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zwischen Pubertät und Altersstarrsinn

 

Wien, wie ich es liebe

Mein neuer Friseur ist ein Glücksgriff. Die Angestellte, von der ich betreut worden bin, versteht es tatsächlich, Haare so zu schneiden, dass meine Naturwelle zur Geltung kommt und ich - wenn ich mag - eine Frisur habe, die früher nur mit Dauerwelle möglich war. Da der ganze Salon auf natürliche Looks Wert legt, meine ich, endlich eine Adresse gefunden zu haben, bei der ich dauerhaft gut aufgehoben bin, auch wenn das Personal wechseln sollte.

Am Freitag war ich mit einer entzückenden jungen Dame (4 Jahre) im Tiergarten, wobei ich überrascht festgestellt habe, dass ich nicht verlernt habe, mit kleinen Kindern umzugehen. Ihr hats jedenfalls gefallen - und mir auch.

Gestern war uns nach einem Kaffee beim Drechsler und nach Obst vom Naschmarkt; gekauft haben wir Äpfel, frische Datteln, Nektarinen, Pfirsiche und Muskattrauben, sodass ich hier von herrlichen Düften umweht sitze und schreibe ...

Doch damit nicht genug: Langsam beginnen wir wieder, Wochenendausflüge zu planen, weil der beste aller Ehemänner nicht mehr die Arbeitswoche im Ausland verbringt. Gestern hatte er spontan die Idee, heute ins Burgenland zu fahren, sofern Schönwetter herrschen würde. Es herrschte, und so sind wir am frühen Vormittag in Richtung Neusiedlersee aufgebrochen. Zunächst waren wir in der Gegend um Apetlon, um in der scheinbar menschenleeren Weite spazierenzugehen, danach wollten wir in Podersdorf essen; im "Tafelspitz", dem Lokalführer des "Kurier", wird das Gasthaus "Zur Dankbarkeit" wärmstens empfohlen, aus unserer Einkehr dort wurde aber nichts, weil wir nicht reserviert hatten. Unter den Wirtshäusern ist auch "Die blaue Gans" in Weiden gelistet, in der niemand geringerer als Alain Weissgerber als Küchenchef wirkt. Für uns rangierte das Lokal, das wir bislang nur von Rezensionen gekannt hatten, unter den gehobenen Restaurants, aber wir lassen uns ja durchaus gerne überraschen ! Den Seepark in Weiden, wo sie sich befindet, haben wir zwar gleich gefunden, das Lokal selber ist aber per Schild nicht erkennbar, nur die ausgehängte Speisekarte weist darauf hin, dass hier ein Restaurant betrieben wird. Molekularküche gibt es hier nicht mehr, auf alles andere waren wir neugierig und so haben wir auf der Gartenterrasse einen schönen Platz gefunden. Die Lage kann man nur als traumhaft bezeichnen, denn der Garten ist nur wenige Schritte vom See entfernt und großzügig dimensioniert; der Blick fällt auf grünes Schilf, blauen Himmel und weiße Segelschiffe. Gegessen habe ich exzellent: Weissgerbers Interpretation des Salade Nicoise ist witzig und wohlschmeckend, das Gemüse meines Hauptganges war bissfest und von allerbester Qualität, der Reis genau richtig und der Wels geradezu ein Gedicht, denn Fisch auf jenen Punkt zu garen, an dem er sich exakt an der Grenze zwischen roh und völlig gar befindet, ist eine hohe Kunst, die einen guten Koch offenbart. Einziger Kritikpunkt von meiner Seite: Das Service kann ich nicht als schlecht bezeichnen, ich für meinen Teil würde aber solch herrliche Speisen in einem so schönen Ambiente mit deutlich mehr Stolz und Begeisterung servieren. Verstanden haben wir nach unserem Besuch auch, weshalb dieser Glücksgriff von einem Lokal nicht als Restaurant bezeichnet werden will: Lagebedingt sind auch Gäste in etwas legerer Kleidung (jedoch nicht kurze Hose und Rippunterhemd !) willkommen, genauso Kinder und Hunde. Eine gute Idee, denn ein als solches deklariertes Restaurant hätten wir heute bewusst nicht aufgesucht. Als Wermutstropfen entpuppte sich nach dem hervorragenden Essen ein Faktor, auf den Maitre Weissgerber allerdings keinen Einfluss hat: Es gibt beim Seepark Weiden im Gegensatz zu anderen am Neusiedlersee gelegenen Orten keinen direkten freien Zugang zum See.

Zum Abschluss eine kleine Impression von einem Tag wie Samt und Seide:

an-der-Langen-Lacke

Als Kontrapunkt zu den miserablen Nächten der vergangenen Woche schien es angebracht zu sein, dieses lange Feiertagswochenende tendenziell zu verbummeln und ein wenig dem Dolce Vita zu frönen ...

Am Freitag:
lobmeyr-am-graben

Am Samstag:
franzensburg

Heute Frühstück dort:
fruehstuecksplatz

Am Morgen waren die Kopfschmerzen zwar weg, der Ärger nagte aber immer noch recht deutlich an meiner Seele. In solchen Fällen hilft, dem Lockruf der Innenstadt zu folgen, die mir stets schon allein durch ihre schönen alten Bauwerke freundlich gütigen Trost gewährt. Eine Kleinigkeit zu tun gibt es auch immer (Ich erledige niemals restlos, was im Zentrum zu machen oder besorgen wäre, schließlich brauche ich für fast alles, was ich tue, einen greifbaren Grund. Jungfrau halt.), also hab ich mich auf den Weg in die Stadt gemacht.
  1. Flip-Flops machen optisch (Dieser watschelnde Gang !!!) und akustisch gleichermaßen auch die hübschesten Sommerkleider an den hübschesten Frauen zunichte. Von High-Heels über Pumps über Sandalen über Sabots bis zu Mules geht zu luftigen Outfits alles - außer Flip-Flops.
  2. Viele amerikanische Touristenehepaare scheinen panische Angst vor österreichischem Kaffee zu haben, zumindest scheint es so, wenn man sich bei den St*rbucks-Filialen umsieht. Vielleicht halten sie ja Koffein für eine äußerst gefährliche Substanz, was auch eine Erklärung für die Beschaffenheit der dortigen Produkte wäre.
  3. Meine Verliebtheit in eine Jaeger-leCoultre in der Auslage vom Haban beruht leider nicht auf Gegenseitigkeit, weil sich bei der Uhr keine Preisangabe fand. Aus gutem Grund, wie ich annehme.
  4. Die neue Nespresso-Boutique am Graben wird meiner Ansicht nach floppen. Weshalb ? Möchte man Kaffee kaufen, muss man in die erste Etage gehen - nichts ist verheerender, als kaufwillige Kundschaft abzubremsen und in ein anderes Stockwerk umzudirigieren. Was macht man, wenn man mit einem Kinderwagen unterwegs ist oder sich mit dem Treppensteigen schwertut oder auch nur ziemlich beladen ist ? Eine witzige Alternative wäre zweifellos ein Paternoster gewesen, aber eine normale Treppe ist in diesem Kontext reizlos.
  5. Das kleine Café beim Meinl am Graben ist ein herrlicher Platz, um Leute zu beobachten, und ein angenehmer, kühlender Luftzug ist dort ebenfalls vorhanden.
  6. Bei allen Innenstadtjuwelieren und Banken finden sich Securityleute - bei den Juwelieren drinnen beim Eingang, bei den Banken draußen. Polizeibeamte sind ebenfalls unterwegs, wobei diese derzeit mehr als Anlaufstelle für suchenden Touristen dienen. Mich störts nicht, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass alleine schon die sichtbare Präsenz von Sicherheitspersonal viele potentielle Schurken von irgendwelchen Schandtaten abhält.
  7. Villeroy & Boch hat ein Service mit einem neuen Design auf den Markt gebracht, welches sich "Green Garland" nennt und mir außerordentlich gut gefällt. Ein Kauf kommt allerdings nicht in Frage, weil es zu unserer Wohnung nicht passen würde (und wir außerdem erst vor wenigen Jahren neues Geschirr gekauft haben). Schön anzusehen ist es trotzdem !
  8. Wenn mir in der Auslage eines Juweliers Ohrringe sehr, SEHR gut gefallen, kann ich davon ausgehen, dass es sich um die teuersten Stücke in selbiger handelt.
  9. Sonne, Wärme, strahlend blauer Himmel, schöne Häuser, wunderbare Parkanlagen. Was war es schnell nochmal, worüber ich mich noch heute früh so sehr geärgert habe ? ;-)

Weil ich zum Zwecke des Einkaufs von Fremdwährung für die Tochter ohnehin in die Innenstadt fahren wollte, hab ich mich förmlich gezwungen gesehen, mir dort einen schattigen Platz zum Kaffeetrinken auszusuchen und dann etwas zu tun, was zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört, nämlich Menschen zu beobachten. Nicht dergestalt, dass ich innerlich über Passanten lästere, sondern in der Form, dass ich versuche, mir anhand der ganzen Erscheinung ein Bild vom jeweiligen Menschen zu machen.

Natürlich stelle ich angesichts der den 1. Bezirk stürmenden Touristenscharen auch immer wieder dankbar fest, dass die halt wieder fahren müssen, ich hingegen bleiben kann ...

Im Frühling zieht es den Menschen üblicherweise an die frische Luft, ins Freie, ins Grüne, denn Winter pflegen stets zu lange zu dauern und zu kalt zu sein; im Herbst hingegen möchte er draußen noch die letzten warmen Tage vor dem Winter genießen. Der Winter ist die ideale Saison für lange Museumsbesuche, während derer die graue Tristesse der Jahreszeit dem Vergessen anheimfällt, unterschätzt wird aber gemeinhin auch gerne, wie gut sich bei Sommerhitze das Betreten eines Museums anspürt, wo der erschöpfte Mensch von gedämpfter Kühle liebevoll umfangen wird, um mit erfrischtem, wachem Geist sich dem Kunstgenuss hingeben zu können ...

Infolgedessen sieht meine (vorläufige) Wunschliste für feriale Museumsbesuche folgendermaßen aus, wobei die Reihung als beliebig anzusehen ist:

Heute waren ohnehin sehr viele Verkehrsteilnehmer irgendwie ... daneben - wie fast immer, wenn die Temperaturen relativ hoch sind. Den Vogel aber hat eine alte Frau abgeschossen, welche ohne nach rechts und links zu schauen eine stark befahrene Straße überquert hat und damit eine Straßenbahngarnitur (die glücklicherweise nicht mit voller Geschwindigkeit unterwegs war) zu einer Vollbremsung zwang.


Kommentar des besten aller Ehemänner:

"No, jetzt warad fast a Wohnung freigwurdn !"

Heute am späten Nachmittag in einer U-Bahn-Station in der Innenstadt:

Wenige Meter von mir entfernt warten zwei junge Männer ebenfalls auf die U-Bahn; die beiden unterhalten sich, als ich bemerke, dass sie plötzlich ein paar Schritte weiter in meine Richtung gegangen sind und vor allem einer der beiden gebannt in meine Richtung auf die andere Seite des Bahnsteigs schaut. Er hat jenen Blick, den man von alten Werbegrafiken kennt, die demonstrieren sollen, wie groß die weihnachtliche Freude eines Buben ist, wenn er eine bestimmte Spielzeugeisenbahn geschenkt bekommt. Nachdem ich keinesfalls annehme, dass der Blick mir gilt, nicht zuletzt, weil ich vom Alter her problemlos die Mutter der beiden Männer sein könnte, drehe ich mich um - und sehe, dass er eine junge Frau mit langen blonden Haaren und sehr guter Figur anhimmelt, die mit dem Rücken zu uns steht. Nach ein paar Sekunden andächtigen Staunens entringen sich ihm die bewundernden Worte: "Boah, is des a Semmerl !!!"

Ich kann mir ein lautloses Lachen nicht verkneifen, wende mich jedoch zur Seite, damit die beiden nicht glauben, ich würde sie auslachen, aber als mich wieder umdrehe, sieht einer von den Zweien mein amüsiertes Gesicht. Sie erkennen aber beide, dass mein Lächeln der Situation selber gilt und schmunzeln auch. Ich steige mit einem Lächeln, das noch eine ganze Weile auf meinem Gesicht bleibt, in die U-Bahn.

Wenn es nicht gerade in Strömen schüttet, werden auch wir am kommenden Samstag in die Atmosphäre rund ums Rathaus eintauchen (Karten dann hoffentlich nächstes Jahr) !

Life Ball 2009

Stylebible

Der offizielle Song
(Achtung, die Ladezeiten sind manchmal etwas mühsam)

susanna
Bilder der Stylebible: Andreas Bitesnich/Markus Morianz

Vor zwei Wochen hatte sich sehr kurzfristig herausgestellt, dass der beste aller Ehemänner am ersten, langen Maiwochenende im Ausland arbeiten würde, und vor einer Woche stellte sich heraus, dass eine für dieses Wochenende geplante Verabredung meiner Tochter nicht zustandekommen würde. Fürs erste gesehen, wäre dies ja die Basis für drei lange Gesichter, welche missmutig das schnelle Ende des verlängerten Wochenendes herbeiwünschen, aber M. tat in einer im Frühling sehr schönen und ihm schon einigermaßen vertrauten Region Dienst, sodass die Tochter und ich beschlossen, es uns ebenfalls nicht schlecht gehen zu lassen.

Also waren wir am Freitag in der Mucha-Ausstellung im Unteren Belvedere (übrigens ein äußerst sehenswerter Überblick über das Schaffen dieses genialen Künstlers !), am Abend dann Sushi-Essen; am Samstag zuerst beim Sperl frühstücken und danach für die Tochter Schuhe kaufen, ein gemeinhin sehr nervenzehrendes Unterfangen (Kleine Textaufgabe: Ich bin 1,72 groß und habe Schuhgröße 42, die Tochter ist bereits deutlich größer als ich und trägt Schuhgröße ...). Diesmal wars aber entspannt, und wir haben drei Paar schöne Schuhe für sie bekommen. Der Samstagabend verging mit Lesen (bei mir) und mit Teamspeaken und Spielen (bei der Tochter). Für den Sonntag hatten wir Park & Tiergarten Schönbrunn eingeplant und streunten dann auch wirklich den ganzen Nachmittag durch die Gegend.

Ein Kurzurlaub in den eigenen vier Wänden kann auch schön sein.

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Von livrierten, behandschuhten Bediensteten Kaffee serviert zu bekommen, während eine charmante Anekdote Einblicke in tendenziell exotisches Berufsleben vermittelt.

 

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