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zwischen Pubertät und Altersstarrsinn

 

Lokale

Heute hatten wir nach einem anstrengenden Vormittag gleich zwei Gründe, spontan ein wenig zu feiern; aufgrund des warmen, sonnigen Wetters haben wir beschlossen, vor die Tore Wiens nach Mauerbach zu fahren und dort am Tulbingerkogel zum Zwecke eines späten Mittagessens das gleichnamige Restaurant aufzusuchen, von dem besonders ich schon sehr viel Gutes gehört und gelesen hatte.

Kurz gefasst: Nach meinem heutigen Eindruck zu urteilen kann ich dieses Lokal vorbehaltlos weiterempfehlen !
  • Das Ambiente ist traumhaft schön, da jede Menge Wald, ein wunderbarer Fernblick und ein sehr ansprechender Garten zusammen eine Augenweide erster Güte bieten.
  • Die Terrasse bzw. der Gastgarten sind genau aus diesem Grund einfach märchenhaft.
  • Das Service ist aufmerksam, aber unaufdringlich.
  • Die Küche ist ambitioniert - und zwar nicht bemüht, sondern sehr erfolgreich darin -, was für wunderbare Geschmackserlebnisse sorgt. Ich mag beispielsweise an warmen Tagen gerne kalte Gemüsesuppen, und sowohl das als Amuse Gueule servierte Gazpacho als auch die von mir georderte geeiste Gurkensuppe waren absolute Delikatessen. Alle anderen an unseren Tisch servierten Gerichte übrigens auch !
  • Das Lokal selber ist ebenfalls optisch sehr angenehm gestaltet - weder überkandidelt noch veraltet, und somit atmosphärisch sehr entgegenkommend.
  • Es gibt keinen Ruhetag und von 12:00 bis 21:30 durchgehend warme Küche.
Das Resumée ? Gut, dass wir nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnen, denn an diese Qualität der Speisen könnt ich mich schnell gewöhnen !

Restaurant Tulbingerkogel

Tulbingerkogel 1
3001 Mauerbach

Tel. 02273/73 91


www.tulbingerkogel.at

Wer Wien besucht, möchte im Normalfall auch ein paar gute kulinarische Erinnerungen mit nach Hause nehmen, und wer Gäste hat, versucht wahrscheinlich, ihnen einen Einblick in die vielseitige Wiener Lokalszene zu vermitteln. Wie wir selber schon einmal peinlich berührt erfahren mussten, sollte man sich jedoch nicht unbedingt darauf verlassen , dass ein Lokal, welches für seine Qualität viele Jahre lang bekannt war, bei diesem Niveau bleibt. Besitzerwechsel und/oder Austausch von maßgeblichem Küchenpersonal können auch klammheimlich hinter den Kulissen stattfinden - und zu veritablen Flops führen, für die man als seinen Gästen verantwortlicher Einheimischer am liebsten unverzüglich in den Boden versinken möchte.

Der Kurier, eine große österreichische Tageszeitung, publiziert in seiner Samstagsbeilage wöchentlich Lokaltipps inklusive jeweils einer größeren Lokalvorstellung oder -besprechung, die durchaus wert sind, katalogisiert zu werden. Für den Hausgebrauch eignet sich ein mit diesem Material erstellter Ordner, zum Mitnehmen auf Streifzüge aufgrund seiner Unhandlichkeit eher nicht. Dieses Problems eingedenk bringt der Kurier jährlich ein Büchlein heraus, welches sich als Zusammenfassung der Lokalrezensionen versteht, wobei die Lokale selber mehr als einmal getestet werden, um solche Flops wie den oben zitierten zu vermeiden.

"Tafelspitz" nennt sich das kleine Buch, welches problemlos in einer Handtasche Platz findet; wirklich aufschlussreich wird es durch seine Bewertungskriterien, welche da sind:
  • Küche (maximal 35 Punkte)
  • Keller (=Getränkeangebot, max. 10 Punkte)
  • Service (max. 15 Punkte)
  • Atmosphäre (max. 15 Punkte)
  • Preis/Wert (max. 20 Punkte)
  • Familie (=Eignung für einen Besuch mit Kindern, max. 5 Punkte)
Darüber hinaus lässt sich das Preisniveau eines Lokales erkennen, indem eine Abstufung zwischen einem (günstig) und vier (hochpreisig) Euro-Symbolen unter jeder Rezension zu finden ist. Jedes Lokal wird mit einem Bild, einem kurzen, aber aussagekräftigen Kommentar, Kontaktadresse, Öffnungszeiten sowie den obengenannten Bewertungskriterien vorgestellt, die Lokale selber sind in verschiedene Sparten eingeteilt.

Es finden sich:
  • Restaurants in Wien
  • Wirtshäuser in Wien
  • Restaurants mediterran
  • Restaurants ethno
  • Szenelokale
  • Restaurants am Land (nähere und weitere Umgebung Wien)
  • Wirtshäuser am Land (ebenfalls nähere und weitere Umgebung Wien)
  • sowie in weiterer Folge die am besten bewerteten Lokale in den Landeshauptstädten sowie an den Kärntner Seen, im Salzkammergut und im Steirischen Weinland.
Bewertet werden in Wien keineswegs nur Innenstadtlokale, darüber hinaus finden Adressen, die man besser meidet, von vornherein keine Erwähnung, allerdings scheut sich die Redaktion auch nicht, die Dinge beim Namen zu nennen, wenn ein Lokal aufdringlich beworben wird und dabei keine Leistung bringt. Der Begriff "Touristenfalle" kommt jedenfalls durchaus vor ! Garniert wird das Opus durch Einkaufstipps, Adressen von Vinotheken und Heurigen, was in Summe eine runde und sehr empfehlenswerte Sache ergibt; das Büchlein mit seinen über 300 Farbseiten kostet nur 6 Euro und ist im gut sortierten Buch- und Zeitschriftenhandel erhältlich - eine Investition, die sich schon mit dem ersten Essen amortisiert hat !

tafelspitz-2009

Verwundert war ich ja schon ein bissl, als Severin Corti, der eigentlich recht gestrenge Restaurantkritiker des Standard, im vorwöchigen Rondo (der Sonderbeilage, die jeden Freitag zum Standard gehört), ganz gegen seine sonstigen Gewohnheiten ein neues Wiener Lokal mit Lorbeeren geradezu überschüttete. Um ein Restaurant am Naschmarkt ging es, welches "Neni" heißt, sich in den Räumlichkeiten des nicht mehr existierenden "Wickerl am Naschmarkt" befindet und als einziges der Naschmarkt-Lokale mit einem Obergeschoß aufwarten kann. Neugierig, wie der beste aller Ehemänner und ich sind, waren wir vergangenen Samstag zu Mittag dort, konnten sogar einen Tisch ergattern - und wurden dann von einem höflichen und etwas demoralisierten jungen Mann darüber informiert, dass soeben ein Großteil der Elektronik (unter anderem das Kassensystem) zusammengebrochen sei und man vorerst zu seinem großen Bedauern schließen müsse. Ebenfalls leicht demoralisiert gingen wir von dannen, entschlossen, den Besuch bald einmal nachzuholen.

Heute wars dann Zeit für den zweiten Anlauf; am frühen Nachmittag waren wir dort und haben auch wieder bald einen Platz bekommen, obwohl schönwetterbedingt sämtliche Tische bei unserem Eintreffen besetzt waren. Die Speisekarte ist nicht allzu umfangreich, was mich für meinen Teil aber keineswegs erschreckt, sondern eher beruhigt, weil mir nur allzu bekannt ist, wieviel Fertig- und Teilfertigware in Lokalen verwendet wird, die sich mit einer opulenten Speisekarte jenseits des saisonalen Angebotes brüsten. Frühstück gibt es im Neni bis 14 Uhr; unter anderem wird ein Frühstück angeboten, welches aus hausgemachten Mohnerdäpfeln und Bratapfelmarmelade mit Challa (jüdischem Striezel) und Butter besteht. Aber nicht nur zum Frühstück werden ungewohnte Genüsse kredenzt, denn Süßkartoffelpuffer gehören auch nicht gerade zu den in unseren Gefilden alltäglichen Speisen; weiter geht es mit Salaten, die ebenfalls neue Gaumenfreuden offerieren, wie zum Beispiel ein Salat mit Roten Rüben, Ziegenfrischkäse und Granatapfelvinaigrette, und natürlich dürfen auch Mezzes nicht fehlen. Wir hatten uns für die Süßkartoffelpuffer, Hühnerstreifen in knuspriger Mandelpanier mit Chutney und hausgemachten Pommes Frites sowie Lammchops mit Chili-Tomaten–Chutney entschieden und harrten erwartungsvoll der kommenden Dinge. Mit Wartezeiten muss man derzeit rechnen, was aber aufgrund des Publikumsandranges und der Tatsache, dass es dieses Lokal erst seit zwei Wochen gibt, durchaus verständlich ist. Unter uns gesagt: Der Naschmarkt ist sowieso eine Art Freilichttheater, in welchem das Warten sehr kurzweilig wird.

Als unser Essen serviert wurde, stellten wir fest, dass es sehr appetitlich aussah und auch sehr heiß auf den Tisch kam, und nach den ersten Bissen wussten wir schon, dass hier ein Platz ist, an dem es möglich wird, neue geschmackliche Dimensionen zu erfahren. Nicht, dass angeberisch und krampfhaft experimentierend gekocht wird, nein, sondern es werden Aromen offenbar, die ihre Ursprünge in vielen Ländern haben und miteinander perfekte Verbindungen eingehen. Der Begriff „Fusionsküche“ drängt sich auf, obwohl er bereits bis zur Bedeutungslosigkeit strapaziert wurde, aber seinem ursprünglichen Sinn nach genau das aussagt, was im Neni umgesetzt wird. Ich bin eigentlich kein Fan von Chutneys, weil mir bis jetzt kaum eines, das ich gekostet habe, wirklich geschmeckt hat, aber das zu meinen saftigen und knusprigen Hühnerstreifen gehörende hätte ich löffelweise essen können, und wann ich zuletzt Pommes Frites genossen habe, die mit Kräutern dezent zusätzlich aromatisiert waren, kann ich nicht mehr sagen. Das Lammfleisch war ebenfalls zart und hocharomatisch, das Chili-Tomaten-Chutney ein kulinarisches Feuerwerk, die Süßkartoffelpuffer perfekt gewürzt und knusprig. Wir haben sagenhaft gut gegessen.

Später ist noch die Chefin vorbeigekommen (die übrigens großen Wert darauf legt, selber in der Küche zu stehen !), um sich nach unserer Zufriedenheit zu erkundigen; nach dem darauf folgenden kurzen Gespräch mit ihr war uns klar, dass sie jemand ist, der mit Leib und Seele kocht. Es sind Haya Molchos sehr persönliche Rezepte, wahrscheinlich auch verknüpft mit Begegnungen und Erinnerungen – kleine Erzählungen, die der Gast auf dem Teller vorfindet, die Fantasie und Körper gleichermaßen nähren. Unser Resumée: Schön, dass es Menschen gibt, die an das glauben, was sie tun, und dass es Lokale gibt, die einen auf jene Art und Weise überraschen können, wie dies beim Neni der Fall ist !


Neni
Naschmarkt 510

Montag – Samstag 8:00 bis 24:00 geöffnet
Frühstück 8:00 bis 14:00
warme Küche 12:00 bis 23:00

Reservierung ist möglich !


Ich weiß noch nicht, ob ich mich freuen oder ob es mir zu denken geben soll, wenn mittlerweile der Großteil des Personals im Hanil an der Wienzeile weiß, was die Tochter und ich trinken.

[Zur Erklärung: Wir müssen dort regelmäßig hin, um erstens Frauengespräche zu führen und zweitens, weil M. von der Firma als Essenszuschuss Restaurantgutscheine bekommt - von einer Marke, die in Wien nicht sehr verbreitet ist, beim Hanil aber angenommen wird. Durch die Suche nach Partnerbetrieben dieser Firma sind wir nämlich überhaupt erst auf das Hanil gestoßen, unsere Besuche beruhen also auf reinen Sachzwängen. :-) ]

Heute haben der beste aller Ehemänner und ich beschlossen, es sei wieder einmal Zeit für eine süße Sünde bei den freundlichen Herren vom Süssi. Wir hatten zum Kaffee also eine Crème Catalane, die es wert wäre, auch fünf Kilometer Fußweg in Kauf zu nehmen, um in deren Genuss zu kommen, sowie "Custard d'Riz". Aroma und Konsistenz der Crème waren perfekt - nicht wie Pudding, aber auch nicht wie jene sehr fetthaltigen Süßspeisen, die die Galle noch zwei Tage nach dem Genuss auf Hochtouren laufen lassen. Würde man "Custard d'Riz" aufgrund der Zutaten mit Milchreis vergleichen, liefe dieser Vergleich aufs selbe hinaus wie einer zwischen einer Uhr von Lange & Söhne und einer beim Diskonter gekauften. Was mir serviert wurde, war eine geschmacklich feinst abgestimmte Komposition aus Reis, Obers, Karamel, Zimt und anderen Gewürzen, liebevoll garniert mit frischen Früchten - ein Fest für die Sinne.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Miss" (Juli/August) wird das "Süssi" übrigens ganzseitig mit Bildern vorgestellt !


edit 5. Juli:

Eine Neuigkeit gibt es zu vermelden - das Süssi bezieht im kommenden Monat im selben Haus ein zweites Lokal, sodass der liebenswerte Salon d'Thé ab September seinen Gästen zwischen dreißig und vierzig Sitzplätze anbieten kann ! Ach ja - Bilder gefällig ?

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Herr P. und ich hatten heute nachmittag in der Nähe des Naschmarktes zu tun; wir ergatterten einen Parkplatz in der Operngasse. Als wir mit unseren Einkäufen zum Wagen zurückkamen, entdeckte der beste aller Ehemänner auf der anderen Straßenseite ein Lokal, das seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Wir überquerten die Straße - und standen vor einem Lokal, das ich in dieser Form vielleicht in Paris, jedoch trotz der ansonsten lebhaften Lokalszene keinesfalls in Wien erwartet hätte. "Süssi" heißt die kleine Konditorei, die sich bei genauerer Betrachtung als Patisserie in bester französischer Manier entpuppte. Das Lokal selber ist winzig klein und ausgesucht liebevoll ausstaffiert, auf dem Gehsteig stehen drei kleine, einladend gedeckte Tische, bewacht von einer freundlichen alten Dackeldame, drinnen regieren die Farben rot und gold, garniert mit klug angebrachten Spiegeln, die den Raum optisch vergößern.

Wer hier eine Auszeit nimmt, betritt eine andere Welt, in der Zeit an Bedeutung verliert und die Sinne betäubt werden von dem unglaublichen Duft, der dieses liebenswerte Refugium umgibt. Die Aromen von Kaffee, Tee, Schokolade und Früchten sammeln sich verheißungsvoll - und die Produkte halten, was der Duft verspricht. Das Schaufenster quillt beinahe über von äußerst geschmackvoll und scheinbar zufällig arrangierten Köstlichkeiten: Große und kleine Tartes sowie Quiches werden hier angeboten, und eine Tafel verkündet, dass es alle diese Verführungen auch zum Mitnehmen gibt; drinnen findet sich auch ein kleines, feines Sortiment an - natürlich ebenfalls selbstgemachten - Eiscrèmes.

Wir haben an einem der Tischchen draußen Platz genommen, und bevor wir noch bestellt hatten, wurde uns in zwei schönen Gläsern kaltes Wasser serviert. Der Kaffee war exzellent und die beiden bestellten Süßigkeiten ebenfalls, wobei meine Bestellung sich als Gedicht aus hellem Teig mit Pflaumen und heißer Karamelsauce herausstellte. Mein Gegenüber zeigte sich nicht weniger angetan von seiner Karamelcrème, die ebenfalls sehr ansprechend angerichtet war. Die Gunst der Stunde nutzend, haben wir noch eine Quiche und drei kleine Törtchen mitgenommen:

suessi-quiche

suessi-tartes

Des Rätsels Lösung, was die Klasse dieses charmanten Lokals anbelangt, offenbarte sich übrigens auf Anfrage schnell: Ein Franzose ist hier am Werk, und das, was in dieser winzigen Küche gezaubert wird, grenzt an ein Wunder. Die Kompositionen sind weit davon entfernt, einander geschmacklich zu ähneln und sich nur durch das Aussehen zu unterscheiden, denn jede Kreation erstaunt und fasziniert durch andere Aromen. Wer Überraschungen nicht so sehr schätzt, wird hier gerne aufgeklärt, worum es sich bei den jeweiligen Spezialitäten handelt !

Zum Abschluss sei mir eine persönliche Bemerkung gestattet: Solche Juwelen wie das "Süssi" sind die unentbehrlichen Gewürze jeder großstädtischen Gastronomie, deshalb hoffe ich sehr, dass diesem erst Anfang März eröffneten Lokal eine echte Erfolgsgeschichte beschieden ist !

Adresse:

1040 Wien, Operngasse 30
(Nähe U-Bahn-Station Karlsplatz)

geöffnet Dienstag bis Sonntag, jeweils 11:00 - 21:00

Der beste aller Ehemänner eröffnete mir eines Tages, als er beruflich in Wien weilte, dass der Dommayer, dieses Hietzinger Traditionslokal, nunmehr von der Kurkonditorei Oberlaa übernommen worden sei. Damals verstand ich seine ziemlich unzureichend kaschierte Empörung nur bis zu einem gewissen Grad; zwar kannte auch ich das Cafè Dommayer zu diesem Zeitpunkt schon seit ein paar Jahren, hatte in meiner Naivität jedoch keine Zweifel daran, dass alles beim Alten bleiben würde. Den Umbau eines Teils des Lokales hätte ich noch verschmerzt, obwohl der gemütliche Salon mit dem roten Plüsch und den Schaukästen voll schönen Porzellans einer großen Mehlspeisvitrine weichen musste, zumal der Gassenverkauf der Mehlspeisen offensichtlich eine Marktlücke gedeckt zu haben schien. Auch an der Qualität der Torten und des Gebäcks gab und gibt es derzeit von meiner Warte aus nichts zu bemängeln, mehr und mehr drängt sich mir jedoch der Verdacht auf, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch in diesem Segment jene Einsparungsmaßnahmen Raum greifen, die bereits auf anderen Sektoren zu finden sind und welche eindeutig zu Lasten des Kunden gehen, dafür jedoch den Gewinn der Betreiber erhöhen. An der Qualität des Kaffees gibt es schon jetzt einiges auszusetzen - so ist der große Braune deutlich wässriger geworden und beim Franziskaner, dessen Krönung aus geschlagenem Obers – und nur aus Obers ! – bestehen muss, findet der staunende Gast einen kleinen Tupf Obers auf einer Milchschaumhaube. Den Chef freut es, den Kaffeefreund verstimmt diese Tatsache, denn man muss keine Hotelfachschule absolviert haben, um zu wissen, dass Milch im Einkauf deutlich günstiger ist als Obers. Äußerst unangenehm fällt überdies auf, wenn dem Besucher an einem Werktag um die Mittagszeit aufgebackene Semmeln serviert werden, sodass man sich die bange Frage stellt: Was kommt als nächstes ? Tortenböden vom Diskonter ? Zu den Kaffeehäusern meiner Wahl gehört der Dommayer jedenfalls nicht mehr.


Kleiner Themenwechsel:

Im heutigen „Standard“ findet sich auf der Titelseite eine Kolumne, welche den Titel „Ein Kompromiss“ trägt und sich mit der Problematik der Raucherregelung befasst.

Die Wirte der Einraumlokale bis 50 m² dürfen jetzt selbst entscheiden, ob sie das Rauchen zulassen. Das ist eine Schutzbestimmung für Tschocherln (in etwa gleichbedeutend mit „Kaschemmen“, Anm. von Walküre), in denen sich die unterprivilegierte Schicht wegtschickt („wegraucht“).
Abgesehen davon, dass ich mir das Sich-Wegrauchen mit legalen Substanzen als schwieriges Unterfangen vorstelle, scheint dem Autor/der Autorin eine gewisse Affinität zu Branntweinern und Trinkhallen eigen zu sein, da er/sie sich gar so sehr auf besagte Tschocherln kapriziert, wobei speziell in diesem Fall der Begriff „unterprivilegierte Schicht“ sehr deplaziert wirkt. Davon, dass es sich hier um dreiste Polemik handelt, sollten wir nicht ausgehen, oder etwa doch ? Mangelndes Nachdenken muss auf jeden Fall attestiert werden, denn andernfalls hätten ausreichende Überlegungen zu dem Ergebnis geführt, dass gerade in denkmalgeschützten Bereichen kleiner, alter Städte viele Lokale dieser Größenordnung zu finden sind, deren Inhaber sich schön für die Klassifikation als Tschocherl bedanken würden und deren Publikum sich überdies einer einfachen Zuordnung entzieht. Dem schlichten Weltbild des Autors/der Autorin zufolge gehört übrigens vermutlich auch die Loos-Bar zu den Tschocherln ...

Im aktuellen Lokalführer „Wien, wie es isst ...“ findet man den „Wambacher“ in Hietzing nicht, es wird nur eine vorübergehende Schließung erwähnt. Uns war bekannt, dass massive Umbauarbeiten am Gebäude stattfanden, von außen war vor allem zu erkennen, dass das Dach zur Gänze erneuert wurde, und erst kürzlich bemerkten wir, dass das Lokal wieder geöffnet war. Im Vergleich zu anderen Bezirken ist Hietzing nicht gerade kulinarisch verwöhnt, wenn man vom Plachutta einmal absieht, und seit der Spiller in der Hietzinger Hauptstraße seine Pforten geschlossen hat, ist es schwierig geworden, hier ein Lokal mit gutbürgerlicher Küche zu moderaten Preisen zu finden. Am vorigen Sonntag hatten wir einen Ausflug ins Burgenland unternommen, der sich zwar landschaftlich sehr schön gestaltete, kulinarisch jedoch äußerst enttäuschend war, weil wir nicht bereit waren, uns auf Convenience Food in Touristenfallen einzulassen. Seit dem Frühstück nichts gegessen habend, landeten wir am späten Nachmittag mit knurrenden Mägen wieder in Wien und stellten im Vorbeifahren fest, dass beim „Wambacher“ offen war. Heimfahren, sich ein bissl frisch machen und dann nichts wie ab in die Lainzer Straße !

Beim Betreten macht das Lokal einen sympathischen Eindruck; der Umbau wurde im Inneren sehr behutsam vorgenommen, sodass die Veränderungen niemanden vor den Kopf stoßen und die schöne alte Bausubstanz zur Geltung kommt. Der Ober erkundigt sich umgehend nach unseren Getränkewünschen (Die Getränke hier sind das, was man früher gerne als „gepflegt“ bezeichnet hat !), währenddessen wir die Qual der Wahl haben, denn die Speisekarte ist sehr liebevoll zusammengestellt, wobei der Schwerpunkt klar auf der österreichischen Küche liegt. Wir bestellen, und wenig später steht schon die Erdäpfelsuppe auf dem Tisch, die ihrem Namen zur Ehre gereicht, denn es finden sich in ihr keineswegs nur Erdäpfel, sondern als solche erkennbare Pilze und natürlich auch Speckwürfel. Die allmählich wieder erwachenden Lebensgeister sorgen dafür, dass wir aus der Küche dezentes, jedoch unüberhörbares Schnitzelklopfen vernehmen, was für zusätzliche Vorfreude sorgt, lässt dieses Geräusch doch per se auf eine bestimmte Qualität des Essens schließen. Die beiden Schnitzel enttäuschen diese Erwartung nicht: das Kalbsschnitzel ist wunderbar zart und in gutem Fett gebacken, ebenso das Riesenschnitzel, dessen Fleisch auf den ersten Bissen kaum als Schweinefleisch zu erkennen ist, so fein im Geschmack ist es. Ich habe mir den Zander auf Paprikagemüse mit Würzerdäpfeln bestellt – der Fisch ist genau auf den Punkt gebraten, das Gemüse bissfest, die Erdäpfel sind speckig und harmonieren sehr gut mit dem gesamten Arrangement. Der zu den Schnitzeln bestellte Erdäpfelsalat schmeckt ebenfalls hervorragend, dies sei der Vollständigkeit halber erwähnt !

Wir können der Versuchung nicht wiederstehen und ordern noch zwei Desserts, nämlich Kaiserschmarrn und Malakoffnockerln. Mir passiert es selten genug, dass ich den Eindruck gewinne, ein Dessert toppe noch das vorherige Essen (obwohl dies eigentlich die Norm sein sollte), aber hier ist genau dies der Fall, denn die Nockerln sind zart, nussig und aromatisch und der Kaiserschmarrn ist ein duftendes Wunder an Flaumigkeit, das jedem Haubenkoch zur Ehre gereichen würde.

Satt und zufrieden erfahren wir auf unsere Anfrage hin, dass nur der Name „Wambacher“ geblieben ist, ansonsten aber die komplette Belegschaft gewechselt hat und die Küchenbrigade darüber hinaus in einer völlig neu gestalteten Küche arbeitet; Werbung gibt es keine, der Besitzer vertraut auf Mundpropaganda. Bitte sehr, hiermit geschehen, sofern es auch Internetpropaganda sein darf !

Restaurant/Heuriger Wambacher

Lainzerstraße 123
1130 Wien

Tel. 01/804 83 66

Geöffnet täglich von 11 bis 24 Uhr, kein Ruhetag !


Der Wambacher im Internet

 

twoday.net AGB

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