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zwischen Pubertät und Altersstarrsinn

 

Gesellschaft

Die diagnostischen Verfahren sind alt und aufwendig. Ohne vereinfachte Diagnose ist es unmöglich, alle potenziell Betroffenen zu testen. Wenn die Symptome unübersehbar geworden sind, ist die Heilungschance schon stark gesunken. Die existierenden Medikamente sind alt, teuer und nur bedingt wirksam. Da Chagas fast nur arme Menschen betrifft, gibt es kein kommerzielles Interesse für Entwicklung von Diagnose-Tests und neuen Medikamenten. Hundert Jahre nach Entdeckung von Chagas gelten die Krankheit und deren Betroffene als vergessen.

Zitiert aus "Diagnose" 3/2009, dem Journal von "Ärzte ohne Grenzen"

Ärzte ohne Grenzen

Heute hat sich mein gestern gewonnener Eindruck verstärkt. Seit dem vergangenen Wochenende sind viele Menschen wieder aus dem Urlaub zurück; im Gegensatz zum Sinn und Zweck einer Erholungsreise sind die meisten von ihnen jedoch missgelaunt und tendenziell aggressiv. Heute habe ich als Krönung ein Paar gehört und gesehen, das sich auf offener Straße lautstark gestritten hat, aber diejenigen Passanten, die einen mit nach unten gezogenen Mundwinkeln über den Haufen rennen und die Autofahrer, die mehr hupen als fahren, reichen auch.

Wir leben in einer Gesellschaft, in welcher sich Menschen frei bewegen können; auch beruflich ist für uns Mitteleuropäer eine Existenzgründung an einem beliebigen Ort durchaus möglich. Weshalb sind dann trotz der Freiheit, nach den eigenen Vorstellungen zu leben, soviele Menschen dermaßen unzufrieden mit ihrem Alltag, dass sie die Urlaubszeit mit unrealistischen Erwartungen völlig überfrachten und naturgemäß bei der Umsetzung scheitern ?

Schon gestern stürzten sich viele Medien auf ein gefundenes Fressen in Form eines Einbruchs in einem Kremser Supermarkt, im Zuge dessen ein Vierzehnjähriger erschossen wurde. Offensichtlich ein willkommener Anlass für Politiker und Medien, sich in Betroffenheit und Polizeibashing zu üben - zumindest komme ich zu dieser Ansicht, wenn ich diverse Wortmeldungen und Schlagzeilen lese.

Unabhängig vom Tathergang und vom Ablauf der Ereignisse fällt mir jedoch drastisch auf, dass in den meisten Fällen bei der Berichterstattung Ursache und Wirkung weitgehend außer Acht gelassen werden; grundsätzlich sollte man nämlich schon erkennen, dass der erschossene Teenager noch am Leben wäre, hätte er nicht versucht, sich weit nach Mitternacht als Einbrecher zu profilieren.

Eine Frage drängt sich mir in diesem Zusammenhang vor allem auf:
Weshalb sind die beiden Beamten alleine in den großen Supermarkt (Merkur-Märkte - und um einen solchen handelt es sich hier - sind generell großflächig angelegt) gegangen ? Liegt dieser Entscheidung eine Fehleinschätzung der eigenen Möglichkeiten zugrunde, die dazu führte, dass keine Verstärkung angefordert wurde ? Oder wäre schlichtweg kurzfristig keine Verstärkung verfügbar gewesen, sodass die zwei Beamten nolens volens auf sich allein gestellt waren ? Dass mir jetzt niemand mit kopfschüttelnder Ungläubigkeit reagiert: Krems und Umgebung sind eher dem ländlichen Raum zuzuordnen, und in diesem wird gerne an Polizeibeamten gespart, wo es nur möglich scheint ! Die fehlende Verstärkung scheint mir persönlich der Schlüssel zum Ablauf der Geschehnisse zu sein, zumal ich hier in Wien schon einmal in einem vergleichbaren Fall aus nächster Nähe miterlebt habe, dass bei einem Alarm zunächst die übliche Zwei-Mann-Streife vorfuhr, die Lage begutachtete und dann eben Verstärkung anforderte. Da die Räumlichkeiten des betreffenden Gebäudes teils schwer einsehbar sind, kam auch ein Polizeihund zum Einsatz; die ganze Aktion lief sehr (im positiven Sinn) routiniert ab, wobei sich herausstellte, dass es sich um einen Fehlalarm gehandelt hatte. Kein Problem - besser so als wie in Krems geschehen. Um es nochmals zu sagen: Mich interessiert am meisten, weshalb keine Verstärkung vor Ort war.

Für sehr richtig halte ich übrigens auch die Argumentation von Heinz Patzelt, die an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll.

Ich gehöre ja nun zu jenen Menschen, die die Ansicht vertreten, alles beginnt bei den kleinen, unscheinbaren Dingen, und damit meine ich nicht nur Atome und Moleküle, die unbestreitbar die kleinsten uns bekannten Teile unseres Universums darstellen. Ob auch der Alltag in einer Partnerschaft erfreulich verläuft, hängt vor allem von den täglichen kleinen Worten und Gesten ab, im beruflichen Miteinander verhält es sich nicht anders. Für mich trifft dieser Grundsatz auch auf größere soziale Strukturen zu, deren Probleme nicht durch hierarchisch oktroyierte Vorgaben gelöst werden können, sondern in denen dauerhafte und konstruktive Änderungen nur durch den einzelnen verantwortungsbwussten Menschen, seine Gedanken und Taten, herbeigeführt werden.

Insofern sehe ich hierzulande für die nachhaltige Bewältigung bereits existierender sowie künftiger Umweltprobleme schwarz. Weshalb ich zu dieser Annahme komme ? Weil das Gros der Österreicher offensichtlich nicht in der Lage ist, das Prinzip der Mülltrennung zu verstehen, und ich spreche hier nicht von öffentlichen Abfallkörben, sondern von Hauscontainern hier und anderswo. Dass große Kartonagen aus Rücksicht auf andere Hausbewohner nicht als Ganzes in den Altpapierbehälter gestopft werden sollten, spricht sich anscheinend kaum herum, ebensowenig, dass Kunststoffe beim Biomüll nichts zu suchen haben und Zeitschriften und Glas nicht beim Restmüll, zumal sich an allen Ecken und Enden Sammelstellen befinden.

Solange die meisten Menschen zu dumm sind, solche per se eher wenig komplexen Zusammenhänge zu erkennen, brauchen wir nicht zu hoffen, globale Krisen diffizilerer Natur bewältigen zu können und aus ihnen zu lernen ...


*Die Worried Men Skiffle Group hatte recht.

Zu der Zeit, als ich meinen Führerschein gemacht habe (also vor mehr als zwanzig Jahren) wurde noch sehr viel Wert darauf gelegt, dass Verkehrsteilnehmer bei Stopptafeln auch wirklich stehenbleiben und zweitens bei allfälligem Abbiegen den Blinker betätigen oder die Richtungsänderung anderweitig entsprechend anzeigen. Beides scheint etwas aus der Mode gekommen zu sein, wie ich immer öfter feststellen muss; diese Beobachtung beschränkt sich jedoch keineswegs nur auf den städtischen Straßenverkehr.

Größere Relevanz beim Fahren in der Stadt hat allerdings eine Frage, deren Antwort ich hier zu finden versuche, weil es die dazugehörige Regelung zu meiner Fahrschulzeit (zumindest in Österreich) noch nicht gegeben hat. Was ich wissen möchte:
Wann dürfen Radfahrer gegen eine ausgewiesene Einbahn fahren ? Muss eine entsprechende Bodenmarkierung vorhanden sein oder auch eine Zusatztafel unter dem Einbahnschild ? Oder verhält es sich im Gegenteil so, dass Radfahrer grundsätzlich gegen jede Einbahn fahren dürfen, es sei denn, dies ist in der jeweiligen Straße ausdrücklich per Zusatzschild verboten ?

Selber fahre ich hier übrigens nicht mit dem Rad, aber als Fußgängerin hab ich mittlerweile schon mehrmals sehr brenzlige Situationen zwischen Autos und Radfahrern erlebt, sodass ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass auch viele Radfahrer nicht so recht wissen, wie und wo sie eigentlich fahren dürfen.

Kreisende Hubschrauber, ein Großaufgebot an Polizei in Alarmbereitsschaft, Menschen mit zerrütteten Nerven. Teils sind Rettungsmannschaften im Einsatz, um Verletzte zu bergen, mancherorts wird auch die Feuerwehr benötigt.


Nein, in Österreich ist kein Bürgerkrieg ausgebrochen, sondern es hat lediglich der Urlaubsreiseverkehr voll eingesetzt.

Vor geraumer Zeit ist mir hier im Grätzl ein Auto aufgefallen, das offensichtlich schon lange auf seinem Parkplatz steht; da ich in der Straße, in der sich dieser Wagen befindet, öfter unterwegs bin, habe ich bemerkt, dass sich beim Wagen die ganze Zeit nichts verändert hat. Heute nun hab ich gesehen, dass auf der Windschutzscheibe eine Verständigung der MA48 (jener Magistratsabteilung, die für allen Müll zuständig ist) klebt, wonach der Wagen demnächst von dort entfernt werden wird.

Das Auto ist nach wie vor angemeldet, da es mit einem Regensburger Kennzeichen versehen ist (R-HX 673); es handelt sich um einen Audi älteren Baujahres mit bräunlich-goldener Lackierung (eventuell metallic).

Falls jemand hier den Fahrzeughalter kennt, möge er ihm bitte sagen, dass er das Auto möglichst bald selber von seinem derzeitigen Standplatz entfernen sollte ...

Solch markige Ausdrücke finden sich in meinem sprachlichen Repertoire eher selten, aber der Titel dieses Eintrags ist das erste Attribut, welches mir angesichts der Tatsache in den Sinn kommt, dass in österreichischen Supermärkten um diese Jahreszeit fast ausschließlich Zwiebel angeboten wird, der aus Australien und Neuseeland kommt.

Dass Zwiebel zwar durchaus haltbar, jedoch nicht unbegrenzt lagerfähig ist, steht fest, dass der junge Zwiebel hierzulande erst im Wachsen begriffen ist, ebenfalls; dass man aber eine Gemüseart, die in weiten Teilen Europas problemlos wächst, aus derart exotischen Gefilden importieren muss, erschließt sich mir beim besten Willen nicht, zumal sicherlich in Südeuropa bereits reifer Zwiebel aus dortigem Anbau erhältlich ist.

Meine Meinung: Ein Schildbürgerstreich sondergleichen, der ein weiterer Nagel zu Mutter Erdes Sarg ist.

Ich lebe gerne in Wien, aber einen Missstand gibt es, der für mich zum Himmel stinkt:
Die Wiener Linien tun sich speziell in der Vorweihnachtszeit damit hervor, ständig per Ansage in den U-Bahn-Stationen vor dem "organisierten" Betteln zu warnen und dieses verbal in die Nähe der Kriminalität zu rücken; von den Bettlern fühle ich mich allerdings nicht belästigt, weil sie für mich schlimmstenfalls einen Beweis darstellen, dass wir hier aus der Sicht vieler Menschen geradezu in einem Paradies leben. Wer könnte einem armen Teufel verdenken, dass er versucht, in diesem Paradies wenigstens ein paar Brosamen zu ergattern ?

So selbstbewusst und zum Teil präpotent die Wiener Linien per Durchsage sowie mittels Aufsichtspersonals gegen Bettler vorgehen, so kleinlaut werden sie, wenn es darum geht, Dealern an den Karren zu fahren. Wie sonst ließe sich erklären, dass um die Mittagszeit an Werktagen in der U4 zwischen Kettenbrückengasse und Schwedenplatz reger Handel verbotener Substanzen herrscht, der völlig ungeniert neben unbeteiligten Passagieren abläuft ? Beim ersten Mal glaubte ich, meinen Augen nicht trauen zu können, danach hat sich mehr und mehr das Bewusstsein eingestellt, dass diese Art des Dealens sozusagen als fixe Einrichtung anzusehen ist, was mir auch mein Mann bestätigt hat. Dass es Orte und Plätze gibt, an denen gedealt wird (und es solche wahrscheinlich immer geben wird), ist unbestreitbar, dass Deals in öffentlichen Verkehrsmitteln stattfinden, in denen speziell um die Mittagszeit auch viele Kinder unterwegs sind, ein Unwesen, das abzustellen Sache der Wiener Linien wäre. Aber wahrscheinlich wenden die Verantwortlichen dort ihre ganzen Kräfte auf, um protzige Kampagnen gegen Bettler zu führen. Man schießt mit Kanonen auf Spatzen, während daneben echte Kriminalität blüht und gedeiht.

Und ich selber habe diesbezüglich auch keine Zivilcourage, sonst hätte ich schon öfter meine Digicam gezückt und fotografiert, was da so auf den rückwärtigen Bänken der mittleren Waggons geschieht.

Hauptpostamt 1130 Wien, heute kurz nach 12:30:

Als ich das Postamt betrete, sehe ich vor mir eine längere Schlange wartender Kunden; besetzt ist ein einziger Schalter, obwohl dieses Postamt offiziell durchgehend offen hat und deshalb um die Mittagszeit hier fast immer reger Betrieb herrscht. Eine weiter hinten stehende Kundin ruft - keineswegs unfreundlich - nach vor, ob es möglich sei, einen weiteren Schalter in Betrieb zu nehmen. Als Antwort ertönt ein lapidares "Nein". Erst nach ungefähr zehn Minuten wird ein zweiter Schalter geöffnet, die Schlange reicht mittlerweile fast bis zur Eingangstür (das Postamt ist keineswegs klein). Teils recht umständliche Kunden treffen auf wenig motivierte Mitarbeiter, was eine äußerst mühsame Mischung ergibt. Die Schlange wird nicht kürzer. Wiederum ein paar Minuten später öffnet ein dritter Schalter, wobei ein bis dato seitwärts außerhalb der Schlange gewartet habender Kunde mit Geschäftskorrespondenz, der ohnehin bereits an der Reihe wäre, schnell zu diesem Schalter tritt, woraufhin die Postangestellte hinter diesem Schalter ihm einen derart giftigen Blick zuwirft, dass ein Laserstrahl dagegen als Kinderspielzeug verblasst.

Aufgrund der Wartezeit langsam unter Zeitdruck kommend und deshalb in Gedanken, registriere ich nur am Rande, dass wegen des Kunden am dritten Schalter bei den Angestellten Unruhe entsteht, die darin gipfelt, dass einer der Postmitarbeiter über die Köpfe der Wartenden hinweg in Richtung dieses Kunden unüberhörbar ruft, dieser sei ein "Kopfschüssler", was wohl auch der größte Optimist kaum als Sympathiekundgebung werten kann. Weiters wird abfällig und höhnisch gleichermaßen kundgetan, dass es sich bei diesem Mann schließlich - im Gegensatz zu den Postangestellten - um einen Beamten!!! handle, welcher nach Abgabe der Poststücke nach Hause gehe.

Erst beim Verlassen des Postamtes fällt mir auf, dass der auf diese Weise attackierte Mann die ganze Zeit über nicht gesprochen, sondern sich nur durch Gesten verständigt hat.

 

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