abholte und noch am Abend las, und zwar von Anfang bis zum Ende.

Schwierig zu lesen ist das Buch nicht, was aber keineswegs mit etwaiger Anspruchslosigkeit in Zusammenhang zu bringen ist; der Autor besitzt europäischen Hintergrund, lebt aber mittlerweile in den USA und sieht sich selber auch vorwiegend als Amerikaner. Sehr hoch rechne ich ihm an, dass er trotz manch seltsamer Sitten und Gebräuche sich über keines der von ihm betrachteten Länder lustig macht und auch keines über den grünen Klee lobt, sondern bemerkenswert objektiv bleibt. Seine Beobachtungen beziehen sich vorwiegend auf die USA, in kleinerem Rahmen auch auf Frankreich, England, Italien, Deutschland und Japan, weshalb ich dieses Buch jedem Menschen empfehle, der beabsichtigt, längere Zeit in den USA zu verbringen. Ich für meinen Teil war äußerst verblüfft, in diesem Buch den Schlüssel zu so manchem Rätsel zu finden, auf das man als Europäer angesichts des amerikanischen Alltagslebens unweigerlich stösst, und sehe jetzt manches in einem ganz anderen Licht.

Schade, dass ich während meiner Oberstufenzeit nicht wusste, was ich jetzt weiß. Wir hatten eine sehr nette Kalifornierin als Austauschstudentin in unserer Klasse, mit der ich auch brieflich nach ihrer Rückkehr in die Staaten noch in Kontakt blieb. Bis ich mich als angehende Maturantin in meinem Stolz gekränkt zutiefst gekränkt fühlte, als sie sich bei mir erkundigte, ob ich denn bald heiraten und viele Kinder haben würde, und daraufhin den Kontakt zwischen uns einschlafen ließ, weil ich mich - unsicher wie ich damals war - auf den Arm genommen fühlte, aber gleichzeitig nicht den Mut hatte, nachzufragen, wie sie diesen Satz gemeint haben könnte.

 

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