Aus der Vergangenheit
Bücher
Essen und Trinken
Familienangelegenheiten
Filme und Musik
Fotoschule Wien 2011
Fundstücke
Garten & Natur
Geschichten
Gesellschaft
Hund, Katz & Co.
Persönliches
Unterwegs
Was ich mag
Wien, wie ich es liebe
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
null
Maria Hofbauer

 

Geschichten

Heute im Programm:

Frau Kelef strikes back. Auf russisch.

[Italienisch wär auch mal was. So richtig gestenreich per Redeschwall seinen Dialogpartner zum Verstummen bringen ...]

Eine faszinierende Idee + deren einfach zu handhabende Umsetzung = ein Projekt, dessen nähere Betrachtung in jeder Hinsicht empfehlenswert ist:

Stories & Places

(Ich habe mir erlaubt, den Radius um Wien herum vorwiegend fotografisch etwas zu erweitern, aber grad in Österreich sind noch vieeeele weiße Flecken auf der Landkarte zu finden !)

... sondern eine dringende Leseempfehlung. Herr Buddenbohm schreibt auf seine ganz spezielle Art über Kinder und Weihnachten.

... and they lived happily ever after. Oder auch nicht:

Dina Goldstein's Fallen Princesses


Ebenso treffsicher in Szene gesetzt findet sich Barbies Welt:

In the Dollhouse



dieser Tage entdeckt bei der Süddeutschen Zeitung

Erfreulicherweise muss ich mich heute nicht mehr darum kümmern. Ich kann auch ohne Schönheitsoperationen auf mein notwendiges Quantum an Operationen kommen:) (Niere, Galle, usw...)
Der werte Herr Steppenhund in einem Thread bei Frau Frogg. Danke für diesen erheiternden Moment !

Es war einmal ein kleines Mädchen, das in einer sehr entlegenen Gegend in einem noch abgelegeneren Haus aufwuchs. Geschwister oder Spielgefährten hatte es keine, und seine Eltern schienen stets sehr beschäftigt, sodass sie froh waren, von dem Mädchen nicht gestört zu werden. Das Mädchen aber suchte sich beizeiten seine Gesellschaft selber aus, indem es begann, die Welt der Bücher für sich zu entdecken, und fand dort viele, viele Freunde: Die Märchenfiguren in den bunten Bilderbüchern erzählten ihm von den Tieren des Waldes, von Wichteln, von dem, was sie mit bösen Stiefmüttern und gekränkten Feen erlebt hatten, aber auch von Begegnungen mit wohlwollenden Menschen und wundersam edlen Prinzen.

Als das Mädchen ein wenig älter geworden war und bereits selber lesen konnte, gesellten sich zu den Märchengestalten allerlei Sagenfiguren. Robin Hood war eine von ihnen, und das Mädchen stellte sich vor, wie es mit Robin und seinen Mannen im Sherwood Forest die verschiedensten Abenteuer bestand, reitend und mit Pfeil und Bogen aufs Treffsicherste vertraut. Nicht einmal vor einem sehr dicken Buch mit germanischen Heldensagen schreckte das Mädchen zurück; die Bilder zu den Geschichten entstanden in seinem Kopf und waren bunter und lebendiger als Illustrationen es je sein konnten. Dann gab es die Geschichten aus 1001 Nacht sowie viele Sagen aus Österreich und den angrenzenden Ländern, durch deren Schauplätze das Mädchen nach und nach das Land, in dem es lebte, kennenlernte. In der Zwischenzeit waren neue Freunde hinzugekommen: Pünktchen und Anton, Lotte & Luise Palffy, ein Mädchen aus der Schweiz namens Heidi und dessen Freund Peter, ein mächtiger Zauberer, der Rübezahl hieß und in einer geheimnisvollen Gegend lebte, und auch Micky und Lise, die mit ihren gräßlich ungezogenen kleinen Geschwistern bei den Großeltern auf dem Land ihre Ferien verbrachten, sowie ein französischer Landstreicher mit einem klugen Dackel an seiner Seite.

Ein paar Jahre später begegneten dem Mädchen selbstbewusste junge Frauen aus dem hohen Norden; Skandinavierinnen mussten wohl ganz anders sein als die Frauen, die in der Umgebung des Mädchens lebten. Das Mädchen war nun selber schon eine junge Frau geworden und besuchte die Oberstufe des Gymnasiums der Bezirkshauptstadt; die Schule verfügte auch über eine gutsortierte Bibliothek, in der sich wiederum neue Welten auftaten. Die junge Frau begegnete unter anderem Goethe, Schiller, Novalis, Zola sowie Theodor Storm, dessen Schilderungen sie in atemlosen Bann schlugen. Bald entwickelte sie Sympathien für Sartre und Camus, für Schnitzler und Böll. Die Epoche spielte keine Rolle, wichtig war, dass der jeweilige Autor ein kluger, kritischer Geist war, in dessen Worten sie sich spiegeln konnte.

Die junge Frau hatte beschlossen, nach der Matura so schnell wie möglich auf eigenen Füßen stehen zu wollen, und so hatte sie jetzt weniger Zeit zum Lesen, die Liebe zu den Büchern jedoch blieb. Und blieb auch über Jahre harter Arbeit und zwei unglückliche Paarbeziehungen hinweg, über Jahre, in denen sie mit sehr wenig Geld auskommen musste, weil sie ihr Herz an einen Mann verschenkt gehabt hatte, der sich als verantwortungslos herausstellte.

In der Zwischenzeit hatte die Frau eine Tochter geboren. Es war nach der Trennung von besagtem Mann nur wenig Geld vorhanden, aber für Bücher musste es reichen, zumal die Frau aus eigener Erfahrung wusste, was Bücher einem Menschen sein können. Die Frau las ihrer Tochter bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor, und später, als das kleine Mädchen vor der Einschulung stand, stellte auch ihm die Frau alle ihre Kindheitsfreunde vor. Der Frau ging es allmählich finanziell besser, darüber hinaus hatte sie zu ihrer großen Freude mittlerweile auch beruflich mit Büchern zu tun. Eines Tages begegnete auch ihr ein Märchenprinz. Der Mann kam zwar nicht auf einem weißen Pferd einhergeritten, sondern fuhr in einem modernen Automobil vor, wie es einem Prinzen des 21. Jahrhunderts geziemt, und auch die Frau harrte nicht auf einem rosenumrankten Erker des Mannes ihrer Träume, dennoch verstanden beide sofort, dass sie zusammengehörten.

Dieser Mann wusste nicht nur um die Liebe der Frau zu Büchern, sondern bestärkte sie auch darin, statt zu versuchen, sie ihr auszureden, wie es zuvor schon manche Menschen getan hatten. So kam es, dass sich im mittlerweile recht umfangreich gewordenen Bücherfundus auch einige zum Teil recht kostbare antiquarische Ausgaben einfanden. Eine davon war „Hamlet“ in Großformat mit wunderschönen alten Stichen, kunstvoll geprägtem Einband und Goldschnitt. Um es genau zu sagen, war das Großformat sehr großzügig dimensioniert und größer als so manche Atlanten, sodass sich nach einem Umzug in eine große Stadt kein geeigneter Platz mehr für den Prinzen von Dänemark fand und er in einem geschlossenen Schrank verweilen musste - zwar sorgfältig in Seidenpapier gewickelt und in einer passenden Schachtel verstaut, aber eben nicht an einem Platz, der seiner imposanten Erscheinung würdig gewesen wäre. Auch die Anschaffung einer Bücherwand brachte Hamlet nicht ans Licht, da nicht einmal deren für Bildbände vorgesehene Fächer ihm eine Bleibe in adäquater Position bieten konnten. Hamlet hauste zum Leidwesen der Frau weiterhin im Dunkel.

Die Jahre gingen ins Land. Der Märchenprinz hatte sich auch nach dieser langen Zeit, die durchaus nicht menschlicher Prüfungen entbehrt hatte, nicht als Frosch entpuppt, sondern war ein Märchenprinz geblieben. Ein Märchenprinz, der mittlerweile auch mutig genug geworden war, seine Träume zu leben, weshalb er sich mit seiner Frau auf die Suche nach einem Schloss nach seinen Vorstellungen (die auch denen der Frau entsprachen) begab. Die Frau hatte gerne in die Suche eingewilligt, diese allerdings gestaltete sich mühsam und gefährlich, denn es waren Räuber unterwegs; manchmal waren schäbige Hütten verzaubert worden und schienen als prächtige Behausungen, beim Betreten jedoch – der Mann und die Frau kannten einige wirksame Gegenzauber – verblasste der Zauber schnell, um dann gänzlich zu entschwinden. Viele Male waren der Mann und die Frau dergestalt unverrichteter Dinge heimgekehrt, müde, traurig und mitunter nur um Haaresbreite Raubrittern entkommen.

Eines Tages jedoch stand völlig unerwartet und wie durch Zauberei (Hatte etwa Rübezahl seine Hand im Spiel gehabt ?) ihr Wunschhaus plötzlich vor ihnen, und der Mann und die Frau wussten sofort, dass das ihre große Gelegenheit war, ihre Träume zu leben. Einer davon war ein eigenes Bücherzimmer, um nicht zu sagen: eine (kleine) Bibliothek, und da jetzt sehr viel mehr Platz sein würde als in der vorigen Behausung, stellte sich die Frage nach der Möglichkeit zur Verwirklichung dieses Wunsches erst gar nicht. Die Frau lächelte bei dem Gedanken, Hamlets Schattendasein würde bald beendet sein.

Einer der denkbar traurigsten Berufe ist jener des Alleinunterhalters auf Kindergeburtstagen. Nicht in Gestalt eines Studenten, der sich kurzfristig ein Zubrot verdient, auch nicht in Gestalt eines Verwandten oder einer Person aus dem Freundeskreis, die sich bei diesem Anlass als Animateure versuchen, darf man sich diesen vorstellen, sondern als einen Menschen, dessen Leben die Bühne ist, der aber letztlich als einziger von dieser seiner Berufung überzeugt ist. Als jemanden, der bei Auftritten für erwachsenes Publikum mehr als einmal gescheitert ist und trotzdem ab und zu, nach ein paar Gläsern Alkohol zuviel, noch selber an seinen Durchbruch glaubt, denn irgendwann, ja irgendwann, wenn ganz zufällig jemand von den anwesenden Eltern sein Talent erkennt und ihn dementsprechend fördert, werden seine Spötter und all die ihn mitleidig belächelnden Bekannten stolz sein, ihn zu kennen ! Als jemanden, der insgeheim spürt, dass er es in diesem Leben künstlerisch nie mehr zu etwas bringen wird, und dennoch Runde um Runde im Kreis geht wie ein altes Zirkuspferd, das weiß, es wird nie mehr über blühende Wiesen galoppieren.

Kein Kind freut sich oder lacht oder singt mit. Die Sensiblen reagieren verstört, die etwas Robusteren sind skeptisch, als ihnen der verkleidete und lustig geschminkte Mann Späße und Lieder vorspielt und sie damit zum Fröhlichsein zu animieren versucht, wo sich doch ganz deutlich spüren, wie niedergeschlagen und mutlos dieser Mensch da vorne ist. Die Eltern wirken peinlich berührt ob der überdrehten Fassade, die so offensichtlich Brüchiges, Morsches zu verbergen sucht. Einige der Kinder wird der traurige Spaßmacher noch in ihren Träumen heimsuchen. „Nie mehr !“ schwören sich die Eltern, „Nie mehr !“ schwört sich der einsamste aller Menschen in seiner grellen Maskerade, und doch wird er wieder und wieder auftreten, auftreten müssen mit den immer gleichen Späßen und immer gleichen Liedern.

Herr Lucky hat gestern einen Eintrag geschrieben, der mir ungefiltert direkt ins Herz geht:

lucky strikes: Tango

Und Herr Buddenbohm auch:

Herzdamengeschichten: Geschichtsstunde

Wenn man Frau Kelefs gestrigen Eintrag anschaut, reißt es einem allein schon beim Lesen den Boden unter den Füßen weg. Mein Kompliment dafür, dass Sie, Frau Kelef, aus eigener Kraft noch am Leben sind, und zwar nicht irgendwie, sondern als geballtes Energiebündel !

Via Frau Gröner bei Frau Smilla entdeckt:

Im Herzen vereint

 

twoday.net AGB

xml version of this page

xml version of this topic

powered by Antville powered by Helma
Creative Commons License
Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.