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Erinnerungen

jezibaba

Jezibaba, kurz Zibaba genannt
Geburtsdatum unbekannt - 10. Mai 2008

Die Mutter erwartete von dem kleinen Mädchen hündischen Gehorsam. Sobald sich das Mädchen, das noch keine sechs Jahre alt war, nicht nach den Vorstellungen der Mutter verhielt, redete diese oft stundenlang, manchmal auch tagelang nur das Nötigste mit dem Kind; am Abend, wenn der Vater nach Hause gekommen war, hörte das Mädchen dann jedes Mal aus der Küche die zornige Stimme der Mutter, die dem schweigenden und zwischendurch zu beschwichtigen versuchenden Vater hinwarf, aus dem Kind werde wohl nie "etwas Gescheites" werden. Manchmal drohte die Frau dem Kind: "Wenn du nicht brav bist, gehe ich fort und komme nicht mehr heim !" Das Mädchen war sich keiner Schuld bewusst und wagte es oft genug kaum, sich frei zu bewegen. Es begann, sich zu wünschen, die Mutter würde ihre Ankündigung wahrmachen.


Muttertag. Der Mann schenkt seiner Frau ein nach seinen Angaben von einem Goldschmied gefertigtes Collier. Aus heiterem Himmel giftet ihn die Frau bösartig an:"Mir brauchst du zum Muttertag überhaupt nichts schenken, ich bin ja schließlich nicht deine Mutter !"

Das kleine Mädchen hat zuhause keine Schaukel, obwohl es sich sehnlichst eine wünscht. Solch eine, wie sie bei den Großeltern an der Teppichstange hängt und in der es ganze Nachmittage verbringen würde, ließe man es. Bei der Kirchweih stehen immer zwei Schiffsschaukeln gegenüber dem Autodrom - eine für die Großen, die so hoch schaukelt, dass die Leute drinnen, wenn sie mutig sind, die Füße am höchsten Punkt der Schaukel mühelos anziehen können, weil man dann einen winzigkleinen Moment lang beinahe schwerelos ist, und eine für die Kleinen, die neben der großen Schaukel fast wie eine Miniatur wirkt, obwohl sie dem Mädchen mit seinen fünf Jahren trotzdem nicht geheuer ist. Das Knarren der Bodenbretter beim Einsteigen, das Anstoßen der Gondel, dann der Schwung, den die Leute in der Schaukel drinnen mitnehmen und dann immer höher hinaufschaukeln, so hoch, dass der Kleinen schon beim Hinaufschauen schwindelt. Mit ihrem Vater traut sie sich nicht zu schaukeln, denn der meint es zwar gut, versteht aber nicht so recht, warum sie ihn auf halbem Weg bittet, nicht mehr höher zu schaukeln. Sie möchte ihn nicht enttäuschen, deshalb lässt sie das Schaukeln lieber ganz sein.

Das kleine Mädchen steht mit seinen Eltern grad vor den beiden Schaukeln, als sein gleichaltriger Cousin und dessen Eltern den Weg heraufkommen. Das Mädchen mag seine Tante und deren Mann, weil sie so liebevoll miteinander umgehen. Wenn die beiden nebeneinander sitzen, legt der Mann immer beschützend seinen Arm um sie, und ihre Blicke zeigen wiederum, wie gerne sie ihn hat. Das gefällt dem Mädchen, weil dieses Bild ehrliche Wärme und Geborgenheit ausstrahlt, obwohl das Herz des Mädchens dabei froh und traurig zugleich wird. Der Onkel, ein stattlicher dunkelhaariger Mann mit meist fröhlich blitzenden Augen, schlägt vor, sein Sohn solle mit dem kleinen Mädchen schaukeln gehen. Das Mädchen hat einerseits Angst, andererseits freut es sich über das Angebot. Ganz kurz nur überlegt es und nickt dann, weil sprechen nicht so recht sein will mit dem Angstknödel im Hals. Die beiden Kinder steigen in die Gondel, der Bub sieht ein bissl die Angst in den Augen des Mädchens und ein wenig ist ihm wohl auch selber mulmig, und so schaukelt er nicht allzu wild, sodass sich das Mädchen sogar traut, ein wenig mitzuschaukeln. Gesehen hat die Kleine das schon oft, und so weiß sie, dass man in die Knie gehen muss, wenn die Gondel nach vor schaukelt und am tiefsten Punkt angelangt ist, dann wieder aufstehen, beim Rückwärtsschaukeln stehenbleiben, um dann das ganze Spiel wieder von vorn zu beginnen. Es macht ihr sogar ein wenig Spaß, weil sie spürt, dass sie die Gondel mitbewegt, dass ein Teil des Schwunges von ihr kommt. Als sie gerade, mutig geworden, mehr Schwung geben möchte, spürt sie das Schleifen des Bremsbretts am Boden.

Beim Aussteigen hat sie ein bisschen weiche Knie, ist aber sehr stolz auf sich selber und fragt ihre Eltern aus diesem Stolz heraus, ob sie nicht auch fänden, dass sie gut geschaukelt habe. Noch bevor der Vater antworten kann, platzt ihre Mutter lauthals und höhnisch heraus:“Gut ? Du bist da oben gehangen wie ein toter Hase !“ Onkel und Tante sind verstummt, während die Mutter sich schier ausschüttet vor Lachen.

Die Ausgangssituation:
Ein 10 Monate altes Kind, eine überlastete, weil seit 10 Monaten rund um die Uhr für das Kind daseiende und deshalb dauermüde Mutter, eine rüstige Großmutter mit viel Freizeit.

Die Szene:
"Kann die Kleine an meinem Geburtstag bei euch übernachten ? Ich würde so gerne einmal wieder ausschlafen ..."
Die Antwort erfolgt in einem verächtlichen und scharfen Tonfall, der keine Zweifel daran lässt, dass der Satz absolut ernstgemeint ist:
"Nein. Wenn du ausschlafen willst, musst du eben früher ins Bett gehen."

portraet-wien
Wien, Wollzeile, Oktober 1980


Erkenntnis, 27 Jahre später:
Lebe deinen Traum, statt dein Leben zu träumen !

oma
Meine geliebte und leider längst verstorbene Großmutter im Alter von ca. 20 Jahren; das Foto hat heute anlässlich einer Geburtstagsfeier wieder meinen Weg gekreuzt.

Die gute Nachricht zuerst: Die Tochter hat ein sehr erfreuliches Zeugnis nach Hause gebracht, was ihr den lange ersehnten iPod eingetragen hat. Einen in blitzblau-türkis-metallic (oder wie auch immer man die Farbe nennen will) mit einer Speicherkapazität, von der Technikfreaks noch vor 20 Jahren nur geträumt haben. Wobei wir auch schon bei der eher unerfreulichen Komponente angelangt wären, nämlich der Tatsache, dass mir angesichts des niedlichen Kästchens, welches dünner als eine Zigarettendose ist, ein paar Erinnerungen durch den Kopf gehen, die mich im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen lassen. Wer also jetzt denkt: "Pah, schon wieder die alte Leier von der Midlifecrisis !", darf sich gerne hier ausklinken, ohne etwas zu versäumen. Die zwei Leser, die noch da sind, nehme ich mit auf die Reise in eine scheinbar längstvergangene Zeit ...

Es war einmal ein Mädchen von etwa 12 oder 13 Jahren, welches leidenschaftlich gerne Musik hörte; der einzige Zugang, den es zu dieser Musik hatte, war zunächst ein Radio, der sich in der Küche seiner Eltern befand. Es beneidete jene wenigen Mitschülerinnen und Mitschüler, die einen dieser steilen Grundig-Kassettenrecorder besaßen und ihn sogar in den Schikurs mitnehmen durften ! Etwa in der Mitte der 70er-Jahre beschloss sein Vater in einem Anfall von Leichtsinn, eine Musikanlage zu kaufen, und da er Wert auf Qualität legte, musste es eine dieser modernen Stereoanlagen sein. In einem Geschäft in der Landeshauptstadt erstand er eine Nordmende-Kompaktanlage, die Plattenspieler, Kassettenrecorder und Radio in einem einzigen, schaltpultähnlichen Gerät vereinte, welches einen Ehrenplatz im Wohnzimmer erhielt. Dreimal darf geraten werden, wo das Mädchen ab diesem Zeitpunkt seine Nachmittage verbrachte ! Emsig nahm es diverse Radiosendungen auf Kassette auf, stellte eigene Sampler zusammen und erwarb nach und nach diverse Schallplatten, die zu hören es nicht müde wurde. Kurze Zeit später kam ein Urahn der heutigen Ghettoblaster ins Haus, der zwar nur aus einem Radio und einem Kassettendeck bestand, dafür aber auch ein eingebautes Mikrofon besaß. Sowohl Kompaktanlage als auch Ghettoblaster landeten - um des Hausfriedens willen und weil die Eltern gerne wieder an den Abenden in Ruhe fernsehen wollten - früher oder später im Zimmer des Mädchens, welches in diesem Augenblick eine frühe Version des SingStar erfand, indem es - hinter sich die Stereoanlage, vor sich das Mikrofon - diversen Hits neue Dimensionen verschaffte. Mit Cliff Richard sang es im Duett "It's so funny how we don't talk anymore", ELO bekam durch seinen stimmlichen Einsatz zusätzlich zu den elektrischen Geigen eine besondere Note und REO Speedwagon durften sich mit solch einer Sängerin glücklich schätzen.

Ungefähr zur selben Zeit bekam ein Cousin, dessen Vater technikbegeistert war, zu Weihnachten ein Spiel, welches mit Hilfe des häuslichen Fernsehers dargestellt wurde. Der Bildschirm blieb dabei weitgehend schwarz, nur eine weiße Mittellinie war zu sehen, am linken und rechten Rand befanden sich je ein kurzer Strich und am oberen Rand links und rechts von der Mittellinie eine Art Zähler. Ziel dieses Spieles war es, die beiden kurzen Linien so zu bewegen, dass ein ballähnliches Etwas immer wieder zurückgeschossen wurde, wobei "schießen" eine unzulängliche Beschreibung dieses Vorganges darstellt, da der Ablauf verhältnismäßig langsam vor sich ging. Das Prinzip war das selbe wie beim Tennis, das Spiel war eine absolut faszinierende Sache und hieß Pong.

Als das Mädchen in ein Alter kam, in dem die Wochenenden üblicherweise nicht mehr durchgehend zu Hause verbracht werden, tauchten in den Lokalen mehr und mehr verschiedene Arten von Spielautomaten auf, bei denen es nicht darum ging, Geld zu gewinnen, sondern die auf Reaktionsschnelligkeit und Geschicklichkeit abzielten. Manche waren mehr und manche weniger interessant, aber ein Spiel gab es, das es wirklich begeisterte: Phoenix.

Ebenfalls gegen die Mitte der 70er-Jahre hin hatte einer der Onkel des Mädchens geheiratet; die Tante hatte relativ schnell nacheinander zwei Kinder bekommen. Als diese Kinder ungefähr 10 oder 11 Jahre alt waren, lag unter deren Christbaum eine Neuheit, von der viele Kinder damals ebenfalls träumten; es handelte sich um einen merkwürdig aussehenden Kasten, den man an den Fernseher anschließen konnte und der die seltsame Bezeichnung "Nintendo" trug. Dass die kleine Cousine und der kleine Cousin schon am zweiten Weihnachtsfeiertag ihre große Cousine als blutige Anfängerin abqualifizierten, indem sie ihr mittels Ice Climber gnadenlos ihre Grenzen aufzeigten, tat dem Unterhaltungwert keinen Abbruch. Spaß machte das Spiel trotzdem, und zwar sogar sehr großen !

Die Jahre gingen dahin, Jahre, in denen sich aus merkwürdigen Ideen verschrobener Tüftler handfeste Innovationen entwickelten, die nicht nur Kommunikation und Unterhaltung revolutionieren sollten. In der Zwischenzeit war aus dem Mädchen längst eine Frau geworden, die bereits selbst wieder eine Tochter hatte. Als diese Tochter ungefähr zwei Jahre alt war, kam der erste Computer ins Haus. Kurz zuvor hatte sich die Frau einen dreiwöchigen Computerkurs selbst finanziert, da ihr zu dumm war, einer neuen Technologie gegenüberzustehen wie der sprichwörtliche Ochs dem neuen Scheunentor. Der Umgang mit dem Computer machte ihr Freude und schnell merkte sie, dass sie gut mit dem Gerät umgehen konnte, viel besser als die meisten Menschen aus ihrem Umfeld. Sie installierte, deinstallierte, tüftelte am System herum und formatierte auch schon mal die Festplatte, wenn sich zuviel Softwareschrott angesammelt hatte. "Windows 95" nannte sich das Betriebsprogramm; es hatte seine Tücken, erschien aber dennoch sehr viel sympathischer als das trockene MS/DOS, auf welches sie nur beim Formatieren zurückgriff. Ach ja, und ein Spiel gab es, welches die Frau, das heißt: mich, in seinen Bann schlug: Die Siedler II. An dem Spiel stimmte (und stimmt auch heute noch) für mich alles: Aufbau, Charaktere, Spielmöglichkeiten, Animation und vor allem auch die Akustik (Das knuffige "Yippieee !", wenn ein Forscher Bodenschätze findet und das "Grugru" der Taube beim Posteingang, das Hämmern in der Schmiede und das Krachen der Bäume beim Holzfällen ... ). Abgesehen davon hatten mit diesem Computer auch Musik-CDs Eingang in meinen Haushalt gefunden, die mir trotz aller Nostalgie wesentlich sympathischer als Schallplatten sind.

Naja, meine Tochter mag Musik genauso gerne wie ich, und mittlerweile hatte sie ihren ersten Radio mit Cassettendeck im Kinderzimmer; als dieser seinen Geist aufgegeben hatte, bekam sie einen tragbaren CD-Player, wenig später einen Game Boy Advance SP, der im vergangenen Jahr von einem Nintendo DS abgelöst wurde. Unsere Tochter besitzt seit heuer einen eigenen Computer, und wenn ich mir ansehe, wie selbstverständlich und ohne Schwellenangst sie mit all diesen Geräten agiert, bin ich stolz auf sie.

Ich selber sitze mittlerweile an einem Notebook, das eine unglaubliche Menge an Stückln spielt, bewege mich selbstverständlich im Internet, pfeife aufs Festnetz und telefoniere mittels Handy, kenne ICQ und Teamspeak und wundere mich nur mehr manchmal darüber, wie selbstverständlich für mich der Umgang mit meiner Digicam geworden ist, wo ich doch mit einem alten Agfa-Fotoapparat das Fotografieren gelernt und mich dann über eine Fujica AZ-1 und eine Canon EOS 500 weiterentwickelt habe.

Auch wenn ich mir manchmal ganz schön alt vorkomme, wenn ich an die Technologien meiner Kindheit und Jugend zurückdenke, faszinieren mich die Entwicklung und Entstehung neuer technischer und kommunikativer Dimensionen, und auch hier gilt nach meinem Dafürhalten, dass keine dieser Neuerungen per se gut oder schlecht ist, sondern dass es darauf ankommt, was der Mensch daraus macht. Unsere Tochter ist jedenfalls überglücklich und befüllt gerade ihre neueste Errungenschaft gnadenlos mit Musikfiles jedweden Genres. Hmm, interessantes Teil, das. Ich glaube, ich werde mir zum Geburtstag vielleicht auch einen iPod wünschen ...

Gestern habe ich mit meiner Tochter in alten Fotoalben herumgestöbert und bin dabei auf ein Bild gestoßen, das mich mit ca. 17 Jahren zeigt. Seltsam - halb fühlt es sich an, als sei erst ein Tag seitdem vergangen und halb liegt es schon eine Ewigkeit zurück, dass jenes Bild entstanden ist. Aber dieses Gefühl tief in mir drinnen, diese Unruhe, dieses Alles-Wollen, die sind immer noch da und flüstern mir zu, dass das Beste noch kommt ...
portraet-sw

Offensichtlich hat Frau Kaltmamsell mit ihren Erinnerungen an "Drei sind einer zuviel“ eine meiner etwas verstaubteren Erinnerungsladen sperrangelweit geöffnet, denn mein Langzeitgedächtnis gefällt sich derzeit außerordentlich gut darin, in dieser Lade herumzukramen und mir zwischendurch immer wieder begeistert zuzurufen: „Jö, schau, was ich gerade gefunden habe !“. Natürlich folge ich schon aus reiner Neugier seinem Ruf, von einer inneren Verpflichtung ganz zu schweigen, denn wer seinen Dienst über lange Zeit so gewissenhaft versieht wie meine Erinnerung, der darf auch mal hemmungslos in alten Sachen stöbern, und was ich dabei entdecke, weckt zugegebenermaßen eine gewisse sehnsüchtige Melancholie. Nicht nach den wilden 70ern generell, nein, aber dafür nach einer Fernsehkultur, die ich im heutigen Kabel- und Satellitenprogrammeinheitsbrei durchaus vermisse.

In sehr guter Erinnerung habe ich in diesem Zusammenhang den ARD (Ja, ich weiß, es müsste "die ARD" heißen, bei uns hat sich diese Bezeichnung jedoch nie durchgesetzt !), der in den 70er-Jahren wochentags zwischen 18 und 20 Uhr in verschiedenen Regionalfenstern sendete, in denen meist Serien mit einer Episodenlänge von 25 Minuten ohne Werbung (!!!) liefen. „Michel aus Lönneberga“ war eine von ihnen, und mein Vater hatte das größte Gaudium angesichts des kleinen blonden Jungen, der in regelmäßigen Abständen in seiner Hütte Holzfiguren schnitzte, weil einer seiner Streiche seine Eltern wieder ihrem Grab einen Schritt näher gebracht und er einmal mehr eine Nachdenkpause verordnet bekommen hatte. Im Grunde genommen glaube ich, dass mein Vater sich sehr stark mit dem kleinen Lausebengel identifiziert hat, der er selber als Kriegskind nie sein konnte.

Im konkurrierenden ZDF gab es jeden Samstag am frühen Abend – oder späten Nachmittag, je nach Betrachtungsweise – eine volle Stunde Fernsehen vom Feinsten, unterbrochen lediglich durch fünf Minuten Werbung mit den Mainzelmännchen. Um 18:20 fiel der Startschuss, der annähernd drei Viertel aller im Sendebereich lebenden Menschen in Galaxien katapultierte, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hatte. Der Held meiner Kinderbücher war Robin Hood, die Helden meiner televisionären Erstlingsjahre waren Captain Kirk und der langohrige Vulkanier mit der überragenden Intelligenz, die mit ihrer Mannschaft während der langen, langen Reise der Enterprise unglaubliche Abenteuer zu bestehen hatten. Ach, Mr. Roddenberry, mögen Ihnen zum Dank für viele in atemloser Spannung verbrachte Fernsehstunden ihre geheimsten Wünsche im Jenseits in Erfüllung gehen !

An eine zweite Serie im ZDF zu dieser Sendezeit erinnere ich mich ebenfalls noch sehr gut. Ho-ho-ho-hooooo, ho-ho-ho-hoooooooooo ... Na, wer hats gesungen ? Carl Douglas, richtig, und die dazugehörige Serie hieß „Kung Fu“ und verleitete die Hälfte der männlichen Jugend zu diversen Versuchen, mittels ihrer im Fernsehen erspähten vermeintlichen Kenntnisse fernöstlicher Kampftechnik kichernden Gänschen zu imponieren. Mir war Kwai Chang Caine etwas zu – naja, zu mönchisch eben, aber wie er den bösen Jungs, die übrigens immer auf den ersten Blick erkennbar waren, die Grenzen aufzeigte, das hatte schon was !

Aus dem hintersten Eck der Schublade schob sich gestern noch eine ARD-Erinnerung, und zwar die schönste von allen. Irgendwann, und zwar immer Freitags, lief in besagtem Vorabendfenster eine Reihe, die schon eine Sitcom war, als es das Wort noch gar nicht gab, den Namen „Ein Mann im Haus“ trug und von einer WG mit zwei Frauen und einem Mann handelte. Das Serial spielte in London und zeichnete sich einerseits durch seine unspektakuläre Aufmachung, andererseits vor allem durch den großartigen britischen Humor aus, wobei auch die Charaktere der Darsteller sehr gelungen besetzt waren. Da gab es zunächst die kluge und patente, jedoch nicht unbedingt gängigen Schönheitsidealen entsprechende Chrissy, deren Gegenpart die blonde, langmähnige und niedlich-naive Jo darstellte; der Hahn im Korb hieß Robin und konnte sich nie entscheiden, in welche der beiden Frauen (die sich ihrer Gefühle übrigens auch nie so sicher waren) er jetzt verliebt war - im Zweifelsfall eben in beide, das aber wiederum in allen Ehren. Heute würde man das Sujet zu einem Softporno im Vorabendprogramm verarbeiten, damals standen Humor und Spielfreude an erster Stelle. Meine Identifikationsfigur war – wie könnte es anders sein – Chrissy, und mir scheint, dass die Serie auch damit endete, dass Chrissy und Robin ein Paar wurden (Es wäre aber auch gut möglich, dass dieses Finale nur meinem damaligen Wunschdenken entsprungen ist, jedenfalls kommt dieses Ende in meiner Erinnerung vor). Genial waren auch die beiden Wohnungsvermieter, ein schrulliges Ehepaar, das – von den Figuren her mit Absicht völlig überzeichnet - für anhaltende Heiterkeit sorgte. Wenn seine Frau wieder einmal was an ihrem Mann auszusetzen hatte, pflegte Mr. Roper stets mit einem naserümpfenden „nörgelnörgelnörgel“ zu kontern, und Mrs. Ropers Erscheinungsbild diente meiner Einschätzung nach später noch einigen Kabarettistinnen als Vorlage.

„Ein Mann im Haus“ ist im deutschsprachigen Raum leider weder auf Deutsch noch im englischen Original erhältlich, aber wer weiß, vielleicht erbarmt sich in absehbarer Zeit jemand und bringt diese Serie auf DVD heraus. Bis dahin lasse ich meine Erinnerung noch ein wenig herumrumoren und freue mich, wenn sie einzelne Filmszenen zum Vorschein bringt.

 

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